Die Bundeswehr hat einen groß angelegten Umbau ihres Beschaffungsamts für Rüstungsgüter auf den Weg gebracht. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will starre Strukturen aufbrechen und neue Standorte schaffen, um Rüstungsgüter schneller und effizienter zu beschaffen.
Pistorius informierte den Verteidigungsausschuss des Bundestages über die geplante Reorganisation des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw). Es müssten die Voraussetzungen für schnellere Entscheidungen und einen weiter steigenden Umfang bei der Beschaffung von Rüstungsgütern geschaffen werden, sagte Pistorius. Die Umsetzung soll ab Juli schrittweise erfolgen.
Das BAAINBw mit Hauptsitz in Koblenz und insgesamt 7900 Beschäftigten ist der zentrale Einkäufer für Rüstungsgüter der deutschen Streitkräfte. Die Beschaffungsprozesse der Behörde waren in der Vergangenheit wiederholt als langwierig und ineffizient kritisiert worden.
Bundeswehr verlegt Patriot-System in die Türkei
Bundeswehr-Beförderungsstopp: Stabsfeldwebel-Karrieren werden ab Juli 2026 ausgesetzt
Neue Strukturen entlang der Truppenbereiche
Statt traditioneller Abteilungen und Referate soll das Amt künftig eine flexible Struktur erhalten, die sich an den Truppenbereichen Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum sowie Weltraum ausrichtet. „Somit können Projektteams flexibel und agil zusammengestellt und Schwerpunkte schnell gebildet werden“, erläuterte die Bundeswehr. Zudem soll es nach Angaben der Bundeswehr „erweiterte Schnittstellen zur Industrie“ geben, um Entwicklungen am Markt besser im Blick zu haben. Auch die Preiskontrolle bei Rüstungsvorhaben soll laut Pistorius verbessert werden.
Neue Standorte in Bremen, Dresden und Brüssel
Ein neuer Ableger in Bremen soll die Zusammenarbeit mit Industriepartnern und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen Raumfahrt und Marine erleichtern. Der bestehende Standort in Dresden wird um den Bereich Cyber- und Informationstechnik erweitert. Eine neue Vertretung in Brüssel soll nach Angaben der Bundeswehr einen frühen Zugang zu EU-Rüstungsinitiativen sowie eine bessere Vernetzung mit Partnerstaaten ermöglichen. Ein Anfang des Jahres im bayerischen Erding eröffnetes Innovationszentrum wird durch eine weitere Stelle in Kiel ergänzt.
Keine Stellenstreichungen geplant
Pistorius betonte, die Bundeswehr werde bei der Behörde „mit Sicherheit keine Stellen abbauen". Inwieweit zusätzliche Stellen nötig seien, müsse sich zeigen. Derzeit gebe es noch eine große Anzahl unbesetzter Stellen in Koblenz. Die Mitarbeiter seien im Vorfeld eingebunden worden und hätten 600 Reformvorschläge eingereicht, sagte der Minister. (mit dpa)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]