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Naturkatastrophe

Pistorius zu Erdbeben in Venezuela: „Bundeswehr steht bereit“ – Zehntausende Tote befürchtet

Zwei aufeinanderfolgende Erdbeben erschüttern Venezuela. Gebäude stürzten ein, es werden bis zu 100.000 Tote befürchtet.

4 Min
Venezuela wurde von zwei starken Erdbeben erschüttert. Mehrere Gebäude stürzten ein.

Venezuela wurde von zwei starken Erdbeben erschüttert. Mehrere Gebäude stürzten ein.

© Diko Betancourt/imago

Zwei aufeinanderfolgende Erdbeben mit Stärken von 7,2 und 7,5 haben am Mittwochabend (Ortszeit) Venezuela erschüttert und schwere Schäden verursacht. Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez rief laut AP in einer kurzen Fernsehansprache den Notstand aus. In mehreren Bundesstaaten seien Schäden entstanden, sagte sie.

Der internationale Flughafen Simón Bolívar sei so stark beschädigt worden, dass er geschlossen werden musste. Der Unterricht an Schulen werde für mehrere Tage ausgesetzt. „Wir fordern unsere Bevölkerung auf, ruhig zu bleiben“, sagte Rodríguez nach AP-Angaben.

Pistorius bietet Unterstützung der Bundeswehr an

Die Bundeswehr steht nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bereit, um Unterstützung zu leisten. „Die Bundeswehr steht bereit und kann kurzfristig bis zu sechs Transportflugzeuge A400 M zur Verfügung stellen, sobald Unterstützung von uns angefordert wird“, erklärte Pistorius laut dem WhatsApp-Kanal des Ministeriums.

Der Minister erklärte: „Die Nachricht von den vielen Tausenden Toten in Venezuela hat mich tief erschüttert“. Die Transportflugzeuge könnten demnach eingesetzt werden, um Personal oder Material des Technischen Hilfswerks THW nach Venezuela zu bringen oder Transportflüge innerhalb des Landes zu ermöglichen. Er dankte zudem „allen Soldatinnen und Soldaten, die sich jetzt bereits auf diesen Einsatz vorbereiten“.

Zahlreiche Tote befürchtet

Die US-Erdbebenwarte USGS warnte auf Grundlage eines ersten Modells vor möglichen hohen Opferzahlen und schätzte die potenzielle Zahl der Todesopfer auf 10.000 bis 100.000. US-Präsident Donald Trump sprach in seinem Onlinenetzwerk Truth Social von einer „erschütternden Zahl von Todesfällen“, ohne weitere Informationen zu nennen. Die USA seien „bereit, willens und in der Lage, Hilfe zu leisten“.

Rodríguez sprach laut Reuters von einer vorläufigen Opferzahl von 32 Toten und 700 Verletzten. Allerdings gebe es noch keine Angaben aus dem Bundesstaat La Guaira in der Nähe von Caracas, der am stärksten betroffen sei. „Dutzende Gebäude sind eingestürzt, und wir führen derzeit sehr intensive Rettungsbemühungen durch, um so viele Leben zu retten, wie Gott es uns erlaubt“, sagte sie. Später erklärte sie gegenüber dem Sender VTV, dass die Zahl der Toten auf auf mindestens 164 und die Zahl der Verletzten auf mindestens 971 gestiegen sei, wie AFP berichtete.

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Auf X dankte Rodríguez Staats- und Regierungschefs mehrer Länder, etwa aus Italien, Indien, den USA und Pakistan, die Solidarität ausgedrückt und und Hilfe angeboten hätten.

Nach USGS-Angaben lag das Epizentrum des ersten Bebens westlich der Ortschaft Morón an der venezolanischen Karibikküste, rund 168 Kilometer westlich der Hauptstadt Caracas, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Nur etwa eine Minute später meldete USGS ein noch stärkeres Erdbeben der Stärke 7,5. Die Erschütterungen waren demnach noch im rund 1700 Kilometer entfernten brasilianischen Amazonasgebiet zu spüren.

Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes nach einem starken Erdbeben in Caracas.

Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes nach einem starken Erdbeben in Caracas.

© Diko Betancourt/imago

Eingestürzte Häuser und Verschüttete

Im Küstenstaat Falcón seien 32 Menschen in Krankenhäuser gebracht worden, mehr als vier Stunden nach dem Beben seien noch 15 Personen eingeschlossen, sagte Gouverneur Víctor Clark der AP zufolge. Innenminister Diosdado Cabello sprach im Staatsfernsehen von „besorgniserregenden Lagen“ im Stadtteil Altamira in Caracas mit eingestürzten Wohnhäusern.

Bewohner berichteten der AP von schwankenden Gebäuden und herabstürzendem Mobiliar. „Das Gebäude hat wirklich von einer Seite zur anderen gewackelt“, sagte der Einwohner Roberto Gamas. In Teilen der Hauptstadt fielen Strom und Mobilfunk aus, U-Bahn- und Gasversorgung wurden eingestellt.

USA, Brasilien und weitere Länder kündigen Hilfe an

Die USA kündigten Unterstützung an. „Wir stehen in Kontakt mit den Behörden und mobilisieren Hilfe“, schrieb der stellvertretende US-Außenminister Christopher Landau auf der Plattform X. US-Außenminister Marco Rubio kündigte „die sofortige Entsendung von Such- und Rettungsteams, medizinischen Ressourcen und humanitärer Hilfe nach Venezuela“ an.

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva schrieb auf X, er habe das Außenministerium angewiesen, „gemeinsam mit der brasilianischen Botschaft in Caracas die Lage im Land sowie die Hilfsmaßnahmen zu prüfen, die Brasilien ergreifen kann“. El Salvadors Präsident Nayib Bukulele gab an, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Ausrüstung, Medikamente und Hilfsgüter bereit, um nach Caracas aufzubrechen. Auch Argentinien, Ecuador und Mexiko kündigten humanitäre Hilfe an.

Starke Erdbeben sind in Venezuela eher ungewöhnlich, wie AP berichtet. Beben dieser Stärke treten dort dem Bericht zufolge deutlich seltener auf als etwa in Mexiko oder Chile.

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