Der am vergangenen Mittwoch in Buckow verhaftete Mafia-Killer Gaetano V. soll in den kommenden Wochen an die italienischen Sicherheitsbehörden ausgeliefert werden. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Er gilt als einer der meistgesuchten Schwerverbrecher Siziliens. Auf sein Konto sollen mehrere Morde gehen.Der 35-jährige Gaetano V. war nach mehrtägigen Observationen am Mittwoch gegen 12 Uhr in seiner 35 Quadratmeter großen Ein-Zimmer-Wohnung im Dröpkeweg von zwei Berliner Kriminalpolizisten überrascht und verhaftet worden. Zu Einzelheiten wollten sich die Justiz sowie die Polizei am Freitag nicht äußern.Nach unbestätigten Angaben lebte Gaetano V. seit vier Jahren als Daniele De Santis in Berlin. Er arbeitete als Pizza-Bäcker in verschiedenen Lokalen in Neukölln. Unter Landsleuten galt er als lebenslustiger, hilfsbereiter Mann, der gern tanzen ging. Mit einer Landsfrau befreundetAnders war der Eindruck seiner Nachbarn. "Er war ein unauffälliger und sehr zurückgezogener Mann", sagte eine Anwohnerin. Wie sie sagte, sei er mit einer Italienerin befreundet gewesen. Beide sollen der Hausverwaltung wegen hoher Mietschulden aufgefallen sein. "Nie im Leben stellt man sich so einen Mafioso vor", sagte die Frau.Gaetano V. stammt aus der sizilianischen Stadt Syrakus. Bereits in den 80er-Jahren soll er wegen Mafia-Zugehörigkeit sowie mehrerer Verbrechen inhaftiert worden sein. Auf sein Konto gehen auch drei Morde, die er 1987 begangen hat. Er erschoss in Syrakus zwei Männer und eine Frau, die angeblich einem rivalisierenden Mafia-Clan angehörten. Lange Zeit galten diese Verbrechen als nicht aufgeklärt. Im Rahmen der italienischen Kronzeugenregelung gestand Gaetano V. dann die Taten ein. Daraufhin wurde der 35-Jährige aus dem Gefängnis entlassen und in Hausarrest überstellt. Im Laufe der Zeit setzte er sich zu Verwandten nach Berlin ab und konnte untertauchen. Seitdem fahndete die italienische Polizei in ganz Europa nach dem Mann. Gerüchte, nach denen der Sizilianer der Berliner Polizei wegen Körperverletzung bekannt ist, wurden nicht bestätigt.Das Versteck von Gaetano V. soll bereits vor wenigen Wochen aufgeflogen sein. Vermutlich hatte die italienische Polizei die Telefongespräche von Gaetano V. abgehört und war damit auf dessen Spur in Berlin gekommen. Daraufhin soll das Berliner Landeskriminalamt eingeschaltet worden sein. Warum der Pizza-Bäcker jedoch erst Mitte September verhaftet wurde, ist bisher nicht geklärt.Clans bekämpfen sichKripoleute wiesen am Freitag Behauptungen zurück, nach denen immer häufiger international gesuchte Schwerverbrecher in Berlin untertauchen. Dafür gebe es keine Hinweise, sagte ein Beamter. Die Chefs der meisten internationalen Verbrecherorganisationen säßen in ihren Heimatländern und zögen von dort aus die Fäden. In der deutschen Hauptstadt, die sich wegen ihrer geografischen Nähe zu Osteuropa und ihrer Größe ideal für kriminelle Geschäfte eignet, residierten zumeist Mittelsmänner der verschiedenen Clans, die sich oft auch untereinander bekämpften. Die letzte spektakuläre Festnahme eines sizilianischen Mafia-Angehörigen in Berlin und Brandenburg ereignete sich zu Weihnachten 1996 in Fürstenwalde (Oder-Spree). Dort hatte sich der 25-jährige Giovanni G. mit seiner Ehefrau in einem italienischen Lokal getroffen. Gegen Mitternacht nahm ein Sondereinsatzkommando den Sizilianer fest. Auf die Spur des jahrelang gesuchten Mannes waren die Fahnder damals gekommen, weil die Ehefrau nach Berlin flog und von dort aus beschattet wurde. Giovanni G. galt als Experte für schwere Überfälle. Nach Angaben der Polizei gehörte er zur Mafiaorganisation "Stidda".
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