Doch nun wähnen viele ihre Idylle bedroht: Das brach liegende Gelände gleich neben den Bahngleisen - der frühere Güterbahnhof Schlachtensee - soll bebaut werden. Die Vivico, ein Tochterunternehmen des Bundeseisenbahnvermögens, will das 30 000 Quadratmeter große Gelände verkaufen und hat die K.O.O.P. Beteiligungs- und Entwicklungsgesellschaft mit den Planungen beauftragt. Und die möchte auf dem Areal ein Nahversorgungszentrum sowie Wohnhäuser errichten. 210 Stellplätze sollen entstehen, ein Gebäuderiegel mit mehreren Geschäften und zwei Supermärkten. Ein dort befindlicher Aldi soll in den Neubau ziehen.Gleich zwei Bürgerinitiativen kämpfen gegen diese Pläne, mehr als 600 Unterschriften haben sie dem Bezirksamt übergeben. Stein des Anstoßes sind vor allem die Verkaufsfläche, die Verkehrsführung und die Optik. "Und stört die Überdimensionierung des Ganzen", sagt Heiner Koch von der Bürgerinitiative Schlachtensee/Norderschließung. Die Neubauten würden nicht ins Viertel passen; ein vergrößerter und ein neuer Supermarkt würden mehr Leute dorthin locken und damit die Verkehrssituation verschlechtern. "Das ist kein Nahversorgungszentrum mehr", moniert Koch. Störend sei auch, dass die Zufahrt zu den geplanten Wohnhäusern "hinten herum" durchs Wohngebiet führen soll. Koch, der seit 25 Jahren in Schlachtensee wohnt, ist sicher: "Das zieht ganz Schlachtensee runter." Wenn schon gebaut werde, "dann doch bitte einen Stadtplatz". So etwas fehle dort.Der Baustadtrat von Steglitz-Zehlendorf, Uwe Stäglin (SPD), teilt die Bedenken der Anwohner nicht. Die Verkaufsfläche sei nicht zu groß, sagt er. Zumal auch noch ein Supermarkt aus dem Viertel in den Neubau verlagert werde. Und was die Verkehrsbelastung angehe, so würden etliche Bewohner von Schlachtensee woanders einkaufen und somit für mehr Verkehr sorgen. Das, so Stäglin, würde sich mit den Neubauten geben. "Im Übrigen entstehen auch nur 30 neue Wohneinheiten." Damit halte sich auch der Verkehr durchs Wohngebiet in Grenzen. Stäglin ist überzeugt: "Schlachtensee braucht einen Impuls", und das Bauvorhaben werde das leisten.Der Bezirk wird nun die Bürgermeinungen auswerten, dann wird sich das Bezirksparlament ausgiebig mit dem Thema beschäftigen. Die Anwohner haben schon mal vorsorglich mit Klage gedroht.
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