MÜNCHEN, 28. September. Bier, so geht der Mythos, ist den Bayern heilig. Die angeblich älteste Brauerei der Welt wurde 1040 gegründet und steht in Weihenstephan bei München. Die Wittelsbacher, die Jahrhunderte lang in Bayern herrschten, waren Bierbrauer - und erfanden das größte Bierfest der Welt, das eben aus München wieder Besucherrekorde und den Ausschank von 2,3 Millionen Maß Bier zur Wiesn-Halbzeit meldete. Ausgerechnet in diesen Tagen verlauten aus dem Bundesfinanzministerium Pläne, die Erhebung einiger Steuerarten zu vereinfachen. Demnach soll der Bund künftig für die Kraftfahrzeugsteuer sowie für die Biersteuer zuständig sein. Derzeit fließen diese Abgaben an die Länder. Im Gegenzug wolle der Finanzminister den Bundesländern die Versicherungsteuer überlassen, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Ein entsprechendes Gutachten sei kürzlich der Föderalismus-Kommission zugeleitet worden. Dass der Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) den Tausch nicht ganz uneigennützig plant, wurde auch deutlich: Das Ministerium musste nämlich einräumen, dass der Tausch "mit jährlich 21 Millionen Euro zu Lasten der Länder, vor allem für Bayern und Nordrhein-Westfalen", geht. Im Jahr 2002 beliefen sich die Einnahmen aus der Biersteuer auf rund 810 Millionen Euro und aus der Kfz-Steuer auf 7,6 Milliarden Euro. Die gemäß dem Vorschlag des Bundes zu den Ländern wechselnde Versicherungsteuer brachte rund 8,3 Milliarden Euro ein. Allerdings ist der Bierkonsum auch in Bayern - wie in ganz Deutschland - rückläufig, weil mehr Menschen Wasser, Wein und Fruchtsäfte trinken. In Bayern sank der Absatz im ersten Halbjahr mit 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sogar stärker als im Bundesschnitt (1,4). Der mit seinem Haushalt in arge Nöte geratene Finanzminister will mit diesem Trick wohl ein paar Millionen Euro gewinnen. Wie bei der Tabaksteuer könnte Eichel die Biersteuer nämlich erhöhen ohne die Länder fragen zu müssen. Will er nur eine neue Geldquelle anzapfen? Dazu gebe es keine Überlegungen, sagte Eichels Sprecher. Zur Oktoberfestzeit kamen Eichels Pläne in München doppelt zur Unzeit. Wie zu erwarten, erteilte ihm Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) gestern eine Abfuhr: "Egal, wie viel Bier auf dem Oktoberfest ausgeschänkt wird: Es wird nicht vorkommen, dass sich Bayern von der Biersteuer trennt." ------------------------------Foto: Auf dem Oktoberfest in München fließt das Bier in Strömen, zur Freude von Finanzminister Faltlhauser - noch.
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