Wohin mit dem Plastikmüll?

Plastikfressende Pilze: Berliner Forscher machen Entdeckung in deutschen Seen

Berliner und Potsdamer Wissenschaftler haben 18 Pilzstämme aus Süßgewässern in Ostdeutschland untersucht und dabei einige entdeckt, die Kunststoffe effizient abbauen können.

Torsten Harmsen
Torsten Harmsen
3 Min
Auch bestimmte Arten von <em>Penicillium</em> – hier eine Kolonie – könnten geeignet sein, Kunststoffe abzubauen.

Auch bestimmte Arten von Penicillium – hier eine Kolonie – könnten geeignet sein, Kunststoffe abzubauen.

© Panthermedia/Imago

Plastikteilchen sind ein großes Problem. Eine Kunststoffflasche soll Schätzungen zufolge 450 Jahre und mehr brauchen, um sich zu zersetzen. Die Deponien und Weltmeere sind voll von Kunststoffabfällen. Und man weiß noch gar nicht genau, welche Gesundheitsgefahren die unzähligen Mikro- und Nanoteilchen mit sich bringen, die die Umwelt belasten. Doch bestimmte Organismen könnten dabei helfen, Plastik abzubauen. Dazu gehören plastikfressende Pilze.

Forscher aus Berlin und Potsdam haben jetzt herausgefunden, welche Arten dies besonders effizient tun. Die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der Universität Potsdam haben 18 Pilzstämme untersucht, die in Süßgewässern vorkommen. Konkret stammen sie „aus den Seen Stechlin und Mirow“, wie die Forscher mitteilen.

Ihre Ergebnisse zeigen, dass sich bestimmte Stämme von Pilzgattungen wie Fusarium, Penicillium, Botryotinia und Trichoderma besonders dafür eignen, Kunststoffe wie Polyurethan, Polyethylen und Reifengummi abzubauen. Das Besondere dabei: Die Kunststoffe mussten dafür nicht vorbehandelt werden. Es brauchte auch keine Zucker, um den Abbauprozess einzuleiten. Die Studie wurde im Fachjournal Science of the Total Environment veröffentlicht.

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Bestimmte Arten von Kunststoff lassen sich am besten abbauen

Die getesteten Pilze besiedeln Kunststoffpartikel, heften sich an die verschiedenen Polymere an und nutzen diese für ihr Zellwachstum. „Pilze produzieren Enzyme, die selbst chemische Verbindungen aus vielen Makromolekülen wie Kunststoff aufspalten können“, erklärt der IGB-Forscher Hans-Peter Grossart, der die Studie leitete.

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„Außerdem sind sie mit ihren invasiven Wachstumsformen und ihrer Fähigkeit, Biofilme zu bilden und mit bereits bestehenden Biofilmen zu interagieren, gut an das Leben in der Plastiksphäre angepasst.“ Offenbar nutzen Pilze Zwischenprodukte, die beim Aufspalten entstehen, als Kohlenstoff- und Energiequelle.

Wie breit die Pilze industriell eingesetzt werden könnten, zeigt die Studie nicht. Weltweit wird an plastikfressenden Pilzen und Bakterien geforscht. Zumindest zeigte sich, dass eine bestimmte Art von Kunststoff am besten abbaubar ist: Polyurethan. Dieser wird unter anderem für die Herstellung von Schaumstoffen, Schwämmen, Auto-Innenraumverkleidungen, Klebstoffen, Lacken und Beschichtungen benutzt. Die neuen Erkenntnisse tragen den Forschern zufolge dazu bei, „großtechnische Recyclingkonzepte für Kunststoffabfälle zu entwickeln“.

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