Polen will die Regeln für den Abschuss fremder Flugzeuge, Drohnen und Raketen im eigenen Luftraum ändern. Künftig sollen polnische Piloten feindliche Flugobjekte auch ohne eine direkte Sichtidentifizierung abschießen dürfen. Das kündigte der polnische Vizeminister für Verteidigung, Cezary Tomczyk, am Montag an.
„In den nächsten Tagen wird das Verteidigungsministerium die Verfahren für den Abschuss von Objekten durch polnische Flugzeuge und Hubschrauber ändern, die aus Richtung Russland in unser Hoheitsgebiet eindringen“, sagte er nach Angaben des polnischen Senders RMF24.
Bislang war für eine solche Entscheidung in Friedenszeiten grundsätzlich eine visuelle Identifizierung erforderlich. Piloten mussten sich dem jeweiligen Flugobjekt nähern, um es mit eigenen Augen zu identifizieren, wie der polnische Sender RMF24 berichtete. In Zukunft soll eine sogenannte positive Identifizierung ausreichen. Dabei soll anhand mehrerer Informationsquellen wie etwa Radardaten beurteilt werden, ob es sich um ein feindliches Ziel handelt.
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Entscheidung anhand mehrerer Datenquellen
In der Regel sei ein Abschuss auf der Grundlage von Radardaten „einem Kriegszustand oder dem Kriegsrecht vorbehalten“, sagte Tomczyk laut AFP. Als einen Grund für die Änderung der Regel nannte er demnach, dass Polen täglich mit der Möglichkeit konfrontiert sei, „dass Drohnen in sein Hoheitsgebiet eindringen“. „Wir können angesichts von Bedrohungen nicht untätig bleiben, und alles deutet darauf hin, dass es davon nur noch mehr geben wird“, erklärte Tomczyk weiter.
Wie Tomczyk in einem Beitrag auf der Plattform X beschrieb, soll die Entscheidung eines Abschusses auf Grundlager mehrerer Informationsquellen getroffen werden. Dazu sollen unter anderem die Richtung zählen, aus der das Objekt in den polnischen Luftraum eingedrungen sei, die Erfassung desselben Ziels durch verschiedene Radarsysteme sowie eine fehlende oder fehlerhafte Kennung zur Identifizierung eigener und verbündeter Flugzeuge. Auch Geschwindigkeit, Flughöhe, Flugbahn und für Marschflugkörper oder Drohnen typische Flugeigenschaften könnten berücksichtigt werden.
Die Gesamtheit der verfügbaren Informationen solle die Entscheidung ermöglichen, erklärte Tomczyk weiter. In Friedenszeiten sei besondere Vorsicht erforderlich, da sich im polnischen Luftraum neben Militärflugzeugen auch Passagiermaschinen, kleinere Flugzeuge und Hubschrauber bewegten. Technische Störungen könnten zudem dazu führen, dass Flugzeuge ihre Transponderkennung oder Funkverbindung verlieren oder Probleme mit der Satellitennavigation hätten.
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Hintergrund der Änderung seien auch die „wachsende Bedrohung durch Russland“, die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg und das Aufkommen neuer Mittel für Luftangriffe, insbesondere schneller Drohnen mit Düsenantrieb und Marschflugkörper. Bei solchen Flugobjekten bleibe nur wenig Zeit für eine Reaktion, sagte er.
Polen hat seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 wiederholt Verletzungen seines Luftraums gemeldet, wie Polskie Radio berichtet. In der Ukraine kam es nahe der polnischen Grenze zuletzt ebenfalls zu Vorfällen. So beschädigte ein russischer Drohnenangriff im Westen der Ukraine nach ukrainischen Angaben am Montag ein Kontrollgebäude an einem Grenzübergang zu Polen, wie AFP berichtete. Nach Angaben des Gouverneurs der ukrainischen Region Wolhynien, Roman Romaniuk, verursachte der Angriff auf das Dorf Starowoitowe eine Druckwelle, die das Gebäude beschädigte. (mit AFP)
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