Fußball-WM

Politische Botschaft: Argentiniens Spieler zeigen nach Sieg gegen England Malvinas-Banner

Nach dem Einzug ins WM-Finale breiten mehrere argentinische Spieler in Atlanta ein Banner zum Falkland-Konflikt aus. In England steht Trainer Tuchel in der Kritik.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Der Argentinier Giovani Lo Celso hält ein Transparent mit der Aufschrift „Las Malvinas son Argentinas“ in die Höhe.

Der Argentinier Giovani Lo Celso hält ein Transparent mit der Aufschrift „Las Malvinas son Argentinas“ in die Höhe.

© Rebecca Blackwell/AP

Nach dem Halbfinalsieg der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft gegen England bei der Weltmeisterschaft in den USA haben mehrere Spieler ein politisches Banner zum Streit um die Falklandinseln präsentiert. Wie die britische Zeitung The Guardian und die argentinische Zeitung La Nación berichten, breiteten Profis wie Mittelfeldspieler Giovani Lo Celso und der Manchester-United-Verteidiger Lisandro Martínez nach dem 2:1 in Atlanta ein weißes Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“ auf dem Rasen aus – „Die Malvinen sind argentinisch“.

Die Inselgruppe im Südatlantik wird von Großbritannien als Falklandinseln verwaltet, Argentinien erhebt mit Hinweis auf die Geschichte seit langem Anspruch darauf. 1833 hatte die britische Marine die argentinische Garnison auf den Inseln zum Abzug gezwungen. London verweist auf die seither bestehende britische Verwaltung und das Selbstbestimmungsrecht der Inselbewohner.

1982 ließ die argentinische Militärjunta die Inseln besetzen, Großbritannien eroberte sie unter Premierministerin Margaret Thatcher zurück. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters kamen in dem Krieg 907 Menschen ums Leben.

Möglicher Verstoß gegen FIFA-Regeln

Die Aktion nach Spielende in Atlanta könnte gegen die Stadionregeln der FIFA verstoßen. Nach Angaben von La Nación war das Spiel als Hochrisikopartie eingestuft worden, rund 1600 Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Erstmals bei diesem Turnier wurden die Anhänger beider Mannschaften über getrennte Eingänge ins Stadion geführt. FIFA und Sicherheitsbehörden hatten vor politischen oder rassistischen Botschaften gewarnt.

Den argentinischen Fans war es im Vorfeld untersagt worden, Fahnen oder Trikots mit Malvinas-Bezug mitzubringen. Argentiniens Trainer Lionel Scaloni hatte versucht, die politische Aufladung der Begegnung zu dämpfen und von einem reinen Fußballspiel gesprochen.

Das Verbot der Malvinas-Symbole hatte in Buenos Aires eine politische Kontroverse ausgelöst. Mehrere Oppositionsparteien kritisierten, dass die Regierung von Präsident Javier Milei die Auflagen mittrug. Im Parlament wurde ein Missbilligungsantrag eingebracht.

Kritik an Tuchels Wechseln in England

In England richtet sich die Debatte parallel gegen Nationaltrainer Thomas Tuchel. Nach einer Führung durch Anthony Gordon hatte er rund drei Minuten vor dem Ausgleich Declan Rice und Reece James ausgewechselt und auf eine Fünferkette umgestellt. Kurz darauf traf Enzo Fernández zum 1:1, in der Nachspielzeit erzielte Lautaro Martínez den Siegtreffer.

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Tuchel übernahm laut dem britischen Guardian die Verantwortung: Die Räume seien zu offen gewesen, die Umstellung habe die Mannschaft passiv gemacht. Bereuen wolle er die Entscheidung nicht, das Team habe eine seiner besten Partien gezeigt. Kapitän Harry Kane sagte der BBC, England habe nach dem Führungstreffer nur noch versucht, das Ergebnis zu halten – auf diesem Niveau reiche das nicht.

Für zusätzlichen Ärger sorgte eine Szene nach Abpfiff. Der Guardian berichtet, Jude Bellingham habe dem argentinischen Einwechselspieler Valentín Barco von hinten offenbar gegen den Kopf geschlagen. Die englischen Ersatztorhüter Dean Henderson und James Trafford hätten Bellingham daraufhin von Barco weggezogen, um die Situation zu entschärfen. Die Schiedsrichter ahndeten den Vorfall nicht. Argentinien trifft am Sonntag in East Rutherford im US-Bundesstaat New Jersey im Endspiel auf Spanien.

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