Thilo Sarrazins jüngstes Berlin-Interview beschäftigt nun auch die Polizei. Es bestehe ein Anfangsverdacht der Volksverhetzung, teilte eine Sprecherin am Donnerstag mit. Ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, müsse die Staatsanwaltschaft entscheiden. Sarrazin hat sich unterdessen entschuldigt. "Mein Anliegen war es, die Probleme und Perspektiven der Stadt Berlin anschaulich zu beschreiben, nicht aber einzelne Volksgruppen zu diskreditieren", teilte der frühere Finanzsenator und heutige Bundesbanker in einer Erklärung mit. "Sollte dieser Eindruck entstanden sein, bedauere ich dies sehr und entschuldige mich dafür."In dem umstrittenen Interview mit der Zeitschrift Lettre International äußert sich Sarrazin abfällig über Türken und Araber in Berlin. Große Teile dieser Bevölkerungsgruppen seien "weder integrationswillig noch integrationsfähig". Sie hätten keine "produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel". "Die Türken", so Sarrazin weiter, "erobern Deutschland genauso wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate."Türkische Verbände reagierten empört. "Das hört sich an wie NPD-Slogans", sagte Hüsnü Özkanli von der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung. Er verwies auf die mehr als 6 000 Unternehmen von türkischstämmigen Berlinern. Bis zu 100 Millionen Euro würden von ihnen erwirtschaftet. "Herr Sarrazin vergiftet die Atmosphäre", sagte auch Kenan Kolat von der Türkischen Gemeinde in Deutschland. "Das spielt radikalen Parteien in die Hände."Die Bundesbank hatte sich schon am Vortag in ungewohnt scharfer Form von Sarrazins "diskriminierenden Äußerungen" distanziert. Dem sei nichts mehr hinzuzufügen, hieß es am Donnerstag offiziell.Doch in Frankfurt am Main, auf der ersten und zweiten Führungsebene der Bundesbank, rumort es. "Bundesbanker äußern in Interviews nie ihre private Meinung", kritisierte ein Banker am Donnerstag. Ein anderer schimpfte: "Ich will nicht zu einer ausländerfeindlichen Truppe gezählt werden." "Wir haben uns Herrn Sarrazin nicht ausgesucht", sagte ein Dritter. Sarrazin habe klar gegen den Verhaltenskodex verstoßen, hieß es weiter. Der schreibt vor: Die Mitglieder des Vorstands "verhalten sich jederzeit in einer Weise, die das Ansehen der Bundesbank und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Bundesbank erhält und fördert".In seiner Stellungnahme betonte Sarrazin, er habe als Berliner Bürger, nicht als Bundesbanker gesprochen. Die Reaktionen hätten ihm bewusst gemacht, "dass Aussagen eines Vorstands der Deutschen Bundesbank mit großer Aufmerksamkeit wahrgenommen würden". In Zukunft werde er zurückhaltender sein.------------------------------Foto: Im Blickfeld der Ermittler: Thilo Sarrazin.
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