Von der Berliner Bevölkerung wurden die frisch angereisten Gäste aus der Musikindustrie am Dienstagabend mit stadttypischer Herzlichkeit empfangen. Bei der Eröffnungsparty in der Kulturbrauerei durfte ab Mitternacht nicht mehr getanzt werden - die Nachbarn hatten sich über den beim Schallplattenauflegen entstehenden Lärm beschwert.Die Kulturbrauerei firmiert als Festivalzentrum der Popkomm; die Fachmesse findet eine halbe Stunde Taxifahrt weiter westlich in den Messehallen unter dem Funkturm statt. "Ich finde es ja sehr schön hier", sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement bei der Eröffnung am Mittwochmorgen. "Aber diese strenge Trennung von Party und Messe kommt mir doch etwas altväterlich vor. Modernisierung ist kein Selbstzweck", ermahnte er die Pop-Industrie; "wer hart arbeitet, darf ruhig auch einmal feiern."Beim Hart-Arbeiten bemühen sich die Berliner Messebesucher jedenfalls deutlicher als in den letzten Kölner Popkomm-Jahren darum, einen vergnügten Eindruck zu erwecken; trotz weiterhin schlechter Umsatzzahlen hat man sich offenbar branchenweit zum Optimismus überredet. "Es gibt Licht am Ende des Tunnels", meinte auch Maarten Steinkamp, der Chef des frischfusionierten SonyBMG-Konzerns bei einer Presserunde am Nachmittag. "Der Umsatz stabilisiert sich; es weht ein frischer Wind; es sitzen wieder junge, originelle, gut motivierte Manager an den entscheidenden Stellen der Industrie."Berichte über einen angeblich bevorstehenden Umzug von Sony nach München wurden von Steinkamp dementiert. "Wo wir die Zentrale des neuen Konzerns ansiedeln werden, entscheiden wir bis zum Jahresende; aber SonyBMG wird mit hundertprozentiger Sicherheit mit einem Büro in Berlin bleiben. Und da werden nicht nur zwei Promoter und eine Sekretärin arbeiten. 150 Leute werden es andererseits auch nicht." Gegenwärtig hat Sony Music in Berlin 220 Mitarbeiter.Und was hält er von der Radioquote, die zeitgleich im Kulturausschuss des Bundestags diskutiert wurde? "Ich kann das nicht verstehen. Nehmen Sie einmal unsere Perspektive ein: Einerseits kämpfen wir in Brüssel darum, dass die Wettbewerbshüter unsere Fusion genehmigen - im Zeichen der Freiheit des Marktes! Und dann rufen manche Vertreter der Musikindustrie immer wieder nach der regulierenden Hand des Staates! Das ist doch absurd! Gewiss, die Qualität der deutschen Radioprogramme ist großenteils beschämend, gerade auch im internationalen Vergleich. Aber ob man das ausgerechnet mit einer Quote ändern kann . das bezweifle ich. In Frankreich hat das auch nur ein paar Jahre lang funktioniert."------------------------------Foto: "Wer arbeitet, darf auch feiern": Wolfgang Clement auf der Messe.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]