BERLIN. Die Übernahme von Porsche durch den VW-Konzern ist doch noch gefährdet. Nach dem Bekanntwerden möglicher Steuerzahlungen, die bei dem Deal anfallen würden, gingen die Aktienkurse beider Autokonzerne gestern auf Talfahrt. Berichten zufolge könnte die Übernahme Porsches noch an den Finanzbehörden scheitern. Bei dem Geschäft drohten mögliche Steuerzahlungen von bis zu drei Milliarden Euro.Vergiftetes KlimaDas Steuerproblem könnte entstehen, weil der Buchwert der Porsche AG deutlich niedriger ist als der Preis von acht Milliarden Euro, den VW für die Komplettübernahme offenbar zu zahlen bereit ist. Derzeit würden Vorschläge erarbeitet, das Problem zu vermeiden. Gelinge das aber nicht, dann "ist der Deal hinfällig", hieß es in Aufsichtsratskreisen von Porsche. Ein VW-Sprecher sagte: "Das ist ein durchsichtiger Versuch, eine gute unternehmerische Lösung zu torpedieren." Auch ein Sprecher des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) widersprach den Darstellungen.VW will den Stuttgarter Sportwagenbauer in zwei Schritten übernehmen und als eigenständige zehnte Automarke im Konzern etablieren. Danach wollen die Wolfsburger zuerst 49,9 Prozent und später die restlichen Anteile kaufen. Porsche soll dafür acht Milliarden Euro erhalten und damit seine Schulden größtenteils tilgen können. Niedersachsen soll auch künftig mit 20 Prozent beteiligt sein und das Emirat Katar mit einem Paket zwischen 14,9 und 19,9 Prozent. Am Donnerstag will der Porsche-Aufsichtsrat eine entprechende Grundsatzvereinbarung beschließen. Die Entscheidung könnte sich jedoch erneut verzögern, hieß es gestern.Porsche hatte sich bei einem VW-Übernahmeversuch kräftig verhoben und Schulden in Höhe von rund zehn Milliarden Euro angehäuft. Nunmehr versucht VW, die angeschlagenen Stuttgarter zu schlucken. Nicht nur die drohenden Steuerzahlungen könnten dies nun doch noch gefährden. Berichten zufolge sollen Schulden von Porsche inzwischen sogar auf 14 Milliarden Euro gestiegen sein, was Porsche jedoch gestern klar dementierte. Zudem kündigte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück massiven Widerstand gegen die Übernahme an: "Wir werden galaktisch um die Eigenständigkeit von Porsche kämpfen." Arbeitsrechtler bezweifeln indes, dass die Protestaktionen erfolgreich sein werden, zumal Streiks in diesem Kampf illegal wären.Experten stellen einen Zusammenschluss inzwischen ernsthaft in Frage: "Wenn man sieht, mit welcher Aggressivität beide Unternehmen agieren, bezweifle ich, dass die Übernahme erfolgreich sein kann", sagte ein Analyst aus Süddeutschland der Berliner Zeitung. "Das Klima ist so vergiftet, dass der Deal noch platzen kann." Die Folge könnte sein, "dass die Aktienwerte ganz schnell in sich zerfallen". Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff appellierte an die Beteiligten, endlich den "Knoten zu durchschlagen, damit wir bei VW und Porsche wieder die Konkurrenz ins Visier nehmen und uns ganz auf den Autobau konzentrieren können". Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, die Bundesregierung setze auf eine "konstruktive Lösung", die den Interessen des Standorts und der Beschäftigten gerecht werde.------------------------------Aktien unter DruckGrafik: (2) Börsen: Die Aktienkurse von VW und Porsche haben gestern zeitweise um rund acht Prozent nachgegeben. Grund sind weitere Verzögerungen bei der geplanten Übernahme durch VW.Aufsichtsrat: Aus Porsche-Aufsichtsratskreisen verlautete, dass die VW-Offerte bei der Sitzung am Donnerstag nicht auf der Tagesordnung stehe.Entscheidung: Zur Abstimmung stehe auf der außerordentlichen Sitzung des Gremiums nur das Angebot von Katar, das Porsche-Anteile erwerben.Blockade: VW-Aufsichtsratschef Piëch und dessen Bruder Hans könnten den Beschluss der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch zu Katar blockieren. Eine Entscheidung über die Übernahme von Porsche durch VW könnte deshalb erst auf der regulären Porsche-Aufsichtsratssitzung am 29. Juli fallen.------------------------------Foto: Vom Jäger zum Gejagten: Porsche hat sich an VW verhoben. Nun wollen die Wolfsburger Porsche als zehnte Marke im Konzern integrieren.
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