BERLIN. Nach langem Hin und Her hat die Deutsche Post nun offenbar endgültig die Weichen für einen Verkauf der Postbank gestellt: "Der Sondierungsprozess für einen möglichen Verkauf läuft", sagte gestern Post-Sprecher Martin Dopychai. Finanzkreisen zufolge sollen Interessenten schon bald den Einblick in die Bücher der Postbank bekommen, an der die Post derzeit noch immer eine Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie hält. Auf diese Weise bekommen sie vertrauliche Informationen über die größte deutsche Filialbank.Verdi fürchtet um tausende JobsDamit ist nun das Rennen um die Übernahme des begehrten Geldhauses mit seinen über 14 Millionen Kunden eröffnet: Die Top-Adressen der deutschen Finanzwirtschaft strecken bereits ihre Fühler aus: Sowohl die Deutsche Bank als auch der Finanzkonzern Allianz/Dresdner Bank und die Commerzbank haben starkes Interesse an der Postbank signalisiert. Daneben sollen auch einige ausländische Institute an der Postbank interessiert sein. Beobachtern zufolge könnte eine Entscheidung noch im Laufe dieses Jahres fallen.Die Fusionsfantasien gaben der Postbank-Aktie gestern wieder Auftrieb: Der Kurs des im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Papiers legte um rund 1,6 Prozent zu.Post-Chef Frank Appel hatte zwar stets betont, dass ein Verkauf der lukrativen Tochter nicht dränge. Finanzkreisen zufolge besteht jedoch der Bund, der über die staatseigene KfW-Bank 30,5 Prozent der Post-Anteile hält, auf einen raschen Verkauf der Postbank. Ob es letztlich dazu kommt, wird Beobachtern zufolge vom Preis abhängen, den die Interessenten zu zahlen bereit sind. An der Börse ist die Postbank derzeit rund zehn Milliarden Euro wert. Erwartet wird indes, dass der Käufer gut 20 Prozent mehr bezahlt. Von dem Erlös würden die Post-Aktionäre vermutlich in Form einer Sonderdividende profitieren.Dass die Post überhaupt einen Verkauf der Postbank ernsthaft in Erwägung zieht, hat auch mit dem Wechsel an der Spitze des ehemaligen Staatskonzerns zu tun. Appels Vorgänge Klaus Zumwinkel, der vor wenigen Monaten im Zuge der Liechtensteiner Steueraffäre zurücktreten musste, war stets gegen einen Verkauf der Postbank. Denn im Gegensatz zum schleppenden Logistikgeschäft der Konzernmutter wirft die Tochter Postbank kräftige Gewinne ab. Andererseits sehen Aktienanalysten nach der Integration der Bausparkasse BHW nun keine großen Wachstumspotenziale mehr für die Postbank. Diese Erwägung wiederum könnte für Appel nun den Ausschlag gegeben haben, einem Verkauf grünes Licht zu erteilen. "Womöglich geht es auch darum, die Post-Aktionäre, die sich in den vergangenen Jahren mit einer schwachen Performance ihres Unternehmens zufrieden geben mussten, mit einer hohen Sonderausschüttung durch den Verkauf der Postbank zu besänftigen", sagte der Bankenanalyst von M.M. Warburg, Andreas Pläsier, der Berliner Zeitung. Wer am Schluss das Rennen machen werde, sei derzeit völlig offen. Auch die Bildung einer "Super-Bank" aus Dresdner Bank, Commerzbank und Postbank, die in Konkurrenz zur Deutschen Bank treten könnte, sei nicht ausgeschlossen - wenn auch relativ unwahrscheinlich.Branchenkreisen zufolge will der Bund einen Verkauf der Postbank aber auch an Bedingungen knüpfen - so etwa den Verzicht auf größere Stellenstreichungen. Regierungskreisen zufolge bevorzugt der Bund eine deutsche Lösung für die Postbank. Gewerkschaften laufen dagegen allerdings Sturm, weil sie befürchten, dass dies langfristig mit Entlassungen in großem Stil verbunden wäre. So geht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi davon aus, dass dann 20 000 Jobs auf der Kippe stehen würden.------------------------------Grafik: Aktienkurs Postbank------------------------------Foto: Postbank-Zentrale in Bonn: Für das lukrative Geldhaus stehen die Interessenten Schlange.
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