Premierminister Keir Starmer hat am Montag im britischen Unterhaus erklärt, er hätte Peter Mandelson nicht zum Botschafter in Washington ernennen dürfen. „Ich hätte Peter Mandelson nicht ernennen dürfen“, sagte Starmer laut BBC und entschuldigte sich erneut bei den Opfern des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, denen seine Entscheidung geschadet habe.
Starmer nannte es „erschütternd“, dass weder er noch Kabinettssekretär Chris Wormald über das Ergebnis der Sicherheitsprüfung informiert worden seien. Die zuständige Behörde UK Security Vetting (UKSV) habe am 28. Januar 2025 empfohlen, Mandelson keine Sicherheitsfreigabe der höchsten Stufe („Developed Vetting“) zu erteilen. Bereits einen Tag später hätten Beamte des Außenministeriums diese Empfehlung übergangen und die Freigabe erteilt. Mandelsons Ernennung sei zudem schon vor Abschluss der Prüfung verkündet worden – eine Praxis, die Starmer nach eigenen Angaben inzwischen geändert hat.
Der Premier bestand darauf, dass die vertraulichen persönlichen Daten aus dem Vetting-Prozess geschützt bleiben müssten, die Schlussfolgerungen jedoch dem zuständigen Minister mitzuteilen seien. „Ich akzeptiere nicht, dass Beamte des Foreign Office mich nicht über die Empfehlungen der UKSV hätten informieren können“, sagte er. Den in dem Zusammenhang entlassenen Spitzenbeamten Olly Robbins erwähnte Starmer nicht namentlich.
Premierminister Keir Starmer musste sich am Montag im britischen Unterhaus dazu äußern, warum der frühere Botschafter Peter Mandelson trotz einer fehlgeschlagenen Sicherheitsüberprüfung zum Vertreter in Washington ernannt wurde. Mandelson, ein langjähriger Vertrauter aus Starmers Labour-Partei, gilt als enger früherer Bekannter des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.
Kritik an Starmer von der Opposition
Starmer räumte zuvor gegenüber dem Daily Mirror ein, er sei „wütend“, dass man ihn nicht über die Empfehlung der britischen Sicherheitsbehörde UK Security Vetting informiert habe, Mandelson keine Freigabe zu erteilen. Das Außenministerium habe ihn dennoch durchgewunken. Im Parlament hatte Starmer zuvor mehrfach erklärt, es sei „ordnungsgemäß“ vorgegangen worden.
Wie der Guardian berichtete, war Mandelson bereits Anfang 2025 durch die Prüfung gefallen – also vor seiner offiziellen Ernennung. Starmer entließ daraufhin innerhalb weniger Stunden den ranghöchsten Beamten des Außenministeriums, Olly Robbins, der laut AP am Dienstag vor dem Auswärtigen Ausschuss aussagen soll. Vertraute Robbins’ verweisen darauf, dass er sensible Vetting-Informationen gar nicht an den Premier hätte weitergeben dürfen.
Die Oppositionsführerin der Konservativen, Kemi Badenoch, erklärte in der Mail on Sunday, Starmer habe „das Parlament und das Land getäuscht“. Liberaldemokraten-Chef Ed Davey sprach von einer „katastrophalen Fehleinschätzung“. Vize-Premier David Lammy verteidigte Starmer dagegen mit den Worten, dieser hätte Mandelson „niemals“ ernannt, wenn er von der gescheiterten Prüfung gewusst hätte.
Mandelson soll Informationen weitergegeben haben
Hintergrund der Affäre sind laut BBC im Januar vom US-Justizministerium veröffentlichte Epstein-Akten. Darin enthaltene E-Mails legen nahe, dass Mandelson 2009 als Mitglied der damaligen Labour-Regierung sensible, möglicherweise marktrelevante Informationen an Epstein weitergegeben habe. Die britische Polizei nahm Mandelson im Februar 2026 wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch fest; eine Anklage gibt es bislang nicht, Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens stehen nicht im Raum. Mandelson weist die Vorwürfe zurück.
Starmer hatte Mandelson Ende 2024 trotz interner Warnungen vor einem „Reputationsrisiko“ wegen der Epstein-Kontakte ernannt, wie BBC weiter berichtet. Ausschlaggebend seien dessen Erfahrung als früherer EU-Handelskommissar und seine Kontakte in die Trump-Regierung gewesen. Im September 2025 entließ Starmer ihn, nachdem das Ausmaß der Epstein-Verbindungen bekannt wurde.
Nach AP-Angaben droht Starmer bei den Kommunal- und Regionalwahlen am 7. Mai eine schwere Niederlage. Bereits im Februar hatte er einen ersten Aufstand in der Labour-Fraktion abwehren müssen.
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