Anlässlich des vierten Jahrestags des Irak-Kriegs schreiben in Paris, Wien, Stockholm und StuttgartLe FigaroDie Freunde Amerikas, zu denen wir gehören, haben es nicht leicht. Vier Jahre nach der Invasion des Irak und dem Sturz von Saddam Hussein ist es praktisch unmöglich, eine einzige positive Konsequenz aus dem amerikanischen Abenteuer zu benennen. 100 000 Iraker wurden getötet, mehr als 3000 US-Soldaten haben ihr Leben verloren, das Leben von 32 000 anderen, die verletzt in die Staaten zurückkehrten, ist für immer zerbrochen. Was soll die Welt nun tun, was soll vor allem Europa tun? Wir könnten versucht sein, die Katastrophe einfach zu beobachten und uns die Hände in Unschuld zu waschen. Doch das ist natürlich keine Option. Denn für Europa ist die Stabilität im Mittleren Osten, seinem Nachbarn, noch viel wichtiger als für die USA.StandardWie es weitergeht? Solange sowohl arabische Sunniten als auch Schiiten glauben, den Konflikt gewinnen zu können, wird er weitergehen. Die Sunniten haben einige strategische Vorteile, die Schiiten sind die Mehrheit. Und der Interessen- und Machtabgleich zwischen ihnen geht eben nicht nach westlichen Vorstellungen ab. Zwar pflegt US-Präsident George Bush hin und wieder noch das Wort "Demokratie" im Zusammenhang mit dem Irak in den Mund zu nehmen. Aber auch Washington hat die Wunschliste längst neu zusammengestellt: stabil, verteidigungsfähig gegen die Nachbarn, keine Gefahr für die Nachbarn und ein Staat für alle Iraker soll er sein, der Irak. Im Jahr fünf nach der Invasion ist man bescheiden geworden.Dagens NyheterDer gemeinsame Nenner lautet Resignation, wenn der Krieg im Irak nun in sein fünftes Jahr geht. Im Land selbst, in den USA und in der Umwelt, die feststellen muss, dass sich alle Warnungen vor der Invasion auf schreckliche Weise erfüllt haben. Die Suche nach Lichtblicken und Optimismus wirkt künstlich. In Wahrheit ist eine humanitäre, wirtschaftliche und politische Katastrophe eingetreten. Die Entscheidung zur Entmachtung von Saddam Hussein mit militärischer Gewalt muss als einer größten außenpolitischen Fehler seit dem Zweiten Weltkrieg angesehen werden. Ein Rückzug wäre nicht das Ende des Problems, sondern möglicherweise das genaue Gegenteil. Das Szenario eines entfesselten Bürgerkrieges ist milde ausgedrückt bedrückend, aber keine Überraschung. Es war als Möglichkeit bekannt, als George W. Bush und Tony Blair zwischen Krieg und Frieden wählten. Vor vier Jahren wählten sie falsch.Stuttgarter ZeitungDer Streit in den USA über diesen unsinnigen Krieg mit seinen fatalen Folgen wird noch schärfer werden. Im Kongress haben Bushs Republikaner die Mehrheit schon verloren. Beim Kampf ums Weiße Haus wird derjenige gewinnen, der einen glaubwürdigen Plan zum Abzug der US-Truppen vorlegt.
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