PRESSESTIMMEN

BLZ
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Die Anschläge in Bagdad sind das beherrschende Thema der internationalen Presse. In den zwei bedeutendsten Zeitungen der USA fällt das Urteil über die eigene Regierung nicht günstig aus. Es meint The New York TimesObwohl nur eine kleine Minderheit der Iraker und ausländischer Extremisten hinter den meisten dieser Vorfälle zu stehen scheint, sind deren Auswirkungen verheerend. Daher ist es auch nicht plausibel, wenn sich Präsident Bush - wie am Montag geschehen - hinstellt und argumentiert, die jüngsten Angriffe seien lediglich ein Beweis für die wachsende Verzweiflung der Terroristen über die Fortschritte der Amerikaner, die Lage im Irak zu stabilisieren. Das Weiße Haus kann schon von Stabilitätserfolgen in anderen Irak-Bezirken berichten, allerdings kann es nicht die sich fortsetzende Gewalt in Bagdad beschönigen. Noch mehr Tage wie dieser Montag und ihr Einsatz könnte wesentlich länger dauern und schwieriger werden, als es die meisten Amerikaner im Moment erwarten.Als der stärkste Mann in der amerikanischen Regierung gilt Vizepräsident Dick Cheney - "mächtiger als der erfahrene Papa Bush unter dem unerfahrenen Ronald Reagan". Cheney stand ganz vorn, als es darum ging, die irakische Aufrüstung als hoch bedrohlich darzustellen. Dazu bemerkt recht barsch Washington PostCheney war selbstverständlich nicht allein. Er hatte Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz und Condoleezza Rice an seiner Seite. Alle drei und gelegentlich auch Bush selbst machten absurde Behauptungen über das Atomwaffenpotenzial des Irak. Rice sagte beispielsweise: "Wir wollen den rauchenden Colt nicht als Atompilz." Nein, und wir wollen nicht, dass die nationale Sicherheitsberaterin Dinge erzählt, die nicht wahr sind. Cheney war während des Vietnam-Kriegs Student an der University of Wisconsin. Nach eigenem Eingeständnis hat er von der Antikriegsbewegung auf dem Campus nicht viel mitbekommen. Hätte er es, er hätte wahrnehmen können, dass der Protest nicht so sehr vom Widerstand gegen den Krieg selbst genährt wurde, als von den unablässigen Windbeuteleien, Lügen und Verdrehungen der Regierung Johnson - und das ging von den erfundenen Gefallenenzahlen bis zur diskreditierten Dominotheorie. Cheney ist nun eine Schlüsselfigur geworden in einer neuen trüben Bemühung, das amerikanische Volk in die Irre zu führen. Wie beim Vietnam-Krieg verdunkeln sich vor Unvoreingenommenheit und Urteilsvermögen die sinnvollen Ziele wie die Ablösung des mörderischen Regimes Saddams. Es ist gut, dass Saddam weg ist und Irak frei. Es ist nicht gut, dass der Weg nach Bagdad gepflastert war mit Täuschungen. Schwer zu sagen, ob Cheneys wiederholte Behauptungen über das Atomwaffenprogramm des Irak absichtliche Desinformation waren oder Ergebnis ehrlichen Vertrauens in die eigenen Fehlurteile. Wie dem auch sei, es gibt allerhand, wofür sich der stets selbstgefällige und hochmütige Cheney zu verantworten hat. Als Hirn des George Bush hat er versagt. Lasst uns hoffen, dass er nicht auch noch sein Gewissen ist.

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