Der Bericht des US-Generals Petraeus und die strategische Lage im Irak sind gestern das bestimmende Kommentarthema in den Zeitungen gewesen. In Rom schreibtLa RepubblicaDie Hoffnung, dass zumindest am sechsten Jahrestag des 11. September die amerikanischen Institutionen - Weißes Haus, Kongress, Streitkräfte - endlich gemeinsam den Mut finden und die Wahrheit sagen und damit also jene, den Bürgern versprochene Wende einleiten, hat sich in Statistiken verflüchtigt, in Rhetorik, Grafiken und militärischer und politischer Bürokratie. Und am Ende bleibt alles, genau so wie es ist: Ein Irak wie ein Flickenteppich, der sich in den Händen aller und niemandes befindet, genau wie jenes Vietnam, an das Bush jüngst unvorsichtigerweise erinnert hat.In Zürich kommentiert derTages-AnzeigerIm Kern steht fest, dass George W. Bushs Vision eines demokratischen und sicheren Irak gescheitert ist; wie einst Richard Nixon in Vietnam darf der Präsident im Irak bestenfalls auf einen "ehrenhaften Frieden" hoffen. Die Anhörungen auf dem Kapitolshügel verschaffen dem Präsidenten einen Spielraum von etwa sechs Monaten; danach werden mindestens fünf Brigaden abgezogen und nicht ersetzt. Geschieht zwischenzeitlich kein politisches Wunder in Bagdad, dürfte das Regime in Teheran dank seines gewachsenen Einflusses im Irak als Sieger aus Bushs Krieg hervorgehen - ohne wie der Washingtoner Kriegsherr eine halbe Billion Dollar ausgegeben zu haben.Zum Zusammenhang zwischen US-Innenpolitik und Irakkrieg schreibt in BarcelonaEl PeriodicoDer Bericht des US-Oberkommandierenden im Irak bedeutet das Eingeständnis, dass es auf dem Gebiet der Sicherheit kaum Fortschritte gab. Dies ist eine verheerende Nachricht für die US-Republikaner, die nun die Strafe der Wähler fürchten. Die Demokraten haben so viel Spielraum, dass sie nicht einmal sagen müssen, wie sie aus dem Irak-Konflikt herauskommen wollen. Für diejenigen, die vom Sieg bei der US- Präsidentenwahl im kommenden Jahr träumen, ist das eine ideale Situation. Umso beunruhigender ist die Perspektive dagegen für all jene, die auf eine Ende des Albtraums im Irak hoffen.Die Vermutung, weitere Kriege könnten folgen, äußert in Mailand derCorriere della SeraGeneral Petraeus hat besonders darauf bestanden, dass ein schnellerer Rückzug aus dem Irak katastrophale Folgen hätte. Und der Soldat hat zuletzt noch in diplomatischen Worten an das Gespenst des Iran erinnert. "Die (iranischen) Republikanischen Garden wollen die Schiiten zu einer Bewegung wie die Hisbollah machen." Das ist genau die These von Präsident Bush, der, so befürchten einige Demokraten, vom teilweisen Rückzug aus dem Irak Nutzen ziehen könnte, um Teheran zu bombardieren.
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