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Der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk erklärt in"Süddeutsche Zeitung"Natürlich ist auch der türkische Nationalismus ein Produkt des westlich-bürgerlichen Zeitalters, das einerseits alle Lebensfunktionen dem Staat unterordnen wollte, andererseits die Idee der Bürgerrechte, der freien Meinungsäußerung, der Demokratie hervorbrachte. Ich glaube nicht, dass es einen Nationalismus gibt, der nicht westlich oder sogar antiwestlich geprägt ist. Manche Leute behaupten, es könne eine nichtwestliche Moderne geben. Aber in Wirklichkeit wollen sie sich damit nur gegen jeglichen Anspruch auf Redefreiheit und Demokratie schützen. Natürlich machen sich vor allem die Nationalisten vom rechten Flügel, das gegenwärtige Chaos im Mittleren Osten zu Nutze. Natürlich sagen sie: Schaut euch Israel, den Krieg im Irak an - ist es das, was ihr wollt? Natürlich werden diese Argumente sehr gut verstanden. Aber ich bin anderer Meinung. Wenn die westlichen Länder die Prinzipien der Menschenrechte und Demokratie nicht befolgen, dann kann das nicht bedeuten, dass nichtwestliche Länder diese Grundsätze ebenfalls missachten sollen.Unter dem Titel "Auf was es uns wirklich ankommt" schreibt die Publizistin Ulrike Ackermann in einem großen Essay in"Die Welt"Dem neu erstarkten Hass auf die Juden, auf die Frauen, auf den Westen, seine Moderne und Demokratie, der sich in der totalitären Ideologie des Islamismus zusammengebraut hat, kann man nicht allein auf rechtlicher, außen- und sicherheitspolitischer oder militärischer Ebene begegnen. Heute ist der Westen genötigt, die Freiheit und die daraus folgenden Lebensstile, die aus dem mühseligen und schmerzhaften Emanzipationsprozess seit der Aufklärung resultieren, offensiv gegen seine fundamentalistischen Feinde zu verteidigen.Es geht nicht nur um die politische, sondern auch um die individuelle Freiheit, wie sie 1776 in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung in den unveräußerlichen Rechten des Menschen gefasst ist: Leben, Freiheit und das Streben nach Glück.Auf der Agenda steht eine Selbstbesinnung darüber, was Freiheit ausmacht und was sie uns bedeutet, gleichsam ein Bekenntnis des Westens zu sich selbst - eingedenk der Erfahrungen, die Europa im vergangenen Jahrhundert mit seinen Diktaturen gemacht hat."Wir müssen uns auf die Dinge einigen, auf die es uns ankommt, als da wären: das Küssen in der Öffentlichkeit, ein Sandwich mit knusprigem Speck, Meinungsverschiedenheiten, avantgardistische Mode, die Literatur, Großmut, Wasser, die gerechtere Verteilung der Güter dieser Erde, Filme, Musik, die Gedankenfreiheit, die Schönheit, die Liebe. Das sind unsere Waffen", schrieb Salman Rushdie kurz nach dem 11. September. Ein wunderbares Plädoyer für das "sündige" Leben des Westens, für die Sinnesfreunden, die Sexualität, den Genuss, den Konsum und den Minirock. Es ist eine leidenschaftliche und luzide auf den Punkt gebrachte Verteidigung der politischen und individuellen Freiheit des Westens und der Menschen im Diesseits.

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