Die Eskalation des Atomstreits mit Iran beschäftigt die nationale und internationale Presse. Es kommentieren Tageszeitungen in Brüssel, Zürich, Berlin und Frankfurt am Main:De MorgenEs ist allgemein bekannt, dass der US-amerikanische Präsident George W. Bush die militärische Option jedenfalls nicht ausschließt, trotz der schlechten Erfahrungen in Afghanistan und vor allem im Irak. Wohl gerade aus diesen beiden Gründen, dass die Militärstrategen rund um das Weiße Haus den Präsidenten dringend zur Vorsicht mahnen und ihn davor bewahren wollen, neben Afghanistan und dem Irak nun auch noch ein drittes militärisches Abenteuer einzugehen. Aber der US-Präsident bleibt davon überzeugt, dass dem "neuen Hitler" Ahmadinedschad Benehmen beigebracht werden muss mit militärischer Spitzentechnologie, Atomwaffen womöglich eingeschlossen.------------------------------Neue Zürcher ZeitungIst Iran noch zu stoppen? Auf die bisher verfolgte Weise vermutlich nicht. Alles hängt am Wörtchen "inakzeptabel". Hätte Iran ein anderes Regime, wäre das Problem leichter zu ertragen oder gar zu bewältigen. Doch einen weiteren Regimewechsel manu militari, mit Geheimdienst- oder andern Mitteln zu betreiben, ist Wunschdenken und kaum das Gebot der Stunde. Die Kraft des iranischen Nationalismus wäre ohnehin nicht zu unterschätzen.------------------------------Die WeltDer iranische Präsident Ahmadi-Nedschad erklärt sein Land zum Nuklearstaat. Gleichzeitig verkündet er frei nach Walter Ulbricht: "Niemand hat die Absicht, eine Atombombe zu bauen." Der Westen glaubt Ahmadi-Nedschad nicht. Und auch Moskau wird skeptischer. Teheran aber übergeht die Warnzeichen, brüskiert den Chef der Atomenergiebehörde und setzt auf den Zwist im UN-Sicherheitsrat. Der Sicherheitsrat wird das nicht akzeptieren können. Doch selbst wenn es zu keiner Einigung kommen sollte, sind Europa und die USA auch allein in der Lage, zu schmerzhaften Maßnahmen zu greifen. Eines muß Teheran klar sein: Eine atomare Bedrohung kann der Westen nicht hinnehmen.------------------------------Frankfurter RundschauAhmadinedschad hat geprahlt. Es ist nicht das erste Mal. Offenkundig ist ein Motiv: Dem Sicherheitsrat wurde die Stirn geboten. Iran ist groß, und wie die Zuhörer skandierten: Allah ist groß. Was in diesem Fall nicht viel mehr ist als ein Ausruf der Begeisterung. Die herzustellen gelingt dem Präsidenten nicht durch die Verwirklichung seiner Wahlversprechen auf Wohlstand für alle. Dem Nationalismus Futter zu geben ist einfacher. Die Wirkung ist gleichwohl verheerend. Auf die Fortführung der Anreicherungs-Experimente hätte das Land verzichten sollen, bis das UN-Gremium über Sanktionen befindet. Es besteht aber auf der zivilen Nutzung der Atomenergie und hat dabei, so unbequem das der Außenwelt sein mag, das internationale Nuklearrecht (den Atomwaffensperrvertrag) auf seiner Seite.
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