Julius H. Schoeps, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam und Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums schreibt über das Ende des deutschen Judentums in"Jüdische Allgemeine"Der Traum von einer Renaissance des deutschen Judentums ist ausgeträumt. Wenn es sie denn nach der Schoa aus den "Resten der Geretteten" überhaupt wieder gegeben haben sollte. Wer geglaubt hat durch die jüdische Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion werde es zu einer Erneuerung des deutschen Judentums kommen, so wie es vor dem Zweiten Weltkrieg existiert hat, dürfte inzwischen eines besseren belehrt worden sein. Schleichend haben sich die jüdischen Gemeinden mit ihren heute knapp 100 000 Mitgliedern strukturell verändert. Seit Anfang der neunziger Jahre sind jährlich 15 000 bis 20 000 jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion mit ihren Familien ins vereinte Deutschland gekommen. Längst bilden diese Zuwanderer die große Mehrheit der Gemeindemitglieder.Die "Neuen" gestalten das Gemeindeleben nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen. Dabei sehen sie keinen Anlass, sich im Umgang mit alteingesessenen Gemeindemitgliedern allzu sehr zu arrangieren, beispielsweise in der Frage, welche Sprache in der Gemeinde gesprochen werden soll - Deutsch oder Russisch.Die jüdische Gemeinschaft hier zu Lande ist mittlerweile, prozentual betrachtet, die schnellstwachsende jüdische Gemeinschaft der Welt - noch vor Israel und den Vereinigten Staaten. Die Alteingesessenen, also die Reste des deutschen Judentums, die in Nachkriegsdeutschland gelandeten "displaced persons" und ihre Nachkommen sowie jene Israelis, die sich vor 1989 in Deutschland niedergelassen haben, spüren, dass etwas unwiderruflich zu Ende geht. Sie ahnen, dass die Welt des deutschsprachigen und deutsch geprägten Judentums endgültig im Verschwinden begriffen ist.Diese Entwicklung, man mag sie begrüßen oder bedauern, schließt nicht aus, dass künftig doch wieder so etwas wie ein neues deutsches Judentum entsteht. Welche Gestalt dieses Judentum allerdings haben wird, kann heute niemand vorhersagen. Fest steht nur, dass es seine geistig-kulturellen Wurzeln nicht in Deutschland, sondern in Osteuropa haben wird."Zum Jahrestag von Hiroshima schreibt der Kolumnist Geoffrey Wheatcroft in"The Guardian"Vor dem August 1945 waren schon viele Japaner durch konventionelle Bomben getötet worden. In einer Märznacht wurden in Tokio 85 000 Menschen - mehr als später in Nagasaki starben - getötet. Mehr als 300 000 wurden zu Asche in den großen Bränden der anschließenden Monate. Evelyn Waugh schrieb: "Für den Krieger war die Atombombe kein besonderes moralisches oder geistiges Problem. Wir waren damit beschäftigt, den Feind zu zerstören - Soldaten und Zivilisten gleichermaßen. Ob es praktischer war eine Stadt mit einer oder mit tausend Bomben zu zerstören, war eine Frage der Produktionskosten." Hiroshima war nur ein weiterer Schritt.
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