Zur Auszeichnung des Ökonomen Paul Krugman mit dem Nobelpreis schreibt die tageszeitungDass die Vergabe des Friedens-, oder die des Literaturnobelpreises meist ein politisches Statement ist, daran hat man sich ja schon gewöhnt. Für den Wirtschaftsnobelpreis gilt das bisher auf weniger ostentative Art. Dass nun der US-Ökonom Paul Krugman ausgerechnet auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise und einen Monat vor dem Ende der Ära Bush den Preis zuerkannt erhält, hat erhebliche symbolische Bedeutung. Denn Krugman hat seit Jahren vor den Gefahren der US-Immobilienblase gewarnt. Und er ist einer der schärfsten Kritiker von US-Präsident George W. Bush. Erst im Frühjahr erschien - auch auf Deutsch - sein Buch "Nach Bush. Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten". Es gibt kaum einen Ökonomen auf der Welt, der mit so viel Sachverstand und schriftstellerischem Witz zugleich die Sache des Egalitarismus zu vertreten vermag. Gemeinsam mit Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger des Jahres 2001, ist er wohl der einflussreichste Keynesianer unserer Zeit. Und er ist ein streitbarer Popularisierer, fast so etwas wie ein klassenkämpferischer Ökonom: Er nützt seine Kolumne in der New York Times ebenso wie seinen Blog auf der Website der Zeitung fast mit ein bisschen Besessenheit, um den Kampf gegen neoliberale und neokonservative Ideologen zu führen. An manchen Tagen, wenn Krugman seinen Blog drei-, viermal mit komplizierten Abhandlungen vollschreibt, fragt man sich, wie er es schafft, noch Zeit für etwas anderes zu finden.------------------------------Zum gleichen Thema meint in Zürich der Tages-AnzeigerDas Nobelpreis-Komitee hat Krugman nicht dafür ausgezeichnet, dass er in seinen Kolumnen das Desaster im Irak voraussah, dass er die Inkompetenz in der Bush-Regierung kritisierte oder dass er vor der Finanzkrise warnte. Den Nobelpreis erhielt er für seine wissenschaftliche Arbeit, die zum besseren Verständnis der internationalen Handelsströme, der Globalisierung, beiträgt. Dennoch setzen die Stockholmer Weisen ein Zeichen, egal, ob sie das beabsichtigt haben. Die Ökonomie hat sich in den letzten zwanzig Jahren zur taktgebenden Leitwissenschaft entwickelt und die Deregulierung der globalen Finanzmärkte immer weitergetrieben. So gesehen, ist die Wahl Krugmans ein willkommener Kontrapunkt.
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