Freizeitpark

Privatjet rettet Karls-Achterbahn: So baut das Erdbeerunternehmen sein Freizeitpark-Imperium aus

Karls hat in Döbeln in Sachsen eine neue Familienachterbahn eröffnet – nach einer Rettungsaktion in letzter Minute. Das Unternehmen expandiert immer weiter.

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Zahlreiche Gäste sitzen bei den ersten Fahrten der neuen Achterbahn „Bettys Beerchen Boomerang“ in den Wagen.

Zahlreiche Gäste sitzen bei den ersten Fahrten der neuen Achterbahn „Bettys Beerchen Boomerang“ in den Wagen.

© Jürgen Lösel/dpa

Am Samstag wurde im Karls Erlebnis-Dorf Döbeln die Familienachterbahn „Bettys Beerchen Boomerang“ eröffnet – die erste Achterbahn im Landkreis Mittelsachsen überhaupt. Zur Premiere kam Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und nahm neben Karls-Chef Robert Dahl in der knallroten Erdbeerschale Platz. Dass die Bahn überhaupt rechtzeitig fertig wurde, war allerdings knapp: Erst um 23.58 Uhr in der Nacht vor der Eröffnung bestand sie den TÜV.

Wie Dahl in einem Video schildert, hatte ein defektes Relais fast alles gestoppt. „Wir mussten dann einen Privatjet chartern, weil wir wollten ja heute die Eröffnung machen. Wir haben dann in Holland dieses 600 Gramm schwere Relais eingeladen. Das wurde dann hier nach Riesa auf so einen kleinen Landflughafen gebracht.“ Ersatzteil rein, Prüfung bestanden, Bahn frei.

Rückwärts, vorwärts, rückwärts

Die Attraktion hat es in sich: 27 Meter hoch, 230 Meter lang, bis zu 60 km/h schnell und mit Kräften von bis zu 2,7 G – zehn Gondeln bieten Platz für jeweils zwei Personen. Die Fahrt beginnt rückwärts, schießt dann vorwärts durch den Bahnhof und geht am Ende die komplette Strecke zurück – doppelter Fahrspaß. Gebaut wurde die Bahn vom niederländischen Hersteller Vekoma, sonst zuständig für Disney und Universal.

Ein besonderer Kniff: Auf einer 80 Quadratmeter großen LED-Wand wird künftig Robert Dahls Mutter Elisabeth per KI als junge Erdbeerverkäuferin zu sehen sein. Wenige Wochen später folgt eine baugleiche Anlage im Karls Erlebnis-Dorf Elstal bei Berlin.

Von der Erdbeere zur Marke

Die Geschichte dahinter beginnt mit einer Krise: Nach der Wende kündigten die Schwartauer Werke die Verträge mit dem Familienbetrieb – Osteuropa lieferte billiger. Karl-Heinz Dahl rettete den Hof mit 15 Erdbeer-Verkaufsbuden in Lübeck, inspiriert von Fotos aus Wimbledon. Heute betreibt Karls über 400 Erdbeerstände deutschlandweit.

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1992 gründete Robert Dahl mit 22 Jahren in Rövershagen seinen eigenen Erdbeerhof, 2001 eröffnete das erste Erlebnis-Dorf. Heute beschäftigt Karls in der Hochsaison über 5.000 Mitarbeitende und macht rund 220 Millionen Euro Jahresumsatz.

Sieben Standorte – und die Bagger stehen nicht still

Nach Döbeln 2024 folgte im Mai 2025 Loxstedt in Niedersachsen als siebter Standort. Aktuell entsteht Karls Erlebnis-Dorf Oberhausen, ein weiterer Park im bayerischen Plech ist geplant.

Der große Wurf entsteht westlich von Berlin: In Elstal baut Karls den weltweit ersten „Bibi & Tina"-Freizeitpark. Am 1. Juli wurde Richtfest gefeiert, öffnen soll er im Sommer 2027. Die Investition: 60 Millionen Euro. Auf 60.000 Quadratmetern entstehen elf Attraktionen, darunter Deutschlands erster Dual-Launch-Family-Coaster im Möbius-Design, vier Tierbereiche und ein thematisiertes Hotel mit 46 Zimmern – kein regulärer Eintritt geplant.

Sensible Nachbarschaft

Das Elstaler Areal hat eine ambivalente Geschichte: In direkter Nachbarschaft liegt das Olympische Dorf von 1936. Als Mustersiedlung errichtet, diente es später jahrzehntelang der sowjetischen Armee. Seit 1992 steht die denkmalgeschützte Anlage weitgehend leer – ein historisches Kontrastprogramm zum Kinderlachen von nebenan.

Die ganzjährig geöffneten Erlebnis-Dörfer sind eine Mischung aus Hofladen, Manufaktur, Restaurant und Freizeitpark. Kaffee, Seife, Bonbons, Eis, Schokolade, Marmelade und Brot werden vor Ort produziert. Der Eintritt ist überall frei – gezahlt wird nur für einzelne Fahrgeschäfte und Produkte.

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