Drei Sprengladungen explodierten gestern vormittag direkt neben der Zitadelle. Das Wasserstraßen-Neubauamt nahm Probesprengungen für den Abriß der 85 Jahre alten Spandauer Schleuse am Kolk vor.Kurz nach 10 Uhr zündeten die beiden Sprengmeister Winfried Rosenstock und Guido Gröhlich aus Hannover die erste Ladung "Ammon Gilit 2". Dazu hatten sie den hochexplosiven Stoff an einer Boje in jeweils 20 Meter Entfernung von dem Bauwerk und dem Havelufer ins Wasser gelassen."Die Druckwelle breitet sich in einem Umkreis von 5 000 Quadratmetern pro Sekunde aus", erklärte Rosenstock. Zunächst benutzten sie 50 Gramm, dann - in einem Abstand von 30 Minuten - 100 Gramm, beim letzten Versuch sogar 150 Gramm. "Eine Sprengung ist nach erster Einschätzung machbar, ohne daß Menschen und Bauwerke in der Umgebung gefährdet werden", so das Fazit Rosenstocks kurz nach den Tests. Zum gleichen Ergebnis kam auch Bauoberrat Hans-Jürgen Heymann vom Berliner Wasserstraßen-Neubauamt.Trotzdem sollen in den kommenden Wochen sämtliche Meßergebnisse von 64 unterschiedlichen geografischen Punkten per Computer exakt ausgewertet werden. Allein auf der Zitadelle hatte das Wasserstraßen-Neubauamt 24 hochempfindliche Sensoren angebracht. Oberrat Heymann rechnet damit, daß der Bau der neuen Schleuse - trotz zahlreicher Proteste von Spandauer Bürgern und Parteien gegen das 80 Millionen Mark teure Vorhaben des Bundes - Mitte des kommenden Jahres beginnt. Dafür müßte das alte und zum Teil schon marode Bauwerk inmitten der Havel zuvor durch kleinere Sprengungen stückchenweise abgetragen werden. Geplant ist, die 67 Meter lange Schleuse durch eine 115 Meter lange und 12,5 Meter breite Kammer - gemäß der Euronorm - zu ersetzen. Die Gegner dieses Projektes wie der Koordinationskreis Bürgerbegehren Schleuse Spandau argumentieren unter anderem damit, daß für größere Schiffe auch Kurven begradigt und damit ökologisch wertvolle Uferlandschaften geopfert werden müßten. +++
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