Prominentenabend im Oktoberfestzelt am Roten Rathaus

In aller Munde: Schorsch

Andreas Kurtz
2 Min

Es wirkt nicht immer appetitanregend, wenn man Lebensmitteln Namen gibt. Aktuelles Beispiel: Das Fleisch mit Vornamen Gammel, aus bayerischen Landen. Aber es gab ja auch Schorsch. Der Ochse drehte sich am Mittwochabend im Löwenbräu-Festzelt vor dem Roten Rathaus am Spieß. Die Herkunft von Schorsch ist lückenlos geklärt: geboren und aufgewachsen auf dem Gut Karlshof in Ismaning bei München, mit kräftigem Futter bis zum Lebendgewicht von 416 Kilogramm gewachsen, am Ende verspeist in Berlin-Mitte.Schorsch war die Hauptspeise der 2 000 Gäste des Berliner Auftaktes zum Münchner Oktoberfest 2006. Eingeladen von Emilia Müller, Bayerische Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, und dem Vorstand der Brauerei Löwenbräu, trank Ministerpräsident Edmund Stoiber traditionell die erste frisch gezapfte Maß. Für die Staatsministerin war es der erste eigenhändige Fassbieranstich. Sie hantierte entsprechend unsicher und brauchte sechs oder sieben Schläge, was etwa der bayerischen Abiturnote 5 minus entspricht. (Eine Pressesprecherin der Landesvertretung begann auch prompt, Journalisten gegenüber zu behaupten: "Sie hat nur zwei Schläge gebraucht!") Stoiber, der so ein Fass wirklich mit zwei Schlägen ansticht, hatte aus Furcht vor einer großen Spritzerei Sicherheitsabstand eingenommen und grinste überlegen. Weil die Bayern im Roten Rathaus neben ihrem Zelt nächstes Jahr gern einen Regierenden Bürgermeister von der CDU sitzen sehen wollen, blieb dem Roten Klaus Wowereit diesmal der Platz an Stoibers Seite verwehrt. An seiner Stelle durfte Friedbert Pflüger, des Amtsinhabers Konkurrent im Wahlkampf um den Berliner Chefsessel, neben dem bayerischen Landesvater posieren.Ebenfalls unter den Gästen des Berliner Oktoberfestes: Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, CSU-Generalsekretär Markus Söder, Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf. Wer in diesem Jahr erst nach dem Prominentenabend als Fan bayerischer Lebensart zum Zelt in Mitte pilgern will, der kommt zu spät. Die Öffnungstage für die Berliner Bevölkerung und die Berlinbesucher lagen diesmal vor der Promi-Speisung. Schon heute beginnt der Abbau des Zeltes. Kellner, Wirte, Musiker und Zelt müssen nämlich rechtzeitig zum echten Oktoberfest in München sein.------------------------------Foto: O'zapft is: Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und Ehefrau Karin.

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