Ukraine-Krieg

Putin warnt Europa: „Das bedeutet Krieg mit Russland“

Russlands Präsident weist jede Bedrohung für Europa zurück und gibt dem Westen die Schuld am Ukraine-Krieg. Auch Deutschland und Helmut Kohl macht er zum Thema.

5 Min
Wladimir Putin spricht am Samstag am Rande des Brics-Gipfels in Neu-Delhi mit Journalisten.

Wladimir Putin spricht am Samstag am Rande des Brics-Gipfels in Neu-Delhi mit Journalisten.

© Kristina Solovyova/imago

Der russische Präsident Wladimir Putin hat Europa mit deutlichen Worten vor der Stationierung eigener Soldaten in der Ukraine gewarnt. Sollten europäische Staaten Truppen auf ukrainisches Gebiet schicken, wäre das nach seiner Darstellung gleichbedeutend mit einem Krieg gegen Russland.

„Jetzt sprechen sie darüber, dass sie darüber nachdenken, Truppen auf ukrainisches Gebiet zu entsenden. Das bedeutet Krieg mit Russland“, sagte Putin am Freitagabend vor Journalisten in Neu-Delhi.

Putin äußerte sich nach dem ersten Tag seiner Indienreise, wenige Stunden vor der Eröffnung des Brics-Gipfels. Der von Interfax verbreitete Wortlaut seiner Aussagen deckt sich mit Berichten von Reuters, Tass und der Nachrichtenagentur Anadolu.

„Wozu drängen sie heute ihre Völker und ihre Länder? Zu einem Krieg mit der Russischen Föderation?“, fragte Putin. Die europäischen Staaten müssten sich darüber im Klaren sein, welche Folgen eine Entsendung von Soldaten hätte.

Europäische Truppen erst nach einer Waffenruhe geplant

Frankreich, Großbritannien und die Ukraine hatten im Januar eine Absichtserklärung über die mögliche Stationierung einer multinationalen Truppe unterzeichnet. Die Soldaten sollen nach den bisherigen Plänen jedoch nicht in die laufenden Kämpfe eingreifen.

Die sogenannte Koalition der Willigen sieht einen Einsatz erst nach einer glaubwürdigen Waffenruhe vor. Die Truppe soll auf Wunsch der Ukraine bei der Ausbildung ihrer Streitkräfte helfen, zur Abschreckung beitragen und in der Luft, auf See und am Boden präsent sein. Eine Stationierung ist abseits der gegenwärtigen Frontlinie vorgesehen.

Das geht aus der Erklärung der Koalition und einer Vereinbarung Großbritanniens, Frankreichs und der Ukraine hervor. Russland lehnt jede Präsenz westlicher Soldaten in der Ukraine ab und hatte bereits angekündigt, sie als militärische Ziele zu betrachten.

Putin: Russland habe Europa nie bedroht

Putin wies zugleich die Einschätzung zurück, Russland könne nach der Ukraine weitere europäische Staaten angreifen. Europas politische Führung schüre Angst vor einer „erfundenen Bedrohung durch Russland“, erklärte er.

„Eine solche Bedrohung gibt es nicht und hat es nie gegeben“, sagte Putin. Russland bedrohe die europäischen Staaten nicht und habe „keinerlei Grund für irgendeinen Konflikt mit Europa“. Die offenen Fragen seien mit den Ergebnissen des Zweiten Weltkriegs geklärt worden.

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Auch diese Aussagen wurden von Reuters bestätigt. In den verbreiteten englischen Screenshots ist von „Western leaders“ die Rede. Im russischen Wortlaut sprach Putin genauer von den „heutigen Eliten in Europa“.

Seine Darstellung steht im Widerspruch zum russischen Vorgehen gegen die Ukraine. Russland annektierte 2014 die ukrainische Halbinsel Krim und begann im Februar 2022 seinen groß angelegten Angriff auf das Nachbarland. Moskau hält weiterhin Gebiete besetzt, die nach internationalem Recht zur Ukraine gehören.

Putin gibt dem Westen die Schuld am Ukraine-Krieg

Die Verantwortung für den Krieg wies Putin erneut dem Westen zu. Nach dem Sturz des russlandfreundlichen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch im Jahr 2014 hätten westliche Staaten versucht, die Ukraine in die Nato „hineinzuziehen“.

Dies sei die „Hauptursache der heutigen tragischen Ereignisse in der Ukraine“, sagte Putin laut Reuters. Westliche Regierungen hätten Russlands Widerstand gegen die Erweiterung der Nato ignoriert und schoben Moskau nun die Verantwortung zu.

Die Ukraine und ihre westlichen Partner weisen diese Darstellung zurück. Über einen Beitritt der Ukraine zur Nato war vor dem russischen Angriff keine Entscheidung gefallen. Die Mitgliedstaaten des Bündnisses hatten Kiew allerdings bereits 2008 grundsätzlich eine spätere Aufnahme zugesagt.

Putin spricht über AfD-Erfolg und Helmut Kohl

Putin wurde auch zum Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt befragt. Zunächst erklärte er, innenpolitische Entwicklungen in Deutschland nicht kommentieren zu wollen. Anschließend führte er das Ergebnis auf „systemische Fehler“ westlicher Eliten zurück.

„Ich denke, dass alles, was derzeit in Europa geschieht, im Grunde das Ergebnis systemischer Fehler des sogenannten Westens ist“, sagte Putin. Die Menschen in Europa verstünden zunehmend, was vor sich gehe. Daraus ergäben sich „die heutigen Ergebnisse in Deutschland und die Tendenzen in Europa insgesamt“.

Zudem griff Putin die Bundesregierung und die heutige CDU-Führung an. Deutsche Politiker beriefen sich auf den Kurs früherer Regierungen und erwähnten dabei auch Altkanzler Helmut Kohl. Putin erklärte, er habe Kohl persönlich gekannt und bei ihm nicht die Ansichten erlebt, welche die heutige CDU vertrete.

Kohl habe nach Putins Darstellung geglaubt, dass die Zukunft Deutschlands und Europas nur durch „enge, gutnachbarschaftliche und verbündete Beziehungen zu Russland“ gesichert werden könne. Das berichtete Tass. Die Aussage ist als Putins Erinnerung an seine Gespräche mit Kohl überliefert. Eine unabhängige Bestätigung für diesen genauen Wortlaut liegt nicht vor.

Putin nutzt Brics-Gipfel für Angriff auf den Westen

Der Brics-Gipfel findet am Samstag und Sonntag in Neu-Delhi statt. Neben Gastgeber Narendra Modi und Putin nehmen unter anderem Chinas Präsident Xi Jinping und der iranische Präsident Massud Peseschkian teil.

Bereits bei einem Wirtschaftsforum vor dem Gipfel warf Putin westlichen Staaten vor, ihre frühere wirtschaftliche Vormachtstellung mit Sanktionen, Handelsbeschränkungen und Angriffen auf Verkehrswege bewahren zu wollen. Die Brics-Staaten müssten eine eigene Plattform für Handel, Investitionen und Zahlungssysteme schaffen, erklärte der russische Präsident.

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