Ukraine-Krieg

Angst vor Drohnen? Putin verlegt Waldai-Konferenz offenbar von Sotschi nach Moskau

Aus Sorge vor ukrainischen Drohnen lässt der Kreml einem Bericht zufolge seine wichtigste außenpolitische Konferenz verlegen. Putin meidet Sotschi bereits seit Monaten.

3 Min
Wladimir Putin beim Waldai-Forum im Jahr 2025. Dieses Jahr soll die Konferenz in Moskau stattfinden.

Wladimir Putin beim Waldai-Forum im Jahr 2025. Dieses Jahr soll die Konferenz in Moskau stattfinden.

© Mikhail Metzel/Pool Sputnik Krem/dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin lässt die diesjährige Jahrestagung des Waldai-Diskussionsklubs einem Bericht der Financial Times zufolge wegen der Gefahr ukrainischer Drohnenangriffe von Sotschi ins Moskauer Umland verlegen. Die Zeitung beruft sich auf vier mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Der Waldai-Klub bestätigt die Region Moskau als Veranstaltungsort, nennt jedoch keinen Grund für den Wechsel. Die Zeitung beruft sich bei ihren Angaben auf vier mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die rund 120 Teilnehmer hätten ursprünglich Einladungen nach Sotschi erhalten, seien aber im vergangenen Monat über den neuen Veranstaltungsort informiert worden, berichtete die Zeitung. Zwei der Quellen zufolge bestand der für Putins Schutz zuständige  Sicherheitsdienst auf dem Wechsel. Kremlsprecher Dmitri Peskow und der Waldai-Klub reagierten zunächst nicht auf Anfragen der Zeitung.

Die offizielle Ankündigung des Waldai-Klubs nennt die Region Moskau als Veranstaltungsort. Die viertägige Konferenz soll vom 28. September bis zum 1. Oktober unter dem Titel „Verantwortung für die Zukunft: Grenzen des Möglichen oder grenzenlose Möglichkeiten?“ stattfinden. Auf die ursprünglich geplante Austragung in Sotschi und die Hintergründe des Ortswechsels geht der Klub jedoch nicht ein.

Angriffe bis an Putins Residenzen

In und um Sotschi haben sich zuletzt die ukrainischen Angriffe verstärkt. Am 9. September wurden nach Angaben der Behörden bei einem Angriff mit Seedrohnen acht Menschen verletzt und Anlagen an einem Strand beschädigt. Reuters überprüfte Aufnahmen, auf denen eine Explosion an der Uferpromenade zu sehen und Schreie zu hören waren.

Wenige Tage später wurde nach Angaben der Financial Times eine Raffinerie nahe dem internationalen Flughafen getroffen. Flüge mussten vorübergehend am Boden bleiben, über der Stadt stieg schwarzer Rauch auf.

Seit Beginn der Urlaubssaison im Mai wurden bei ukrainischen Angriffen auf Sotschi und andere russische Badeorte am Schwarzen Meer mindestens 19 Menschen getötet und 188 weitere verletzt, berichtete die Financial Times unter Berufung auf eine Auswertung des unabhängigen russischen Mediums Agentstvo.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Putin verfügt in Sotschi über die Residenz Botscharow Rutschej. Öffentlich ist er dort seit der Waldai-Konferenz im Oktober 2025 nicht mehr aufgetreten. In den Jahren 2024 und 2025 reiste er nach einer Auswertung von Kreml-Terminen jeweils nur zweimal nach Sotschi. Im Jahr 2021 waren es noch 24 Besuche.

Die Moscow Times berichtete, Putin meide die Stadt seit den ersten Drohnenangriffen auf den Flughafen und dessen Umgebung weitgehend.

Drohnen fliegen inzwischen Tausende Kilometer

Ukrainische Langstreckendrohnen erreichen inzwischen auch Ziele Tausende Kilometer von der Grenze entfernt. Anfang September bestätigten russische Behörden einen Drohnenangriff auf eine Industrieanlage in Nowy Urengoi südlich des Polarkreises. Die Stadt liegt mehr als 3000 Kilometer von der Ukraine entfernt.

Russland behauptete Ende vergangenen Jahres zudem, Kiew habe Putins Residenz am Waldai-See angegriffen. Belege dafür legte Moskau nicht vor.

Ausschlaggebend für die Verlegung des Forums dürfte nicht allein die Zahl der Angriffe sein. Moskau wird zwar ebenfalls regelmäßig von ukrainischen Drohnen angeflogen, verfügt aber über eine besonders dichte Flugabwehr und umfangreichere Schutzvorkehrungen. Sotschi ist dagegen sowohl durch Luft- als auch durch Seedrohnen erreichbar.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner