Russlands Präsident Putin begann, das ist bekannt, seine Karriere beim sowjetischen Geheimdienst. Der hielt sich streng an den Leninschen Grundsatz, dass Vertrauen weniger gilt als Kontrolle und ebenso verfährt der Präsident.Seiner persönlichen Kontrolle soll künftig auch die russische Wissenschaft unterstellt werden. Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften beklagen dieser Tage, es werde "Krieg geführt" um ihre ehrwürdige Institution. Die seit ihrer Gründung 1724 wenigstens formell bestehende Selbstverwaltung der Akademie soll aufgehoben werden. Im Januar legte das Bildungsministerium eine neue Modell-Charta für die wichtigste wissenschaftliche Einrichtung Russlands vor und folgte damit einem Parlamentsbeschluss von 2006. Das im Dezember verabschiedete Gesetz sieht unter anderem vor, dass der Präsident der Akademie nicht länger von den Mitgliedern gewählt, sondern vom Staatspräsidenten ernannt wird. Ferner wird die Akademie nicht mehr selbstständig über ihr Budget entscheiden können.Wichtige Entscheidungen sollen künftig einem Kontroll-Komitee überantwortet werden, bestehend aus drei Mitgliedern der Akademie, drei Vertretern des Kabinetts, jeweils einem Vertreter aus beiden Kammern des russischen Parlaments und der Präsidialadministration. Auch die Leiter der Institute sollen nicht mehr geheim und direkt von den Mitgliedern der Akademie gewählt werden, sondern vom Präsidenten der Akademie ernannt und vom Kontroll-Komitee bestätigt werden. Die Autonomie der Akademie der Wissenschaften bestand formell fort - selbst in sowjetischer Zeit.Mehrfach verweigerte die Institution hohen Parteifunktionären die Mitgliedschaft, weil sie ihnen die Qualifikation absprach. Zwar ist auch weniger Rühmliches überliefert. Die Akademie der Wissenschaften war wie jede sowjetische Institution offiziellen Direktiven unterstellt, ihre Mitglieder mussten sich ihnen aber nicht widerstandslos unterwerfen.Die Vorschläge des Bildungsministeriums sorgen deshalb für Aufruhr unter den Mitglieder der Akademie. Ihr Vizepräsident, Alexander Nekipelow, hält sie schlicht für inakzeptabel. Niemals werde die Akademie dieses Papier umsetzen, erklärte er der Washington Post in dieser Woche. Nekipelow räumte - wie andere Akademie-Mitglieder - ein, dass die zum Teil überalterte Institution reformbedürftig sei. Auch ein Kontrollgremium werde man akzeptieren, allerdings keines mit Entscheidungskompetenzen. In diesem Monat wird die Generalversammlung der Akademie über den Vorschlag der Regierung entscheiden. "Wir werden den Kampf nicht verlieren", sagt Nekipelow.
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