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Das Jahr 2025 war ein Jahr bedeutender historischer Meilensteine. Am 8. Mai jährte sich zum 80. Mal die endgültige Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands im Jahr 1945. Am 2. September wurde der offizielle Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs mit der Kapitulation Japans vor US-General Douglas MacArthur begangen. Ich hatte das Privileg, das Simon Wiesenthal Center, eine Institution, die sich der Erinnerung an die Lehren der Vergangenheit verschrieben hat, bei Gedenkveranstaltungen von Berlin bis Yokohama zu vertreten. Ebenso hatte ich die Ehre, gemeinsam mit der US-Delegation und 20.000 weiteren Teilnehmern an der Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung des berüchtigten Konzentrationslagers Mauthausen in Österreich teilzunehmen.
Dort waren am 5. Mai 1945 kampferprobte US-Soldaten vom Anblick und Geruch eines Leichenhauses erschüttert, als sie die ausgemergelten und gefolterten Überlebenden unter den Opfern der nationalsozialistischen „Endlösung“ antrafen. Jüdische Überlebende wie Simon Wiesenthal, der damals nur 40 Kilogramm wog, waren zu schwach, um ihren Befreiern in die Arme zu fallen.
Der bittere Wind der Verlassenheit ist zurück
Jahre später, als ich den Mann kennenlernte, der aus der Asche der Schoah aufstieg und als mutiger Nazijäger sowie inoffizieller Vertreter der sechs Millionen ermordeten Juden bekannt wurde, sagte mir Herr Wiesenthal: „Während der Schoah war das Schlimmste für uns Juden das Wissen, dass sich niemand um uns kümmerte. Wir wurden von sogenannten Freunden im Stich gelassen und von vermeintlichen Verbündeten vergessen. Das hat unseren Geist gebrochen.“ Und er fügte hinzu: „Eine zentrale Lehre für uns Juden – wenn uns die Schoah etwas lehrt, dann, dass wir, wenn wir überleben und gedeihen wollen, neue Verbündete suchen und neue Freunde finden müssen. Wir können es nicht allein schaffen.“
Und doch, im Jahr 2025, spüren so viele unserer jüdischen Studierenden – von Rom bis Madrid, von Montreal bis Melbourne und an den Eliteuniversitäten der USA – erneut den bitteren Wind der Verlassenheit.
Simon Wiesenthal auf dem Flughafen in Amsterdam, 1979
© piemags/imago
Unsicherheit in der jüdischen Diaspora
Traditionelle jüdische Gemeinschaften in der Diaspora – in London, Paris, Toronto, Sydney, Chicago und New York – haben ihr Gefühl von Sicherheit und Schutz verloren. Sie werden von gut finanzierten Hasskampagnen angegriffen, angeführt von Sympathisanten der Hamas sowie von Extremisten der extremen Linken und Rechten, die es weitgehend geschafft haben, viele unserer vermeintlich verlässlichen politischen Verbündeten zum Schweigen zu bringen. Synagogen – unsere kollektiven spirituellen und gemeinschaftlichen Häuser – werden in Europa, Australien und Nordamerika gewaltsam attackiert.
Wo sind die moralisch gefestigten Führungspersönlichkeiten, die den Kampf gegen den Antisemitismus anführen? Wo sind die Denker, die Einflussreichen, die religiösen Führer, die bereit sind, offen und öffentlich das Judentum und jüdische Werte auf dem Marktplatz der Ideen zu verteidigen – angesichts der immer neuen Blutverleumdungen gegen Israel und das jüdische Volk?
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Es stellt sich heraus, dass das Jahr 2025 noch ein weiteres bedeutendes Jubiläum markiert – eines mit unmittelbarer Relevanz: den 60. Jahrestag der bahnbrechenden Erklärung Nostra Aetate der katholischen Kirche.
Dieses Dokument wurde auf Initiative von Papst Johannes XXIII. vorbereitet und 1965 unter Papst Paul VI. veröffentlicht – kurz nach dem Tod jenes wahren Heiligen. Während eines Großteils der NS-Zeit diente Johannes XXIII. als päpstlicher Nuntius in der Türkei und erkannte sehr wohl das Versagen der Kirche, die Juden öffentlich zu verteidigen und die Nazis zu verurteilen. Als er Papst wurde, machte er es sich zur Aufgabe, die christliche Dogmatik zu verändern, die über Jahrhunderte hinweg Juden dämonisiert, sie des Gottesmordes bezichtigt und antisemitische Klischees in Europa und darüber hinaus tief verankert hatte. Solcher Hass und Abscheu ebneten den Weg zu Hitlers „Endlösung“.
Papst Johannes XXIII. beim Besuch Gefangener im Gefängnis Regina Coeli in Rom
© United Archives/imago
Beginn des interreligiösen Dialogs
Als Papst setzte er den theologischen Prozess in Gang, der dem theologischen Antisemitismus die Grundlage entzog und das Judentum stattdessen als legitimen, das Christentum inspirierenden Glauben würdigte. Diese neue Wertschätzung des Judentums öffnete zugleich die Tore für den interreligiösen Dialog mit anderen Religionen – einen Dialog, der in den vergangenen sechs Jahrzehnten die Beziehungen zwischen den Religionen tiefgreifend verändert hat.
Ich war Zeuge der Gedenkfeier von Papst Leo XIV. zu Nostra Aetate im Vatikan. Ich nahm an zwei Veranstaltungen teil – an einer im Beisein von Hunderten religiöser Führer und an einer zweiten während der wöchentlichen öffentlichen Audienz des Papstes auf dem Petersplatz vor einer Menge von 100.000 Gläubigen.
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An diesem Tag stand ich nur sechs Meter entfernt und hörte ihm zu, als er zu Pilgern aus 24 Ländern sprach – und sang. Er erklärte: „Vor sechzig Jahren, am 28. Oktober 1965, öffnete das Zweite Vatikanische Konzil mit der Veröffentlichung der Erklärung Nostra Aetate einen neuen Horizont der Begegnung, des Respekts und der geistigen Gastfreundschaft. Dieses leuchtende Dokument lehrt uns, den Anhängerinnen und Anhängern anderer Religionen nicht als Außenstehenden, sondern als Weggefährten auf dem Pfad der Wahrheit zu begegnen; Unterschiede zu achten, während wir unsere gemeinsame Menschlichkeit bekräftigen; und in jeder aufrichtigen religiösen Suche ein Spiegelbild des einen göttlichen Geheimnisses zu erkennen, das die gesamte Schöpfung umfasst.“
Insbesondere sei hervorzuheben, dass der erste Fokus von Nostra Aetate auf die jüdische Welt gerichtet war, deren ursprüngliche Beziehung Papst Johannes XXIII. wiederherstellen wollte. So sei zum ersten Mal in der Geschichte der Kirche eine Abhandlung über die jüdischen Wurzeln des Christentums entstanden, die auf biblischer und theologischer Ebene einen unumkehrbaren Wendepunkt darstellte.
Papst Leo XIV. feiert 60 Jahre Nostra Aetate.
© ABACA/imago
Mögen wir daher niemals die Hoffnung verlieren, dass eine neue Welt ohne Spaltung möglich ist.
Leo XIV.
„Seitdem haben alle meine Vorgänger den Antisemitismus mit klaren Worten verurteilt. Und so bestätige auch ich, dass die Kirche Antisemitismus nicht duldet und ihm entgegentritt – auf Grundlage des Evangeliums selbst“, bekräftigte Leo XIV. Da auch der christlicher Glaube „mit seinem auserwählten Volk“ begann, hege die Kirche eine besondere Liebe und Ehrfurcht gegenüber dem jüdischen Volk.
Gerade heute brauche die Welt Menschen aller Religionen, die in Einheit, Freundschaft und Zusammenarbeit leben. „Nur auf diesem Weg können wir gemeinsam an Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung arbeiten – Dinge, die heute so verzweifelt gebraucht werden. Mögen wir daher niemals die Hoffnung verlieren, dass eine neue Welt ohne Spaltung möglich ist.“
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Am Ende dieser Zeremonie überreichte ich Papst Leo ein illuminiertes englisch-hebräisches Buch der Psalmen König Davids (Tehillim). Ich dankte ihm für seine klaren Worte und fügte hinzu: „Wir brauchen Ihre Führung, um dem anhaltenden Anstieg des Antisemitismus hier in Italien und weltweit entgegenzutreten. Wir beten für Ihre Sicherheit und Gesundheit.“
Papst Leo XIV. zum 60-jährigen Nostra Aetate mit Gläubigen verschiedener Konfessionen
© ABACA/imago
Wir sollten ein weiteres Gebet hinzufügen: Dass neue Generationen von Katholiken Nostra Aetate in Wort und Tat folgen, als Freunde und Verbündete dienen und ihren jüdischen Nachbarn helfen, den ältesten Hass der Geschichte durch Hoffnung und gegenseitigen Respekt zu ersetzen.
In den 1930er- und 1940er-Jahren gab es kein Nostra Aetate. Juden hatten keine Freunde und keine Verbündeten – genau in dem Moment, als sie sie am dringendsten brauchten. Fast ein Jahrhundert später beten wir, dass die Erklärungen des Papstes neue Führer aller Glaubensrichtungen und politischen Überzeugungen inspirieren werden, neue Bündnisse zu schmieden, um die Welle des globalen Antisemitismus aufzuhalten.
Rabbiner Abraham Cooper ist Associate Dean und Direktor für Global Social Action am Simon Wiesenthal Center. Er war Vorsitzender der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit. Er hat jeden Papst seit Johannes Paul II. persönlich getroffen.
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