Rabea Edel hat einen Literaturwettbewerb gewonnen und ist jetzt Berlins jüngste Autorenhoffnung

Die Welt durch ihre Augen

Eva Dorothée Schmid
3 Min

Der Wirbel ist ihr schon fast zu viel. Jetzt schon. Rabea Edel hat vor einem Monat beim Literatur-Nachwuchswettbewerb Open Mike im Podewil als jüngste Teilnehmerin den dritten Preis gewonnen und ist damit automatisch so was wie Berlins jüngste Autorenhoffnung. Neben dem Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt gilt der Open-Mike als wichtigster Preis für junge deutschsprachige Literatur. Seither rufen immer wieder Journalisten an, eine Zeitung nannte sie "Berlins schönste Dichterhoffnung". Verlage haben Interesse bekundet, ihren ersten Roman zu verlegen. "Ich hoffe, dass sich durch den Preis nicht so viel ändert, Starrummel will ich nicht", sagt die 22-Jährige, die in Cuxhaven aufgewachsen ist und seit zweieinhalb Jahren in Kreuzberg lebt. Sie will nicht als Person im Vordergrund stehen, schon gar nicht als neues Fräuleinwunder à la Judith Hermann vermarktet werden. "Bei der Fräuleinwunder-Schiene wurde ein hübsches Foto aufs Cover gepackt, aber die Autorinnen wurden nicht wirklich ernst genommen", sagt Edel. Sie dagegen will mit ihren Texten identifiziert werden - und ihren ersten Roman erst mal fertig kriegen. "Das Wasser, in dem wir schlafen" lautet der Arbeitstitel, mit Auszügen gewann sie den Open Mike. Warten auf EinfälleZu drei Vierteln ist die Erzählung, eine Familiengeschichte, in deren Zentrum das komplizierte Verhältnis zweier Schwestern steht, schon fertig. Spätestens im April soll der Roman vollendet sein. Deshalb hat Rabea Edel ihr Italienisch- und Literaturstudium an der Freien Universität für ein Semester unterbrochen. "Ich mag keine halben Sachen und habe gemerkt, dass ich neben dem Studium mit dem Text einfach nicht weiterkam", sagt sie. Jetzt setzt sie sich jeden Tag an den Schreibtisch ihrer Wohnung am Kottbusser Damm und wartet auf Einfälle. "Manchmal dauert das ein paar Stunden, spontane Eingebungen sind doch eher selten", erzählt sie. Geschrieben wird oft bis spät in die Nacht, dafür fängt sie nicht vor Mittag an. Neben dem Schreiben bleibt nur wenig Zeit für ein einziges Hobby: die Musik. Rabea Edel spielt Klarinette, mit einem Freund macht sie Klezmer-Jazz. Nach ihrem 13. Lebensjahr wurde Schreiben immer wichtiger für sie. Damals war sie beim Treffen junger Autoren in Berlin und las das erste Mal öffentlich ihre Texte vor. Seither hat sie mit Erzählungen mehrere Preise und Stipendien gewonnen. In den Werken der oft ganz in schwarz gekleideten jungen Frau geht es meist um menschliche Beziehungsgeflechte, die irgendeinen Haken haben, in denen etwas nicht hinhaut. "Ich bin aber nicht nur eine Melancholikerin", sagt sie. Heile-Welt-Geschichten seien einfach viel schwieriger zu erzählen.Die 22-Jährige verspürt zwar einen "inneren Drang zu schreiben", Spaß macht das Dichten jedoch nicht immer. "Ich bin wahnsinnig selbstkritisch und perfektionistisch, das ist schon oft Quälerei", sagt sie. Aber das gehöre zum Schreiben dazu, und einen solchen Preis gewonnen zu haben, sei Motivation für weitere Mühsal. Für viele Autoren, war der Sieg im Wettbewerb der Durchbruch zur Karriere: darunter Franziska Gerstenberg, Terezia Mora, Julia Franck und Karen Duve. Dass sie bald vom Schreiben leben kann, damit rechnet Rabea Edel aber nicht. "Erstmal will ich das Buch veröffentlichen und hoffe, dass möglichst viele lesen, wie ich die Welt durch meine Augen sehe." Bis dahin muss das Bafög reichen.------------------------------Foto: Lieber nachdenklich als lustig: Rabea Edel schreibt gerade ihren ersten Roman. Mit Auszügen daraus hat sie den Open Mike gewonnen.

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