Räuberpech: Kahn mit gestohlenem Metall soff ab

Haftstrafe für "dümmsten Kupferdieb"

Katrin Bischoff
3 Min

ORANIENBURG. Selten hat ein Staatsanwalt in einem Prozess gesagt, dass die ganze Geschichte ja doch fast belustigend wirke. Und selten hat die Polizei Dieben wie den Brüdern Werner und Richard D. mit einer gewissen Häme bei deren doch eher missglückter "Diebesarbeit" zugeschaut. Doch man konnte sowohl den Staatsanwalt vor dem Amtsgericht in Oranienburg (Oberhavel) als auch die Polizisten verstehen, wenn man der Geschichte des Angeklagten Werner D. und seines elf Jahre älteren Bruders lauschte. Letzterer allerdings hatte sich wegen Krankheit vor Gericht entschuldigt. Und so stand am Mittwoch nur der Jüngere der "dümmsten Kupferdiebe Brandenburgs" - wie die Brüder in der Vergangenheit in den Medien genannt wurden - vor Gericht.Der arbeitslose Werner D. war nach eigenen Angaben im Januar vergangenen Jahres von seinem Bruder gefragt worden, ob er sich nicht ein paar Mark dazu verdienen wolle. "Ich wollte von dem Geld die Miete bezahlen", sagte der Angklagte. Und so zogen die Männer los. Sechs Kupferpaneele im Wert von rund 20 000 Euro wollten die Brüder und ein weiterer, bereits verurteilter Komplize vom Gelände des Elektrostahlwerkes in Hennigsdorf (Oberhavel) klauen. Mit einem Kahn gelangte das Diebestrio eines Abends vom Wasser her auf das Gelände des Werkes. Die jeweils 300 Kilogramm schweren Kupferblöcke schafften sie mit Hilfe eines Radladers, den sie in einer verschlossenen Halle fanden, zum einige hundert Meter entfernten einstigen Schrotthafen des Betriebes. Doch wegen der vorgerückten Stunde und wohl auch, weil sich die Männer nicht trauten, das Metall auf ihren Plastikkahn zu laden, versenkten sie die Paneele zunächst am Ufer - gesichert mit mitgebrachten Stahlseilen. Am nächsten Abend wollten sie das Kupfer abholen. Diesmal mit einem Eisenkahn.Womit sie aber nicht gerechnet hatten: der Diebstahl war bis zum nächsten Tag längst entdeckt worden und die Polizei lag bereits auf der Lauer. Und sie hatten auch nicht bedacht, dass der etwa vier Meter lange Eisenkahn für den Transport von fast zwei Tonnen Metall völlig ungeeignet war. Denn schon beim Aufladen des zweiten Paneels, zu dem die Männer einen Kran des Stahlwerks benutzten, sank das Boot unter der Last des Diebesguts und vor den Augen der verduzten Ganoven. Schadenfreude bei Polizisten"Wir haben noch versucht, den ganzen Kahn zu heben", sagte Werner D. vor Gericht. Doch dabei sei nur der Motor des Bootes abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt seien dann die Polizisten eingeschritten. Ein Polizeisprecher hatte damals gesagt, dass die Beamten mit einer gewissen Schadenfreude einige Zeit lang dem Treiben am Wasser zugesehen hätten.Werner D., der derzeit wegen eines anderen Diebstahls im Gefängnis sitzt, wurde am Ende der Verhandlung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. "Die Strafe wird nicht zur Bewährung ausgesetzt", sagte die Richterin. Dafür sei das Vorstrafenregister zu lang und die Sozialprognose für Werner D. zu schlecht.Eine Frage beschäftigte sowohl das Gericht, als auch den Staatsanwalt und die Zuschauer im Saal bis zum Schluss: Wie wollten Werner D. und seine Komplizen eigentlich das tonnenschwere Kupfer am anderen Ufer des Oder-Havel-Kanals ohne Hilfsmittel aus dem Kahn hieven und zum bereitstehenden Autoanhänger tragen? Werner D. zuckte bei dieser Frage nur mit den Schultern. "Darüber hatten wir uns gar keine Gedanken gemacht."Zitat: "Dass der Kahn am Ende unterging, ist sicher ein wenig belustigend. " Kai-Uwe Scholz, Staatsanwalt

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