Ein Großeinsatz nahe einem von den USA genutzten Luftwaffenstützpunkt im Südwesten Englands sorgt für Aufsehen. Die britische Polizei hat mehrere Männer wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz festgenommen. Spezialisten der Armee untersuchen laut Reuters mehrere Fahrzeuge, Bewohner des nahe gelegenen Ortes Whelford mussten vorsorglich ihre Häuser verlassen.
Die Polizei in Gloucestershire erklärte den Einsatz am Sonntag offiziell zu einem „major incident“ (einen größeren Notfall). Ein Reuters-Reporter vor Ort beobachtete bewaffnete Polizisten, die den Zugang zum Haupttor von RAF Fairford blockierten. Rund 30 Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten standen demnach in der Umgebung des Stützpunkts. Einwohner wurden nach der Evakuierung in einem Freizeitzentrum untergebracht.
Bombenentschärfer untersuchen mehrere Fahrzeuge
Nach Angaben der Polizei prüft ein spezialisiertes Bombenräumkommando der britischen Armee derzeit mehrere Fahrzeuge. Was genau die Ermittler darin vermuten oder ob bereits Sprengstoff gefunden wurde, teilten die Behörden zunächst nicht mit. Auch zur Zahl und Identität der Festgenommenen sowie zu einem möglichen Motiv gibt es bislang keine näheren Angaben.
Die Polizei erklärte zugleich, sie gehe davon aus, dass die Lage inzwischen unter Kontrolle sei. Die Bevölkerung müsse sich nach dem derzeitigen Stand nicht zusätzlich beunruhigen.
Eingang zur RAF Fairford im Südwesten Englands. Die Basis wird von der US-Luftwaffe genutzt und war zuletzt auch für Einsätze im Iran-Krieg von Bedeutung.
© Justin Tallis/AFP
RAF Fairford wurde für Angriffe im Iran-Krieg genutzt
Die Lage erhält besondere Brisanz durch die militärische Bedeutung von RAF Fairford. Auf dem britischen Stützpunkt sind Angehörige der US-Luftwaffe stationiert. Die Basis verfügt über eine besonders lange Startbahn und kann schwere amerikanische Langstreckenbomber wie die B-1 und B-52 aufnehmen.
Die britische Regierung hatte den USA im laufenden Iran-Krieg erlaubt, RAF Fairford für bestimmte Angriffe auf iranische Raketenstellungen zu nutzen, von denen nach westlicher Darstellung Schiffe in der Straße von Hormus bedroht wurden. Reuters zufolge kamen dabei auch US-Bomber von dem Stützpunkt zum Einsatz.
Bereits im März waren mehrere B-1-Bomber nach Fairford verlegt worden. Großbritannien erklärte damals, die Nutzung britischer Stützpunkte sei für begrenzte defensive Operationen genehmigt worden, um iranische Raketenangriffe in der Region zu verhindern.
Iran hatte Großbritannien vor Nutzung des Stützpunkts gewarnt
Im Juli verschärfte sich der Streit um Fairford. Die iranischen Revolutionsgarden warnten Großbritannien davor, den USA Starts von dem Stützpunkt für Angriffe gegen den Iran zu ermöglichen. Militärbasen, die für Angriffe auf iranisches Gebiet genutzt würden, könnten aus Sicht Teherans zu legitimen Zielen werden. Die britische Regierung erklärte daraufhin, das Land sei jederzeit bereit, sich gegen Angriffe zu verteidigen.
Der Guardian berichtet, dass der Stützpunkt wegen seiner Rolle im Iran-Krieg in den vergangenen Monaten auch Ziel von Protesten gewesen sei.
Einen Zusammenhang zwischen den damaligen iranischen Drohungen und dem aktuellen Polizeieinsatz gibt es bislang jedoch nicht. Weder Polizei noch britische Regierung oder US-Luftwaffe haben einen solchen Verdacht öffentlich geäußert.
Ebenso gibt es bisher keine bestätigten Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund oder die Beteiligung eines ausländischen Geheimdienstes.
US-Luftwaffe erhöht Wachsamkeit
Die US-Luftwaffe wollte sich gegenüber Reuters nicht zu konkreten zusätzlichen Schutzmaßnahmen äußern. Ein Sprecher erklärte lediglich, die in Großbritannien stationierten Einheiten blieben wachsam und würden angemessene Maßnahmen zum Schutz von Soldaten, zivilen Mitarbeitern und deren Familien ergreifen. Sicherheitsvorkehrungen würden laufend an die jeweilige Bedrohungslage angepasst.
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