PEKING. Sonntag, 11.40 Uhr Ortszeit, ging in Peking eine Klage gegen den Internationalen Tennisverband (ITF) bei der Ad-hoc-Kommission des Internationalen Sportgerichtshofes Cas ein. Absender war die Pekinger Niederlassung einer deutschen Kanzlei im Auftrag des Mandanten Rainer Schüttler, der in diesem Vorstoß seine vermeintlich letzte Chance auf den Start bei dem am kommenden Sonnabend beginnenden Olympischen Tennisturnier sieht.Die Klage sei notwendig, teilte Schüttler in einer Presseerklärung mit, da ihn die ITF entgegen deren Bestimmungen nicht auf die Zulassungsliste für Olympia aufgenommen habe. "Die Befürchtung besteht, dass die ITF nach dem heutigen Tag Spieler in die Einzelkonkurrenz aufnehmen möchte, die weit hinter mir auf der Weltrangliste zum Stichtag vom 9. Juni platziert sind."Es ist eine komplizierte Geschichte, in der es um unterschiedliche Vorstellungen von Weltverband und Deutschem Olympischem Sportbund (DOSB) geht, aber auch um politische Eitelkeiten der ITF. Der DOSB hatte Schüttler am 23. Juli in letzter Minute für Peking nominiert, da der gut zwei Wochen zuvor in Wimbledon das Halbfinale erreicht und so eines der möglichen nationalen Kriterien erfüllt hatte.Auf der Startliste der ITF fehlt Schüttler allerdings trotz diverser Absagen anderer Spieler nach wie vor, weil er zum Stichtag 9. Juni nicht zu den besten 56 der so genannten bereinigten Weltrangliste gehörte. Die Frist der ITF lief am Sonnabend ab; einen Tag vorher hatte einer ihrer Sprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt, es stünden noch mindestens zwei Spieler vor Schüttler, die bei Absagen qualifizierter Akteure nachrückten. Die endgültige Liste soll am Montag veröffentlicht werden - daher Schüttlers eiliger Vorstoß beim Cas.So sehr der sich im fortgeschrittenen Alter von 32 darauf freut, vier Jahre nach dem dramatischen Finale im Doppel mit Nicolas Kiefer und dem Gewinn der Silbermedaille noch einmal Olympiateilnehmer zu sein - der Umweg übers Gericht war nicht der Weg, auf dem Schüttler in Peking landen wollte. "Komm, lass doch", entgegnete er seinem langjährigen Trainer und Manager Dirk Hordorff, als der mit ihm über die Möglichkeit der Klage sprach, "wenn die mich nicht wollen".Aber Hordorff setzte sich durch, angetrieben von der Empörung über die Versäumnisse der ITF. Er klagt: "Wenn Unklarheiten zu Lasten eines Athleten gehen, weil die Hausaufgaben eines Verbandes in den letzten vier Jahren nicht ordentlich erledigt wurden, dann kann man das nicht akzeptieren. Die Hinhaltetaktik der ITF ist wirklich skandalös".Voll des Lobes sind Schüttler und Hordorff dagegen über das Engagement des DOSB. Dessen Generalsekretär Michael Vesper kommentierte Schüttlers Vorstoß beim Cas mit den Worten: "Wir unterstützen sein Anliegen. Wir möchten ihn unbedingt dabei haben und werden dafür kämpfen. Er hat die nationalen Kriterien erfüllt, und unserer Ansicht nach gehört er auch zu den bereinigten Top 56."Trainieren, warten, spielenDie ganze Geschichte hätte so schön übersichtlich und fristgerecht sein können, wäre Schüttler schon bei den Australian Open zu Beginn dieses Jahres im Halbfinale gelandet und nicht erst in Wimbledon. Aber damals konnte er nach einer mehr als zwei Jahre dauernden Wanderung durch die Täler des Tennis nicht ernsthaft damit rechnen, sich für Peking zu qualifizieren.Während nun anderswo Schriftsätze verfasst und Ärger in Worte gefasst wurde, bereitete sich der Kandidat Schüttler so akribisch wie immer vor. Trainierte und wartete. Wartete und spielte, in der vorletzten Woche bei einer Mannschaftsrunde in der Schweiz, am Wochenende in der Deutschen Tennis-Bundesliga mit seinem Klub, dem Tabellenführer Kurhaus Aachen, beim TV Reutlingen.Er ist bereit, er ist in Form, und er hat für Montag einen Flug nach Peking gebucht. Dirk Hordorff sagt: "Wenn er nicht Montag oder spätestens Dienstag fliegen kann, dann hat das nicht mehr viel Sinn. Denn am Sonnabend geht das Tennisturnier in Peking los, und später anzureisen wäre nicht professionell."Aber die Antwort der Ad-hoc-Kommission der Cas, die angehalten ist, in solchen Fällen innerhalb von 24 Stunden zu entscheiden, müsste früh da sein. Ortszeit Peking 11.40 Uhr, in Deutschland also am sehr, sehr jungen Morgen. Auf jeden Fall rechtzeitig, um sein Flugzeug nach China zu erwischen.------------------------------Foto: Umweg übers Gericht: Rainer Schüttler, 32, träumt den olympischen Traum.
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