Verkehr

Raser-Bilanz: Berliner Polizei registriert Hunderttausende Tempoverstöße

Trotz stationärer Blitzer und mobiler Messteams meldet die Berliner Polizei eine hohe Zahl von Geschwindigkeitsverstößen. Mehr als drei Viertel der erfassten Raser sind Männer.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Die Zahl der stationären Blitzer in Berlin ist in den vergangenen zehn Jahren von 15 auf 50 gestiegen.

Die Zahl der stationären Blitzer in Berlin ist in den vergangenen zehn Jahren von 15 auf 50 gestiegen.

© Joko/imago

Die Berliner Polizei hat zwischen Januar und Juli bereits 665.937 Geschwindigkeitsverstöße registriert. Das geht aus Angaben der Behörde hervor, über die der rbb an diesem Freitag berichtete. Im gesamten Jahr 2025 waren es demnach rund 1,1 Millionen Fälle, der bisherige Höchstwert der vergangenen zehn Jahre lag 2019 bei 1.155.472 erfassten Verstößen.

Auch illegale Autorennen beschäftigen die Polizei weiterhin. Bis Ende Juli zählte die Polizei 422 solcher Rennen, im gesamten Vorjahr waren es 645 Fälle. Nach dem Fahreignungsregister des Kraftfahrt-Bundesamts seien mehr als drei Viertel der auffällig gewordenen Raser Männer.

Mehr Blitzer, aber begrenzte Wirkung

Die Zahl der stationären Messanlagen in Berlin ist in den vergangenen zehn Jahren von 15 auf 50 gestiegen. Zusätzlich seien im Schnitt neun mobile Blitzteams pro Tag im Einsatz, dazu kämen sechs auf Anhängern montierte Messanlagen, teilte die Polizei dem rbb mit. Die Wirkung stationärer Blitzer sei aber meist nur örtlich spürbar: Ortskundige Fahrer gingen häufig erst kurz vor der Anlage vom Gas und beschleunigten danach wieder.

Als positives Beispiel nannte die Pressestelle eine Anlage auf der Stadtautobahn A111 am früheren Flughafen Tegel. Dort habe es vor der Installation jährlich mehr als zehn geschwindigkeitsbedingte Unfälle gegeben, danach keinen einzigen mehr. Bei einer bundesweiten Kontrollwoche im April 2026 stellte die Polizei nach eigener Mitteilung an 203 Messstellen 6.732 Tempoverstöße fest – in 58 Fällen drohte ein Fahrverbot.

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Streit um Einziehung von Mietwagen

Der Bundesrat hat im März auf Initiative des Berliner Senats einen Gesetzentwurf beschlossen, mit dem Fahrzeuge aus Autovermietungen leichter eingezogen werden sollen, wenn sie für illegale Rennen oder Drogentransporte genutzt werden. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Justiz soll der Verschuldensmaßstab für Vermieter von „leichtfertig“ auf „fahrlässig“ gesenkt werden. Das Landeskriminalamt zählte 2025 in Berlin rund 60 Autovermietungen, die Fahrzeuge gezielt für Drogentransporte und illegale Rennen bereitstellen sollen – mit etwa 2.200 Wagen. 2023 waren es noch rund 40 Firmen.

Der Bundesrat leitete den Gesetzentwurf im April dem Bundestag zu, der noch darüber entscheiden muss. Die Bundesregierung lehnt die geplante Regelung ab. Sie bezweifelt, dass sich damit leichter Fahrzeuge beschlagnahmen lassen, deren Besitzer nicht an den Straftaten beteiligt waren. Der Bundesverband der Autovermieter Deutschlands warnte, die geplante Regelung stelle die Branche unter Generalverdacht und sei mit dem Eigentumsschutz aus Artikel 14 Grundgesetz nicht vereinbar.

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