Reaktion auf Folgen der Gesundheitsreform

In Arztpraxen droht Stellenabbau

Christian Lipicki
2 Min

BERLIN, 23. Februar. Die Gesundheitsreform könnte das Sterben von Arztpraxen vorantreiben. "Wenn Patienten in Zukunft deutlich weniger zum Arzt gehen, ist damit zu rechnen, dass Arzthelferinnen entlassen oder sogar Arztpraxen geschlossen werden", sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Roland Stahl. "Um bei finanziellen Engpässen kurzfristig Kosten zu senken, bleibt Ärzten oft gar nichts anderes übrig, als Personal zu entlassen. ".In Folge der Gesundheitsreform ist die Zahl der Arztbesuche nach vorläufigen Erhebungen im Januar stark gesunken. Grund: Durch die seit Jahresanfang geltenden Neuregelungen müssen Bürger für die Gesundheit tiefer in die Tasche greifen."Politisch gewollt".Auch die Vorsitzende des Berufsverbandes der Arzt- und Zahnarzt-Helferinnen, Sabine Rothe, erwartet einen steigenden Druck auf die Arbeitsplätze im Gesundheitswesen. "Die Gefahr von Praxisschließungen ist dort besonders groß, wo es ohnehin viele Arztpraxen gibt, also in den Ballungsräumen", sagte sie. Rothe, die 500 000 Arzt- und Zahnarzthelferinnen vertritt, machte die Politik für den bevorstehenden Wegfall von Stellen verantwortlich. "Es ist politisch so gewollt, dass die Zahl der Facharzt-Praxen verringert werden soll", sagte sie.Nach einer Umfrage des Internetportals Facharzt. de wollen über die Hälfte der 96 000 deutschen Arztpraxen in den nächsten Monaten ihr Personal reduzieren. Fast elf Prozent wollen demnach sogar zwei oder mehr Stellen streichen. Rein rechnerisch ständen über 65 000 Arzthelferinnen-Stellen auf der Kippe. Rothe sagte aber, sie halte diese Zahl für "viel zu hoch gegriffen".Kassenärzte-Sprecher Stahl gab zu bedenken, dass sich zahlreiche niedergelassene Arztpraxen schon seit Jahren in einer angespannten wirtschaftlichen Situation befänden, weil ihre Kosten zwar gestiegen wären, ihr Budget allerdings gleich geblieben sei. "Durch die Gesundheitsreform ist den Ärzten jetzt auch noch die Hoffnung genommen worden, dass es für sie finanziell besser wird", betonte er.Gleichwohl appellierte Stahl an die niedergelassenen Ärzte, sich nicht vorschnell von Fachkräften zu trennen, sondern erst die Entwicklung der Patientenbesuche in den nächsten Monaten abzuwarten.Foto: Sprechstundenhilfen: erste Ansprechpartner für Patienten.

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