Reaktionen auf Naumanns Ankündigung einer Spende für die Staatsoper Berlin

"Eventkultur statt Kulturpolitik"

BLZ
4 Min

Am Dienstag kündigte der Staatsminister für Kultur, Michael Naumann, an, er wolle im kommenden Jahr 3,5 Millionen Mark für eine Gehaltserhöhung der Staatskapelle Berlin aus der Kasse des Bundes zahlen. Die Ankündigung wurde vom Sprecher der Staatskapelle und von Georg Quander, dem Intendanten der Staatsoper, begrüßt. Quander sagte, eine Spende Naumanns ermögliche ein "sinnvolles Weiterarbeiten", und dafür stehe er "selbstverständlich zur Verfügung". "Auf das Schärfste" protestierte dagegen Christian Thielemann, der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin, gegen die "einseitige Bevorzugung" der Staatskapelle.Grundsätzlich positiv äußerte sich Berlins Kultursena- tor Christoph Stölzl, die Spenden-Offerte könne ein erster Schritt für ein dauerhaftes Engagement des Bundes sein. "Wer A sagt, muss allerdings auch B sagen", fügte Stölzl am Mittwoch hinzu. Eine einmalige Zahlung im Jahr 2001 mache keinen Sinn. Die Tarifwünsche der Staatskapelle hätten auch nichts mit der Berliner Opernreform zu tun. Diese müsse auf die sich anhäufenden Defizite reagieren, die bis zum Jahr 2002 auf rund 40 Millionen Mark beziffert würden und nicht durch ein "kurzfristiges Aufflammen von Opernsympathie" verschwinden würden.Norbert Lammert, der kulturpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, kritisierte die Spenden-Ankündigung Naumanns. Zur Lösung der eigentlichen Probleme werde damit nichts beigetragen, sagte Lammert der "Berliner Zeitung". Die Zahlung an die Staatsoper sei "in keiner Weise mit den strukturellen Problemen der Berliner Kulturlandschaft verbunden", weder leiste sie etwas für die anstehenden tariflichen Regelungen, noch gebe sie der Neuordnung der Opernszene Impulse. Im Gegenteil werde sie die Durchhaltementalität der nur am Status quo Interessierten bestärken.Reaktionen Fortsetzung von Seite 13 ---"Es wäre ja zu begrüßen", sagte Lammert über Naumann, "wenn er entgegen seiner apodiktischen Erklärungen über Wochen hinweg, dass es aus seinem Etat keine Mittel für die Staatsoper geben wird, zu neuen Einsichten gekommen ist. Aber was er jetzt unternimmt, ist wieder einmal nicht durchdacht. " Die Politik, erst 3,5 Millionen zusätzlich aus dem Berliner Haushalt für die Philharmoniker bereitzustellen und jetzt 3,5 Millionen aus dem Bundesetat für die Staatsoper, trage auch nicht zu kooperativen Beziehungen zwischen den Orchestern bei. "Statt dessen", so Lammert, "reicht man einfach mal so öffentliches Geld über den Tisch, dass man den Eindruck haben muss, die Regierung hat zuviel davon. Mit seriöser Haushalts- oder etwa gar Kulturpolitik hat das nichts zu tun, vielmehr mit einem Überschwappen der Eventkultur auf die Haushaltspolitik. " Irritiert zeigten sich die Intendanten der anderen Berliner Opernhäuser zu den neuesten Wendungen der Opernreform-Debatte. Albert Kost, der Intendant der Komischen Oper, forderte erstmals öffentlich eine Bestandsgarantie für sein Haus. Die Komische Oper sei das einzige Berliner Opernhaus, das durch effizientes Wirtschaften die Sparauflagen des Senats in den letzten Jahren erfüllt habe. Eine Fusion der Komischen Oper mit einem anderen Haus sei "absurd und künstlerisch nicht tragbar". Es sei "die gemeinsame Aufgabe von Stadt und Bund", Existenz und Qualität der drei Berliner Opernhäuser zu sichern und zu finanzieren. Die Opernin einen Verteilungskampf zu nötigen, sei "kontraproduktiv".Für die Deutsche Oper erklärten Götz Friedrich und Udo Zimmermann, der amtierende und der designierte Generalintendant, am Mittwoch "Befremden und Unverständnis". Grundsätzlich sei zwar zu begrüßen, wenn sich der Bund auch für die Opern Berlins mitverantwortlich fühle. Die "gut gemeinten Geste" des Staatsministers für Kultur, Michael Naumann, würde in der Konsequenz allerdings "zu einer Ungleichbehandlung" der Berliner Opernorchester führen - die Musiker der Staatskapelle wären dann die höchstbezahlten Opernmusiker Berlins. "Dabei haben sowohl die Staatskapelle als auch das Orchester der Deutschen Oper gleichermaßen Anspruch auf eine tarifliche Angleichung an die führenden Opernorchester Deutschlands". Wenn jetzt ein einzelnes Orchester besser gestellt werde, dann würden "unbegründete Prioritäten hinsichtlich der Wertigkeit der Häuser gesetzt", erklärten Friedrich und Zimmermann. Beide Intendanten stimmen dagegen "für ein klares Konzept" zur Sicherung und Entwicklung der Berliner Opernlandschaft. Eine wesentliche Voraussetzung dafür sei "die finanzielle Gleichbehandlung" von Staatsoper und Deutscher Oper in Berlin. (ku. )

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