Zu dem Aufmarsch erwartet die Polizei rund 350 Rechtsextremisten sowie bis zu 1 000 Gegendemonstranten aus der links-alternativen Szene. Auch die Stadt Potsdam sowie Bündnis 90/Grüne wollen mit jeweils eigenen Kundgebungen gegen die Aktion der Neonazis protestieren. Ab 10 Uhr muss am Sonnabend mit erheblichen Verkehrseinschränkungen in der gesamten Innenstadt gerechnet werden.Der Hamburger Rechtsextremist Christian Worch hatte den Aufmarsch bereits vor einem Jahr angekündigt, als er mit etwa 350 Gleichgesinnten - doppelt soviel wie damals erwartet - vom Potsdamer Hauptbahnhof in die Innenstadt ziehen wollte. Fast 1 000 zum Teil gewaltbereite Gegner hatten seinerzeit die Lange Brücke am Bahnhof besetzt und so die Marschroute der Neonazis blockiert. In Sorge um ihre Sicherheit waren diese schließlich nach Babelsberg ausgewichen.Die diesjährige Demonstration meldete Worch im Mai offiziell an. Doch diesmal soll es vom Bahnhof Potsdam-Charlottenhof unweit des Parks Sanssouci zum Hauptbahnhof gehen. Dort will Worch seine Abschlusskundgebung abhalten. Mit extra gekennzeichneten Antikonfliktteams will die Polizei vor Ort deeskalierend auf die Neonazis und ihre Gegner einwirken.Ist der Aufmarsch der Rechtsextremisten in Potsdam noch überschaubar, droht ihr eine Woche später geplantes "Heldengedenken" in Halbe (Dahme-Spreewald) zur größten Neonazi-Veranstaltung in diesem Jahr in Deutschland zu werden. Seit Jahren versuchen die Rechten, am Vortag des Volkstrauertages den größten deutschen Soldatenfriedhof Deutschlands, auf dem 27 000 deutsche Gefallene der Kesselschlacht von Halbe im April 1945 liegen, zu ihrem Wallfahrtsort zu machen. Die Organisatoren um Christian Worch haben 1 000 Teilnehmer angekündigt. Doch die Sicherheitskräfte rechnen nach dem Verbot des alljährlichen Neonazi-Gedenkmarsches für den NS-Kriegsverbrecher Rudolf Heß im oberfränkischen Wunsiedel inzwischen mit deutlich mehr Zulauf aus der rechten Szene. 1 600 Neonazis kamen im Vorjahr nach Halbe, viel mehr als erwartet. Die Schätzungen für dieses Jahr liegen weit darüber.Seit Monaten werben die Neonazis nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in den Niederlanden, in Österreich und anderen Ländern für Halbe. 60 Kränze wollen sie am 12. November durch den Ort tragen. Am selben Tag hält der Brandenburger Landtag auf dem Waldfriedhof seine offizielle Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag ab. Zu der hatte Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) eigentlich aufgerufen, um den Neonazi-Aufmarsch zu verhindern. Sicher ist: Wenn die offizielle Gedenkveranstaltung um 11 Uhr auf dem Friedhof beginnt, wird die ebenfalls im Landtag vertretene rechtsextreme DVU ihre Kränze für die hier bestatteten "heldenhaft gefallenen deutschen Soldaten" bereits abgelegt haben. Und wenn die Gedenkveranstaltung dann fast vorüber ist, sammeln sich Worchs Anhänger unweit des Friedhofs.Das von der CDU bis zur DKP reichende regionale "Aktionsbündnis gegen Heldengedenken in Halbe" wollte zwar dafür sorgen, dass die Rechtsextremisten erst gar nicht zum Friedhof gelangen - doch fühlt es sich jetzt ausgerechnet durch die Polizei behindert. Denn die zentrale Straße von Halbe, aus der durch Bühnen und Ständen von Parteien und Verbänden eine "Straße der Demokraten" werden sollte, soll den Neonazis vorbehalten bleiben. "Wir werden an den Rand gedrängt, sollen auf dem Bahnhofsvorplatz protestieren", kritisiert die Landtagsabgeordnete Karin Weber (Linkspartei) aus Königs Wusterhausen. Der Platz liegt jenseits der Bahngleise, weit entfernt vom Friedhof. Den sollen die rechten Demonstranten entsprechend der polizeilichen Auflagen ohnehin nicht erreichenMit massiver Gegenwehr müssen die Neonazis vermutlich nicht rechnen. Denn Antifa-Gruppen aus Berlin und Brandenburg wollen sich diesmal in den Protest gegen Neonazis in Halbe nicht einmischen. Dort werde mit Hilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge immer mehr "der Täter gedacht", hieß es. Die Antifas wollen am selben Tag im nahen Königs Wusterhausen demonstrieren - für die Polizei eine doppelte Herausforderung. Mit welchen Kräften die Polizisten an beiden Orten jeweils präsent sein werden, ist noch offen.------------------------------Karte: Potsdams Herz: Diesmal wollen die Neonazis vermeiden, dass ihr Marsch ins Stadtzentrum wie 2004 bereits an der Langen Brücke scheitert. Ihr Weg durch die Breite Straße soll an den einstigen Standorten von Garnisonkirche und Stadtschloss vorbei führen.
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