Regierung tritt zurück / Drei Kinder sterben an Vergiftung

Giftmüllskandal löst Krise an der Elfenbeinküste aus

Frank Räther
3 Min

JOHANNESBURG. Unruhen in Abidjan und der Rücktritt der Regierung sind die ersten politischen Folgen des Giftmüllskandals in der Elfenbeinküste, der bisher drei tote Kinder und Hunderte Erkrankte forderte. In der Presse erscheinen inzwischen täglich Berichte über Korruption in der Regierung, die die Katastrophe verursacht haben soll.In der Nacht vom 19. auf den 20. August hatte der Frachter "Probo Koala" im Auftrag der holländischen Firma Trafigura Beheer BV giftige Stoffe entladen, die auf drei Mülllagerplätzen deponiert wurden. Während das Unternehmen jetzt erklärte, es handle sich lediglich um Benzinrückstände, so vermuten Ärzte hoch giftige Schwefelsäure und Chlorelemente. Denn eine Woche nach der Entsorgung wurden über 340 Bewohner von Abidjan, die nahe den Deponien wohnen, im Universitätshospital Cocody behandelt, nachdem sie giftige Dämpfe eingeatmet hatten. Weitere sind in die Klinik von Treichville eingeliefert worden. Drei Kinder sind inzwischen gestorben. Der Zustand der anderen Patienten, die an Atemnot, Nasenbluten, Durchfall und Kopfschmerzen leiden, wird von den Ärzten als "zum Teil sehr ernst" angegeben.Die Behörden spielten den Giftmüllskandal anfangs herunter. Doch Hunderte empörte Einwohner zogen durch die Straßen von Abidjan, errichteten Barrikaden und verlangten eine sofortige Aufklärung des Giftmüllskandals. Daraufhin trat die Regierung zurück. Es wird vermutet, dass hohe Beamte oder sogar Minister Bestechungsgelder für die Entsorgung des holländischen Giftmülls erhielten. Der Vorfall soll nun untersucht werden.Die Elfenbeinküste hatte schon vor Jahren ein Gesetz gegen das illegale Abladen von Giftmüll erlassen, das drastische Gefängnisstrafen für den Fall der Zuwiderhandlung vorsieht. Auch die Organisation für Afrikanische Einheit, der Vorgänger der Afrikanischen Union, sprach sich schon in den Neunzigerjahren gegen den Giftmüllimport aus den Industrieländern aus. Damals war in zahlreichen Küstenländern entlang der afrikanischen Atlantikküste von den jeweiligen Regierungen ein lukratives Geschäft mit den gut bezahlten westlichen Giftmüllimporten gemacht worden. Andere entsorgten illegal chemische und nukleare Abfälle.Ende der Achtzigerjahre war in Guinea deshalb der norwegische Vize-Konsul verhaftet worden, nachdem 15 000 Tonnen kontaminierte Asche auf der Insel Kassa auftauchte, wo ein norwegisches Unternehmen aktiv war. Als dies international Schlagzeilen machte, stellte sich heraus, dass es ähnliche Deponien mit Tausenden Tonnen Giftmüll auch in Nigeria, Togo, Senegal, Gambia, Benin, Mauretanien und anderen Staaten gab. Guinea-Bissau waren von amerikanischen und westeuropäischen Firmen 600 Millionen Dollar für die Abnahme von drei Millionen Tonnen hochgiftiger Pharmazie-Abfälle innerhalb von fünf Jahren versprochen worden.------------------------------Foto: Junge Männer schützen sich in Abidjan mit Stofflappen vor giftigen Dämpfen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner