Für fünf der sieben Berliner Fußballklubs beginnt ab Freitag die zweite Saisonhälfte. Wer schielt noch auf die Aufstiegsplätze und wer muss ums nackte Überleben in der Regionalliga Nordost kämpfen? Ein Überblick.
Warum der Berliner AK in Sportdirektor Ergirdi einen Königstransfer gelandet hat
BFC Dynamo: 10. Platz, 23 Punkte
Es ist eine unbefriedigende Situation für den Vorjahresmeister. Die 2:3-Pleite gegen Luckenwalde vor der Weihnachtspause stand stellvertretend für das Auftreten der vergangenen Monaten. Starke Spiele wie der 4:1-Sieg gegen den heutigen Tabellenführer Cottbus wechselten sich mit schwachen Auftritten wie in Erfurt (1:4) oder eben Luckenwalde ab. Graues Mittelmaß statt Aufstiegsambitionen bestimmen den Alltag beim BFC.
Der BFC Dynamo und die Diskussion um sein Stadion der Zukunft
Der BFC Dynamo hatte 2021 den größten Mitgliederzuwachs aller Berliner Vereine
Immerhin gelang den Fußballern aus Hohenschönhausen ein Erfolgserlebnis vor dem Wiederbeginn am Freitag gegen Lichtenberg 47 (Sportforum). Im Geheimtest gegen die zweite Mannschaft von Hansa Rostock siegten die Berliner durch einen Doppelpack von Stürmer Christian Beck mit 2:0. Auch die Rückkehr des alten Traditionslogos sorgt bei Mannschaft und Verein für Aufbruchstimmung. Diese positive Energie sollte am besten schon in den kommenden Wochen in Punkte umgewandelt werden.
VSG Altglienicke: 9. Platz, 23 Punkte
Die VSG Altglienicke befindet sich ähnlich wie der BFC im grauen Liga-Mittelfeld. Sowohl nach oben als auch nach unten hat die Mannschaft von Trainer Karsten Heine ein ordentliches Punktepolster. Vor allem an der fehlenden Konstanz mangelte es bisher, obwohl sich die Südost-Berliner nach dem Sommerzugang von Tolcay Cigerci viele Hoffnungen auf eine erfolgreiche Spielzeit machten. Von einem vierten Platz wie im Vorjahr oder gar der Vizemeisterschaft wie in den zwei Jahren zuvor ist Altglienicke weit entfernt.
Die Kluft zwischen den kleinen und großen Vereinen ist noch einmal gewachsen
Berliner Pokal: BFC Dynamo weiter, zwei Regionalligisten sensationell raus!
Winterzugang Philip Türpitz, ehemaliger Kicker in Aue, Magdeburg und Rostock, soll nun für die Wende sorgen. Der 31-jährige Angreifer war seit dem Sommer vereinslos. Besonders der Kontakt zu Lothar Hamann, dem Sportlichen Leiter der VSG, begünstigte den Transfer. Türpitz ist mit seinen neuen Teamkollegen schon am Freitag beim Auswärtsspiel in Erfurt (19 Uhr) gefordert.
Hertha BSC II: 11. Platz, 18 Punkte
Die von Hertha-Legende Ante Covic trainierten Amateure stehen zwar auf einem Mittelfeldplatz, die Abstiegsplätze sind jedoch bedrohlich nah. Besonders der Oktober gestaltete sich miserabel, als einem 0:5 gegen Cottbus ein weiteres 0:5-Debakel gegen Altglienicke folgte. In den Partien, die während der Katar-WM liefen, stabilisierten sich die Hertha-Bubis. Der Ausgang der Spielzeit bleibt jedoch ungewiss.
Der Kapitän der Profis, Marvin Plattenhardt (l.), beim Training der Hertha-Amateure
© imago/Nordphoto
Die ersten Begegnungen werden wohl ein Fingerzeig sein, wohin die Reise dieses Jahr gehen wird. Einen Tag nachdem die Profis ihren ersten Kick in Bochum haben, empfängt die zweite Mannschaft im Amateurstadion Carl Zeiss Jena (13 Uhr). Eine Woche später kommt Lokomotive Leipzig nach Berlin, bevor die Amateure des FC Liverpool im Premier League International Cup vor der Brust stehen. Wie auch die Profis erwartet die U23 sehr anspruchsvolle Aufgaben im Januar.
FC Viktoria 1889 Berlin: 14. Platz, 17 Punkte
Als BFC Viktoria 1889 gab es Anfang des 20. Jahrhunderts zwei deutsche Meisterschaften, der Alltag heute lautet Kampf um den Klassenerhalt in der vierthöchsten Spielklasse. Die Fußballer aus Lichterfelde stehen knapp über den potenziellen Abstiegsplätzen, oberste Priorität für die Mannschaft von Trainer Semih Keskin hat der Ligaverbleib.
Die erste Bewährungsprobe im neuen Jahr hat es gleich in sich. Zur Mittagszeit (13 Uhr) empfangen die Süd-Berliner den Chemnitzer FC, der wiederum nach ganz oben schielt und mit nur fünf Punkten bei einem Spiel weniger hinter Tabellenführer Cottbus steht. Die Partie findet wieder in der alten Heimstätte von Viktoria statt, dem Stadion Lichterfelde.
Ex-Potsdamerin Ehegötz spielt künftig für Viktoria Berlin
Aufstiegsdebatte: NOFV-Spitze widerspricht Regionalligisten
Für mehr Stabilität soll ein Neuzugang sorgen. Laurenz Dehl kam in der Winterpause auf Leihbasis von Union Berlin. Bei Viktoria hofft der 21-jährige Mittelfeldspieler auf mehr Spielpraxis, die er bei seinen vorherigen Leihstationen in Halle und Dublin nicht bekam.
SV Lichtenberg 47: 16. Platz, 13 Punkte
Vier Punkte sind es für die Lichtenberger bis zum rettenden Ufer. „Stabil Fußball spielen, Punkte holen und am Ende die Klasse halten“, wünscht sich Benjamin Plötz. Der Sportliche Leiter spricht von einer „vollumfänglichen guten Stimmung im Team“. In Lichtenberg freut man sich auf den Re-Start am Freitag.
Für die Lichtenberger, die ohne einen einzigen Profi an den Start gehen, dürfte die Mission Klassenerhalt ein schwieriges Unterfangen werden. Besonders in der Qualität und bei den Fitnesszuständen gibt es gegenüber Ligakonkurrenten Differenzen. Die stabilen Mittelfeldplätze aus den Vorjahren werden schwer zu erreichen sein.
Im Lichtenberger Hans-Zoschke-Stadion soll der Klassenerhalt erreicht werden.
© imago images/Matthias Koch
Zum Auftakt geht es am Freitag (19 Uhr) zum Nachbarschaftsduell nach Hohenschönhausen, wobei der BFC Dynamo als Favorit in die Partie geht. Das Duell im Landespokal ging dieses Jahr an ‚die‘ Weinroten, immerhin gewannen die Lichtenberger die bisher letzte Regionalliga-Partie vor fast einem Jahr knapp mit 1:0.
Tennis Borussia Berlin: 17. Platz, 7 Punkte
Für Tennis Borussia war es eine Hinserie zum Vergessen: 13 Niederlagen in 16 Partien und ein grausames Torverhältnis von 13:54 sprechen für sich. Die Charlottenburger sind mit nur sieben mickrigen Punkten stark abstiegsgefährdet. Allen voran durch eine Reihe von Zugängen auf und abseits des Rasens soll mit aller Macht die Liga gehalten werden.
Auf dem Platz sollen der Sohn von Union-Legende Ronny Nikol, Etienne, der frühere luxemburgische Juniorennationalspieler Dino Mahmutovic und Daniel Krasucki für Erfolg sorgen. Zudem trennte sich TeBe aufgrund der prekären Tabellenlage vom Cheftrainer Abu Njie. Die Herkulesaufgabe Klassenerhalt übernimmt nun Christopher Brauer.
Sohn von Union-Legende Ronny Nikol: Etienne kehrt nach Berlin zurück
Ex-Union-Keeper „Mo“ Amsif wechselt zu deutschem Drittligisten
Am Freitag startet die Mission Klassenerhalt im heimischen Mommsenstadion in einem stadtinternen Duell gegen den Berliner AK (19 Uhr). Besonders zu Hause sollten die „Veilchen“ punkten, denn auswärts gab es in dieser Saison acht Pleiten bei acht Spielen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]