CHICAGO/PHOENIX. In einer historischen Wahl mit einem nie dagewesenen Ansturm auf die Wahllokale haben die Menschen in den Vereinigten Staaten gestern ihren neuen Präsidenten gewählt. Die Ära George W. Bush ist damit beendet. In New York war bereits am Mittag die Wahlbeteiligung von vor vier Jahren erreicht. Vor vielen Wahllokalen im Land bildeten sich lange Schlangen. Beobachter befürchteten daher Anfechtungsklagen gegen das Endergebnis.Die Wahl gilt in den Zeiten der Finanzkrise als bedeutsame Richtungswahl. Favorit war der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama. Nach dem längsten und teuersten Wahlkampf der US-Geschichte lag er in den Umfragen vorn. Im Fall eines Wahlsieges zieht der 47-Jährige als erster schwarzer Präsident des Landes ins Weiße Haus. Obama drängt auf einen raschen Abzug der US-Truppen aus Irak und ein stärkeres militärisches Engagement in Afghanistan. Innenpolitisch setzt er auf Steuersenkungen für die Mittelschicht, um die Konjunktur zu stützen. Topverdiener sollen höher belastet werden.Obamas Kontrahent, der Republikaner John McCain, wäre im Fall eines Sieges mit 72 Jahren beim Amtsantritt der älteste US-Präsident überhaupt. Seine Stellvertreterin Sarah Palin wäre die erste Vizepräsidentin der USA. McCain setzt trotz Finanzkrise wirtschaftspolitisch weiterhin auf Deregulierung. Außenpolitisch wirbt der Vietnam-Veteran für einen Verbleib der US-Truppen im Irak und eine harte Haltung gegenüber Iran und Russland.Schon vor dem Wahltag hatten 29 Millionen Bürger in 30 der 50 US-Staaten die Möglichkeit genutzt, ihre Stimme abzugeben. Insgesamt wurde eine Beteiligung von bis zu 130 Millionen Wählerinnen und Wählern erwartet. Drei Viertel der Wahlberechtigten hatten sich in die Wählerlisten registrieren lassen. Ersten Nachwahlumfragen am Abend zufolge war die Finanz- und Wirtschaftskrise für die meisten Wähler mit Abstand das wichtigste Thema. Erst am frühen Mittwochmorgen, weit nach Redaktionsschluss, sollte feststehen, wer der 44. Präsident des Landes wird.In den USA wird der Präsident nicht direkt gewählt, sondern von einem nach den Wahlergebnissen in den einzelnen US-Staaten zusammengesetzten Gremium von Wahlmännern. Für den Einzug ins Weiße Haus sind 270 Stimmen in dem Kollegium erforderlich. Neu gewählt wurde auch das Parlament. Alle Sitze des Repräsentantenhauses und gut ein Drittel der Senatsposten standen zur Wahl.------------------------------Zum ThemaHerausforderung: Die Aufgaben des neuen Chefs im Weißen Haus Seite 3Rekordbeteiligung: Vor den Wahllokalen stehen die Bürger Schlange Seite 7In Feierlaune: Wie auf Berliner Wahlpartys dem neuen Präsidenten entgegengefiebert wird Seite 24Kriselnde Supermacht: Warum die USA jetzt einen New Deal brauchen Seite 25Unser Online-Spezial: Alles Aktuelle zur Wahl auf einen Blick www.berliner-zeitung.de------------------------------Foto: Gemeinsam feiern: Amerikas neuer Präsident wird das gespaltene Land neu zusammenführen müssen.
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