Energiewirtschaft

Repsol erhält Kontrolle über seine Ölanlagen in Venezuela zurück

Gelockerte US-Sanktionen, alte Schulden und neue Förderpläne: Repsol setzt in Venezuela auf einen Neustart mit politischem Rückenwind und finanzieller Absicherung.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Hauptsitz des staatlichen Ölkonzerns PDVSA in Caracas. Mit dem Unternehmen hat Repsol die neue Vereinbarung geschlossen.

Hauptsitz des staatlichen Ölkonzerns PDVSA in Caracas. Mit dem Unternehmen hat Repsol die neue Vereinbarung geschlossen.

© Jimmy Villalta/imago

Der spanische Energiekonzern Repsol hat eine Vereinbarung mit der venezolanischen Regierung und dem staatlichen Ölunternehmen PDVSA geschlossen, um die operative Kontrolle über seine Ölanlagen in Venezuela zurückzuerlangen. Das teilte Repsol laut Reuters am Donnerstag mit.

Die Vereinbarung sieht vor, die Ölförderung aus Repsols venezolanischen Anlagen innerhalb von drei Jahren zu verdreifachen. Zudem enthält sie laut Financial Times einen garantierten Zahlungsmechanismus, der verhindern soll, dass Caracas wie in der Vergangenheit Zahlungen schuldig bleibt. Repsols derzeitige Bruttoölproduktion in Venezuela liegt laut Reuters bei rund 45.000 Barrel pro Tag.

„Diese Vereinbarung unterstreicht Repsols Engagement in Venezuela, wo wir seit 1993 ununterbrochen tätig sind“, sagte Francisco Gea, geschäftsführender Direktor für Exploration und Produktion, laut Reuters. Repsol verfüge über die technischen, operativen und personellen Kapazitäten, um die Produktion im Land zu steigern.

Größte Ölreserven der Welt, marode Infrastruktur

Venezuela verfügt über die weltweit größten Ölreserven. Mit rund 28 Millionen Einwohnern ist der Staat an der Nordküste Südamerikas eines der bevölkerungsreicheren Länder Südamerikas. Venezuela war Teil des spanischen Kolonialreichs, erklärte 1811 die Unabhängigkeit und löste sich in den Unabhängigkeitskriegen unter Simón Bolívar in den 1820er Jahren dauerhaft von Spanien; seit 1830 besteht es als eigener Staat.

Wirtschaftlich bleibt Venezuela trotz anderer Sektoren vor allem ein Erdölland. US-Sanktionen haben den Niedergang der venezolanischen Ölindustrie mit ausgelöst und weiter verschärft. Die Förderung ist laut Financial Times von einst 3,5 Millionen Barrel pro Tag auf rund eine Million gesunken – eine Folge von Misswirtschaft, Korruption und US-Sanktionen.

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Nachdem die USA im Januar den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro entführt hatten, lockerte Washington die Sanktionen gegen den Energiesektor des Landes. Laut Reuters erteilten die US-Behörden Generallizenzen, die internationalen Energieunternehmen den Betrieb von Öl- und Gasprojekten in Venezuela ermöglichen. Zudem erteilte das US-Finanzministerium laut Financial Times eine Lizenz, die Finanzinstituten Geschäfte mit Venezuelas Zentralbank erlaubt.

Milliardenforderungen an den venezolanischen Staat

Repsol ist einer der größten ausländischen Investoren in Venezuela. Der Konzern hält laut Financial Times einen 40-Prozent-Anteil am Ölfeld Petroquiriquire, den Rest besitzt PDVSA. Im vergangenen Monat unterzeichneten Repsol und der italienische Konzern Eni laut Reuters strategische Vereinbarungen zur Gasförderung am Feld Cardón IV, einem gemeinsamen Projekt beider Unternehmen.

Laut seinem im Februar veröffentlichten Jahresbericht beziffert Repsol die ausstehenden Forderungen gegenüber dem venezolanischen Staat auf 4,55 Milliarden Euro, wie Reuters berichtete. Vorstandschef Josu Jon Imaz erklärte laut Reuters bei der Analystenkonferenz, die Rückforderung der Schulden habe derzeit nicht oberste Priorität. Wichtiger sei zunächst, den regulären Betrieb wiederherzustellen.

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