Reservepolizist Werner Kreitner bewahrte Frau vor dem Ertrinken

Bezirk ehrt einen Lebensretter

Lennart Paul
3 Min

Eigentlich ist Werner Kreitner ein unauffälliger Mensch. Er spricht mit leiser Stimme. Und er redet nicht gerne über sich. Eines aber unterscheidet ihn von vielen seiner Mitbürger: Werner Kreitner hilft, wenn er einen Menschen in Not sieht. Als Lebensretter ist er jetzt von Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz (CDU) belobigt worden.Am 4. November des vergangenen Jahres fährt Werner Kreitner in einem Funkwagen die Charlottenstraße entlang. Kreitner ist Mitglied der Freiwilligen Polizeireserve. Gemeinsam mit einem Kollegen ist er auf dem Weg zum Krankenhaus Westend - eine Routinefahrt, ohne Blaulicht. Auf der Charlottenbrücke hält ihn eine Frau an. "Da treibt ein Mensch im Wasser", ruft sie. Werner Kreitner überlegt nicht lange. Er beauftragt seinen Kollegen, den Notarzt zu rufen, und läuft selbst zur Havel. Der 48jährige Kreitner ist Rettungsschwimmer und bildet außerdem bei der Polizeireserve die Taucher aus.Als er das Ufer erreicht, sieht er eine Frau auf dem Rücken treiben. Er guckt sich nach einem Rettungsring um, sieht aber keinen. Also zieht er seine Uniform aus und steigt ins Wasser. Das Wasser hat gerade mal fünf Grad. Doch als Werner Kreitner auf die Frau zuschwimmt, denkt er nicht an die Kälte: "Ich habe mir Sorgen darum gemacht, daß jemand meine Pistole klaut, die ich am Ufer liegengelassen habe", sagt er rückblickend. Während er schwimmt, geht die Frau mehrmals unter. Nach wenigen Minuten hat er sie erreicht, die Strömung hilft ihm dabei. Sie ist noch bei Bewußtsein. "Lassen Sie mich doch", sagt sie. Später wird Werner Kreitner erfahren, daß die 55jährige schon zwei Selbstmordversuche hinter sich hat. Aber sie wehrt sich nicht und läßt sich zum Ufer ziehen. Inzwischen stehen rund 30 Menschen auf der Brücke. Doch als der Lebensretter die Frau nicht aus dem Wasser bekommt, weil die Spundwand zwei Meter hoch ist, rührt sich keiner. Auch gemeinsam mit seinem Kollegen schafft er es nicht. Erst nach Minuten kommt ein dritter Mann dazu und hilft. Nach mehr als einer Viertelstunde kann Werner Kreitner aus dem Wasser steigen. "Fünf Minuten lang hing ich mit der Frau an der Leiter", erinnert sich Werner Kreitner, "ich verstehe nicht, daß kein einziger fragte, ob er helfen kann.""Zivilcourage ist heutzutage selten geworden", sagt Bürgermeister Konrad Birkholz, als er Werner Kreitner die Belobigungsurkunde überreicht. Seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren konnte er insgesamt zwei Lebensretter ins Rathaus einladen. Doch Kreitner, der in der Öffentlichkeitsabteilung des Johannesstifts arbeitet, nimmt die Urkunde und die Spandau-Krawatte beinahe schüchtern entgegen. Er spielt seinen Einsatz herunter: "Ich finde nicht, daß ich unter Lebensgefahr gehandelt habe." Zu der von ihm geretteten Frau hat er keinen Kontakt: "Mir wäre es lieber gewesen, ich hätte jemanden gerettet, der leben will." +++

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