Tierrettung

Nach 33 Tagen im Hafenkanal: Südkoreas Hai „Bukangi“ ist frei

Der Hai war zuletzt geschwächt, fraß nicht mehr und drohte durch sinkende Wassertemperaturen zu sterben. Erst im dritten Anlauf glückte die Rettung.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Südkoreanische Einsatzkräfte bei der Rettungsaktion für den Hai „Bukangi“ am 21. Oktober im Hafen von Busan.

Südkoreanische Einsatzkräfte bei der Rettungsaktion für den Hai „Bukangi“ am 21. Oktober im Hafen von Busan.

© Jung Yeon-je/AFP

Südkoreanische Behörden haben am Mittwoch den rund drei Meter langen Hai Bukangi aus dem künstlichen Kanal im Hafenpark der Hafenstadt Busan gelotst. Das Tier hatte sich seit dem 18. September und damit 33 Tage lang in dem Wasserweg aufgehalten. Das teilte das Fischereiministerium in Seoul mit, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Der Einsatz habe rund acht Stunden gedauert. Zuletzt wurde das Tier vor dem Pier 1 gesichtet, einem Anleger am Rand des Hafenbeckens außerhalb des Kanals.

Den Spitznamen Bukangi erhielt das Tier nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP von seinen Fans. Er leitet sich vom koreanischen Namen des Nordhafens (Bukhang) in Busan ab. Bei dem Hai handelt es sich laut dem südkoreanischen Nationalen Institut für Fischereiwissenschaften, das Nahaufnahmen des Tieres auswertete, um einen Schwarzhai (Carcharhinus obscurus). Zuvor war auch ein Bullenhai in Betracht gezogen worden.

Dritter Versuch geglückt

Die Rettungsaktion war der dritte Versuch, nachdem Einsätze am 29. September und 2. Oktober gescheitert waren. Beim zweiten Versuch hatten Einsatzkräfte nahe der vierten Fußgängerbrücke ein 50 Meter langes und 6,8 Meter hohes Netz gespannt und bis rund 100 Meter vor den Ausgang des Kanals verschoben.

Die Aktion musste abgebrochen werden, weil sich das Netz wiederholt am felsigen Grund verhakte, wie die Zeitung Seoul Economic Daily berichtete. Am Folgetag umschwamm der Hai die verankerte Sperre – vermutlich schlüpfte er bei Flut durch eine Lücke am oberen Rand des Netzes.

Nach Angaben von AFP trieben die Einsatzkräfte das Tier diesmal aus dem rund drei Meter tiefen Kanal. Dazu nutzten sie Netze, die zwischen schwimmenden Arbeitsplattformen gespannt waren. Taucher sicherten den Einsatz am Grund ab. Anders als bei den vorherigen Versuchen wurde der Hai in Richtung der Marina-Brücke gelotst.

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Das Gebiet um den Pier 1 gilt nach Angaben von Yonhap noch nicht als offenes Meer. Die Behörden rechnen damit, dass das Tier mit der Zeit weiter hinausschwimmt. Um eine Rückkehr zu verhindern, wurden an mehreren Stellen Sperrnetze installiert.

Zu dem dritten Versuch hatten sich die Behörden nach Angaben von AFP entschlossen, weil der Hai zuletzt nicht mehr gefressen habe und er beim Schwimmen instabil geworden sei. Zudem drohten die sinkenden Wassertemperaturen dem eigentlich in warmen Gewässern lebenden Tier zuzusetzen.

Auf der Beutejagd verirrt

Nach Einschätzung von Fachleuten geriet der Hai vermutlich auf Beutejagd in den Kanal und verlor dort die Orientierung. Der Wasserweg ist bei Flut 4,5 Meter tief, bei Ebbe nur 1,5 bis 2,5 Meter. Laut der Zeitung Korea Times wird das Auftauchen des Tieres auch mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht: Beutefische zögen wegen steigender Wassertemperaturen weiter nach Norden, die Haie folgten ihnen.

Schwarzhaie kommen weltweit in gemäßigten und tropischen Meeresregionen vor. Nach Angaben des Naturhistorischen Museums von Florida können sie bis zu vier Meter lang werden und ernähren sich vor allem von Fischen, Tintenfischen und Krebstieren. Sie wachsen langsam und erreichen erst mit etwa 16 bis 23 Jahren die Geschlechtsreife. Da die Weibchen nur alle zwei bis drei Jahre Junge bekommen, sind die Tiere besonders anfällig für Überfischung.

Nach Angaben der Stadt hatte sich das Tier seit seiner ersten Sichtung zur Attraktion entwickelt. Der Hafenpark zählte in dieser Zeit mehr als 1,6 Millionen Besucher. Busans Bürgermeister Chun Jae-soo erklärte laut Nachrichtenagentur AP auf Facebook, man werde das große Interesse an Bukangi nicht vergessen, und wünschte dem Tier ein gesundes Leben im offenen Meer.

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