Draußen pfeift der Wind, der Abend fängt mit jedem Tag früher an, wohl dem, der die Außenwelt ignorieren und es sich in der Leseecke gemütlich machen kann. Welches Buch darf’s denn sein? Wir fragen Romy Weber, die bei Bötzowbuch in der Bötzowstraße 27 als Buchhändlerin berät.
Romy Weber: „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr …“ – gerade im Herbst begleiten uns Gedichte Rainer Maria Rilkes. Wir alle haben ein Bild von ihm im Kopf als feinfühligen, sensiblen Dichter. In „Das Flimmern der Raubtierfelle“ mutet es uns Hans-Peter Kunisch zu, dass dieses Bild Risse bekommt. Es ist schmerzhaft, aber notwendig. Er zeigt uns einen Rilke, der sich nach 1918 in eine gefährliche Bewunderung für Mussolinis „neue Ordnung“ flüchtet. Kunisch klagt nicht an, er lässt Rilkes Briefe mit der jungen italienischen Fürstin Aurelia Gallarati-Scotti sprechen, die anders als er Nein zum Faschismus sagt. Ein kluges, nachdenkliches Buch.
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Empfehlen möchte ich auch das Buch von Kersty und Sandra Grether über Frauen in der Rockmusik von den 1940er bis heute. „Rebel Queens“ gehört auf jeden Weihnachtsgabentisch! In über 40 unterhaltsamen Porträts über die großen Diven der Rockmusik von Patti Smith, Joan Jett bis Amy Winehouse erzählen sie leidenschaftlich, mit ganz eigenem Sound von gesellschaftlichen Herausforderungen in der Musik und Backstagegeschichten. Ein wilder Ritt durch die Musikgeschichte, ein Buch mit Lautstärke. Wer die „Erfinderinnen des Pop-Feminismus“ in Deutschland live erleben will, kommt zur musikalischen Lesung am 18.12. ins Bötzowbuch!
Und auch wenn der Roman schon vor einiger Zeit erschienen ist, möchte ich noch einmal für „Schwebende Lasten“ werben. Annett Gröschner hat mit Hanna Krause eine Figur geschaffen, die Sie durch fast 100 Jahre deutsche Geschichte begleiten und die Sie nicht mehr loslassen wird. Das Sensationelle daran ist die Perspektive: Wir schauen von ganz unten und später von ganz oben aus der Krankanzel auf die Welt. Eine Frau, die erst zarte Blumen bindet und später tonnenschwere Lasten durch die Luft manövriert – was für ein Bild für ein ganzes Leben! Gröschner erzählt das so wunderbar trocken und humorvoll-spröde, dass man oft gleichzeitig lachen und schlucken muss. Ich hätte ihr den Deutschen Buchpreis sehr gegönnt und freue mich auf die Lesung am 25.11. um 20 Uhr bei uns, es gibt noch ganz wenige Karten.
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