DORTMUND. Wie fühlen Sie sich eigentlich als Notlösung in einer Opa-Abwehr, die im ersten Spiel so katastrophal war, dass eine zweite Chance schon eine zu viel wäre? Das ist eine Frage, die Robert Kovac so noch nie gestellt wurde. Aber sie ergibt sich aus all dem, was in den vergangenen Wochen geschrieben wurde und passiert ist. Bei den meisten Fußballprofis wäre die Frage gleichbedeutend mit dem Ende des Gesprächsversuchs. Robert Kovac, der vor der Saison von Juventus Turin zu Borussia Dortmund wechselte, würde sich vermutlich nur über seinen fast kahl geschorenen Kopf streicheln ("Das ist noch die italienische Mode") und ruhig die einzelnen Vorwürfe durchgehen.Kovacs Vertrag in Turin lief bis 2009. Doch der italienische Skandalklub teilte dem Kroaten früh mit, dass er nach dem Aufstieg in die Serie A keinen Platz mehr für ihn habe. Er nahm es ohne Murren hin und plante, zu Dinamo Zagreb zu wechseln. Dann funkte der BVB dazwischen. Weil Christoph Metzelder zu Real Madrid gegangen und Wunschkandidat David Rozehnal nicht zu bekommen war, musste schnell ein Innenverteidiger her. Kovac entschied sich: "Die sportlichen Aspekte sprechen ganz klar für Borussia Dortmund. Ich bin froh, wieder in der Bundesliga zu spielen."Note ungenügendDer BVB freute sich über einen erfahrenen Profi, der ablösefrei und problemlos zu integrieren war. Dem Boulevard gefiel die Geschichte, die hinter der Verpflichtung steckte. Kovac, vor 33 Jahren in Berlin geboren, und Christian Wörns, 35, würden das älteste Innenverteidiger-Duo der Liga bilden, die "Opa-Abwehr". Kovac schmunzelt darüber. Er sieht in seinem Alter kein Problem, verweist auf Spieler, die selbst mit 38 Jahren noch Leistung brächten. Sein Vertrag in Dortmund ist bis 2009 gültig. Dass es sein letzter sein wird, würde er derzeit bestimmt nicht sagen. Auch wenn Kovac seit vielen Jahren im Raum verteidigen muss, ist er immer noch ein Manndecker, wie er in Deutschland geschätzt und im Ausland oft belächelt wird: kompromisslos im Zweikampf, zäh, hart, bisweilen grob, eisern, technisch limitiert, schwach in der Spieleröffnung. Kovac ist auf diese Eigenschaften stolz. Er verweist auf seine Erfolge (zwei Deutsche Meisterschaften, zwei Pokalsiege, zwei WM-Teilnahmen, 62 Länderspiele) und seine Profistationen (Nürnberg, Leverkusen, Bayern München, Juventus). Das sind gute Adressen. Kovac hat einen Namen, auch international.Dass sein erstes Bundesligaspiel für den BVB rufschädigend war, gibt er zu. Für die Leistung beim 1:3 gegen den MSV Duisburg hätte er sich auch die Note ungenügend gegeben. Schon davor im DFB-Pokal gegen Magdeburg und im Test gegen Vitesse Arnheim hatten ihm Beobachter Defizite attestiert. Kovac suchte nach dem Spiel gegen Duisburg, als er bei allen Gegentreffern schlecht aussah, keine Entschuldigung. Er fand eine Erklärung: "Ich hatte schwere Beine." Trainer Thomas Doll wird dem Kroaten am Sonnabend im Revierderby beim FC Schalke 04 vermutlich noch eine Chance neben Christian Wörns geben. "Ich hoffe, dass Duisburg ein Ausrutscher war, wie er immer mal vorkommt", sagte Robert Kovac am Donnerstag, strich sich über den Kopf und trottete in die Kabine.------------------------------Foto: Zerrbild: Robert Kovac (l.) umklammert den Duisburger Klemen Lavric.
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