Römische Silbermünzen sind in Sachsen-Anhalt eine echte Rarität – und nun gibt es dort erstmals einen ganzen kleinen Schatz davon. Bei Halle an der Saale hat ein ehrenamtlich beauftragter Bodendenkmalpfleger fünf Silberdenare aus der Zeit der Römischen Republik entdeckt.
Das Besondere: Die Münzen lagen zusammen. Es handelt sich damit um den ersten sicher nachgewiesenen Hortfund republikanischer Denare im Bundesland, wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mitteilte. Für die Forschung ist das ein Volltreffer. Denn die Stücke stammen aus einer Zeit, in der es in der Region noch gar keine Geldwirtschaft gab – und werfen die spannende Frage auf, wie sie überhaupt hierhergelangten.
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Ein genauerer Blick auf die gefunden römischen Silbermünzen – auf dieser ist der heimkehrende Odysseus zu sehen.
© Jan Woitas/dpa
Ein Fund, den es in Sachsen-Anhalt so noch nie gab
Die fünf Münzen fand der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Dirk Braungardt bereits im Jahr 2025. Sie stammen aus der Spätphase der Römischen Republik, also aus der Zeit vor den Kaisern.
Eine Münze wurde um 148 vor Christus geprägt, vier weitere zwischen 82 und 79 vor Christus. Auffällig ist, dass gleich vier Stücke aus einem sehr kurzen Zeitfenster stammen.
Bislang waren aus dem heutigen Landesgebiet nur 19 republikanische Münzen bekannt – fast alle als Einzelstücke. Ein zusammenhängender Hort ist damit eine Premiere.
War es eine verlorene Geldbörse?
Die Münzen wurden auf engem Raum geborgen. Ursprünglich dürften sie zusammen gelegen haben.
Denkbar ist laut Landesamt der Inhalt einer kleinen Börse, die im Boden vergraben wurde oder verloren ging. Dass die Stücke bei ihrer Entdeckung nicht mehr exakt beieinanderlagen, hat vermutlich profane Gründe.
Als Ursachen kommen der Pflug, Erosionsprozesse oder Tieraktivität infrage. Über die Jahrhunderte gerieten die Münzen so allmählich durcheinander.
Kratzer, Zähne und geheimnisvolle Graffiti
Die Denare zeigen deutliche Gebrauchsspuren – sie waren offenbar lange im Umlauf. Das passt zur Geschichte: Republikanische Denare blieben im Römischen Reich noch bis zum Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus im Zahlungsverkehr.
Besonders interessant sind drei sogenannte Serrati, also Denare mit gezähntem Rand. In zwei Fällen tragen sie sogar Graffiti, also eingeritzte Zeichen.
Wozu die Zähnung diente, ist bis heute umstritten. Diskutiert werden ein Nachweis, dass die Münze komplett aus Silber besteht, ein Schutz gegen das Beschneiden – oder ein rein dekorativer Effekt.
Der römische Historiker Tacitus beschrieb zwar eine germanische Vorliebe für solche Münzen. Mit Blick auf das gesamte bekannte Fundmaterial im Barbaricum erscheint das den Fachleuten jedoch eher unwahrscheinlich.
Wie kam der Schatz nach Halle?
Als Zahlungsmittel taugten die Denare vor Ort nicht: Im heutigen Sachsen-Anhalt gab es damals keine Geldwirtschaft. Die Silberstücke zirkulierten deshalb als Wertobjekte – wegen ihres materiellen und vermutlich auch sozialen Werts.
Nach Halle gelangten sie wohl über überregionalen Austausch. Als Wege nennt das Landesamt Fernhandel, Subsidienzahlungen, diplomatische Geschenke, die Weitergabe innerhalb germanischer Netzwerke – oder militärische Konflikte.
Dass die Münzen so weit in den Nordosten kamen, zeigt vor allem eines: die enorme Reichweite der damaligen Kontakt- und Austauschnetzwerke.
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