Zwischen den Ständen der Markthalle Neun ist ab Freitag, dem 2. Oktober, ein Name zu finden, den viele Berliner mit einer ganz anderen Adresse verbinden: Rogacki.
Jahrzehntelang gingen im Delikatessenladen in der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg Fisch und Feinkost über die Theke - bis 2025 die Schließung durch Insolvenz eintrat. Nun ist das Traditionsgeschäft erstmals wieder mit einem eigenen Standort zurück – vorerst als Pop-up in Kreuzberg. Das ist kein Ersatz für das frühere Stammhaus, aber wieder ein Ort, an dem man Rogacki-Delikatessen kaufen und genießen kann.
Schon am Donnerstag, einen Tag vor der offiziellen Eröffnung, ist am neuen Stand Betrieb. Freunde und Fans der Feinkost-Legende bestaunen die Auslage, sprechen über den alten Laden an der Wilmersdorfer Straße und darüber, wie es mit Rogacki weitergeht. Mittendrin stehen die Geschäftsführer Daniel-Jan Girl und Jan Spielhagen, auch sie reden über ihre Kindheitserinnerungen, bezahlbares Essen und die Pläne für ein neues Stammhaus.
Neben Klassikern von der Frischetheke, versorgt ein Foodtruck die Besucher mit kleinen Häppchen zum schmalen Preis.
© Max vom Hofe / Berliner Zeitung
Und über eine Frage, die sich an diesem Ort geradezu aufdrängt: Wie passt ein Charlottenburger Delikatessengeschäft in eine Kreuzberger Markthalle? Ein Teil der Antwort steht auf der Karte. Klassiker wie Austern und Wein sind wieder da. Zugleich haben sich die Betreiber kleine, günstigere Optionen ausgedacht, die ein weiteres Stückchen bodenständiges Berlin in den Laden bringen. Rogacki ist zurück – nur eben mit einem frischeren Konzept.
Ein neuer Ort für eine alte Berliner Adresse
Für Inhaber Daniel-Jan Girl, der nach der Insolvenz die Markenrechte an Rogacki erworben hat, gehört dieser Ortswechsel zum Neustart. „Berlin hat sich verändert. Die Mittelpunkte und Lebensumstände verändern sich permanent“, sagt er. Soll eine Marke wie Rogacki eine Zukunft haben, müsse sie auch an neuen Orten und unter neuen Bedingungen stattfinden. Die Markthalle Neun sei deshalb „ein erster Appetithappen für die Berliner“.
Der Name Rogacki hat eine lange Geschichte: 1928 begannen Paul und Lucia Rogacki im Wedding mit Räucherwaren zu handeln. Wenige Jahre später zog die Familie nach Charlottenburg und eröffnete an der Wilmersdorfer Straße eine Aal- und Fischräucherei. Aus dem Betrieb wurde über Generationen eine feste Adresse für Fisch und Feinkost. Im Mai 2025 starb der langjährige Betreiber Dietmar Rogacki bei einem Brand. Wenig später meldete das Unternehmen Insolvenz an; das Geschäft an der Wilmersdorfer Straße schloss.
Girl kannte den Laden schon als Kind. Seine Mutter habe dort eingekauft und ihn mitgenommen, erzählt er. Als er von der Schließung las, habe ihn das getroffen. „Das ist schon ein Stück Kindheit, das gehört einfach zu Berlin und das darf nicht verloren gehen.“ Er meldete sich beim Insolvenzverwalter und erwarb schließlich die Marke. Gemeinsam mit Jan Spielhagen bringt er nun das Unternehmen voran.
Die beiden Geschäftsführer Jan Spielhagen und Daniel-Jan Girl eröffnen mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey den neuen Pop-Up-Stand.
© Marie Hartmann / Berliner Zeitung
Bei Rogacki sollen alle an die Theke können
Dabei wollen die beiden nicht allein auf Nostalgie setzen. „Ohne frischen Wind geht es auch nicht. Aber immer mit der Erinnerung an das Alte“, sagt Spielhagen. Zu dem, was bleiben müsse, gehöre für ihn die Offenheit des Geschäfts: Bei Rogacki sollten Menschen mit unterschiedlichen Geldbeuteln nebeneinander an der Theke stehen können. „Wir müssen bezahlbar bleiben. Wir dürfen auf keinen Fall ausgrenzen.“
Girl formuliert es noch konkreter: „Für zehn Euro kann man bei Rogacki wieder satt werden.“ Helfen sollen dabei auch zwei neue Angebote: die „Halben Eier“ und die „Berliner Schnitten“. Mit Preisen von 1,80 Euro beziehungsweise 2,30 Euro sind sie als günstiger Einstieg gedacht. Ganz für alle ist die Speisekarte allerdings (noch) nicht: Wer sich vegan ernährt, findet im Pop-up bislang nichts.
Berliner Austern und Buletten-Creme: Das ist neu
Auf die halbierten Eier – Girl nennt sie auch liebevoll die Berliner Austern – und die Schnitten kommen Cremes, für die das Team vertraute Rogacki-Geschmäcker neu verarbeitet hat. Zum Start gibt es geräucherte Forelle mit roter Bete und Meerrettich, die weltweit erste Buletten-Creme mit scharfem Senf und eine würzige Erbsencreme. Ob die neuen Gerichte ankommen, wollen die Betreiber nun herausfinden. „Wir wollen jetzt Schritt für Schritt gucken, was funktioniert“, sagt Girl.
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Berliner Feinkostlegende Rogacki kehrt zurück – wenigstens ein bisschen
Das Pop-up dient den Betreibern auch als Test: Welche Klassiker werden bestellt? Wie reagieren die Gäste auf die neuen Gerichte? Und wie funktioniert der Name außerhalb Charlottenburgs? Dort soll nach Angaben der Geschäftsführer bald ein weiterer vorübergehender Standort eröffnen; wo genau, wollen sie noch bekannt geben.
Um zwei neue Produkte wurde das Sortiment erweitert: Auf Eiern oder Schnitten lassen sich Cremes aus Buletten, Erbsen und Räucherforelle genießen.
© Jörg Carstensen/Imago
Das große Ziel bleibt ein neues Stammhaus zum 100. Geburtstag von Rogacki im Jahr 2028, möglichst in Charlottenburg. Bis dahin ist der Stand in Kreuzberg die Gelegenheit, die Rückkehr selbst zu probieren. Die offizielle Eröffnung läuft am Freitag von 16 bis 20 Uhr. Zum Auftakt bietet Rogacki 2028 gefüllte halbe Eier für jeweils einen Euro an.
Rogacki Pop-up in der Markthalle Neun. Eröffnung: Freitag, 2. Oktober, 16 bis 20 Uhr. Eisenbahnstraße 42/43, Kreuzberg.
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