Roman Folge 60

Die Nachrichten

Alexander Osang
6 Min

Luigi lachte, wenigstens sein Mund lachte.Der Alte war ziemlich schwatzhaft, er war schon sehr betrunken. Er klopfte Luigi auf die Schulter und sah dabei Landers an."Keine Sorge. Matthias hat es im Blut. Sein Vater war ein guter Anwalt. Er hat unsere Brauerei verkauft, wirklich ein guter Mann. Hah. " Er schlug nun auch Matthias auf den Rücken, der es schweigend ertrug, wie es wahrscheinlich schon sein Vater ertragen hatte.Der Anwalt lächelte.Sie redeten über den Hausbau eines Sylter Nachbarn, den Landers nicht kannte. Landers nickte, er war eine Episode gewesen, zwischen Pasta und Fisch war die Nationale Volksarmee aufmarschiert, jetzt war sie wieder abgetreten. Er war geschützt durch eine verschließbare Restauranttür, einen Anwalt mit guten Genen und einen reichen Brauer. Er aß beim besten Koch der Stadt und vögelte eine schöne Königstochter.Das Tiramisu war federleicht, es war warm und feucht. Sie tranken Espresso dazu und jetzt nahm auch Landers einen Grappa.Luigi wartete wie ein treuer alter Mops neben dem Tisch, die Züge durch lebenslange Unterwürfigkeit entstellt."Was ist denn mit Italien los?", fragte Beer und grinste. Landers erinnerte sich vage, dass sie ihr erstes Spiel verloren hatten. Gegen Irland. Die Deutschen spielten heute Nacht gegen Spanien. Er hatte noch nichts mitbekommen wegen diesem Mist.Luigi zuckte mit den Schultern, das Gesicht zu einer Geste verzerrt, die alles bedeuten konnte. Der beste Koch Hamburgs.Landers hätte ihm gern irgendetwas gesagt, aber er wusste nichts, was dem Essen und der Situation angemessen gewesen wäre.Er kannte sich nicht mit Wein aus, er sprach kein Italienisch, er war mitgebracht worden. Er war der Ostbesuch, der emporgekommene Ostbesuch. Er hatte sich auf die andere Seite des Tisches gevögelt.Der Anwalt ging als Erster.Fünf Minuten später erschien Johann vor dem Restaurant, Beer küsste Luigi und vor allem seine vier Töchter. Margarethe lächelte verkrampft. Sie setzte sich neben Johann. Landers und der Alte stiegen hinten ein.Margarethe nannte Johann Landers Adresse."Mach meine Tochter glücklich", sagte Beer. "Verstehst du?"Er packte Landers Oberarm mit seinem Schraubzwingengriff."Ja", sagte Landers."Hörst du!"Er spuckte ein bisschen. Landers sah ihm in die Augen."Lass ihn in Ruhe", sagte Margarethe.Der alte Mann ließ Landers Arm los. Sie stiegen aus, als Johann anhielt. Beer sagte nichts mehr. Er sah aus dem Fenster, dann rollte der Wagen weiter. Margarethe drehte sich nicht mehr um. Sie gingen die Stufen hoch, über die sie vor drei Wochen geflüchtet war."Es tut mir Leid", sagte Landers, wusste aber nicht, was er damit meinte."Ich habe mir die ganze Zeit nur gewünscht, mit dir allein sein zu können", sagte sie. "Als ich Matthias reden hörte und essen sah, da sind die ganzen sechs Jahre mit Jens-Uwe noch mal an mir vorbeigelaufen. Es war die leidenschaftsloseste Zeit meines Lebens. Jedenfalls war mir der Hals zugeschnürt. Und dann noch mein Vater mit seinen Kriegsgeschichten. " "Das Essen war großartig", sagte Landers."Luigi ist ein Gott. " "Wieso kommen dann nicht mehr Gäste?""Vater hat das Restaurant für heute Abend gemietet, um ungestört zu sein. " Die rote Lampe auf seinem Anrufbeantworter leuchtete."Hier ist Grundmann, Landers, hören Sie, Landers? Also gut, hier ist Grundmann, es ist kurz nach acht. Ich habe noch mal mit dem Intendanten gesprochen. Wir behandeln die Sache diskret. Außer uns beiden weiß niemand davon. Soweit es in unserem Einfluss liegt, wird es auch dabei bleiben. Die offizielle Begründung für Ihre, äh, Abwesenheit, sind familiäre Probleme. Lassen Sie sich was einfallen. Und, äh, lassen Sie den Kopf nicht hängen. " Es war eine alte Meldung, die er vergessen hatte zu löschen, aber sie fasste seine Probleme noch mal schön zusammen. Die anderen drei Nachrichten waren neu."Jan. Mutti. Melde dich doch endlich, Mensch. Bitte. " "Hi, hier ist Rudi, sag mal, hast du mal die Nummer von dieser Lilo, die ich nach deiner Fete umgelegt habe. Ich komm nächste Woche nach Hamburg, da wollte ich mich wenigstens mal bei ihr melden. Wenn du weißt, was ich meine. Alter Sack. " "Es tut mir Leid, Jan. Es tut mir so Leid. " Es war Ilonas Stimme. Landers dachte an das Mädchen, das vor seinem Loft gewartet hatte.Er starrte die Maschine an. Was für unterschiedliche Nachrichten.Margarethe fragte nichts. Sie ging in die Küche und schaute in den Kühlschrank. Sie holte eine Wasserflasche heraus. Er nahm sich ein Bier. "Es war mein Chef, meine Mutter, ein Freund und eine Freundin. " "Ist gut. " Es war angenehm ruhig hier. Er wusste, dass die Wohnung für ihn gereicht hätte. Sie verpflichtete nicht zu großen Gesten wie sein Loft. Er hatte immer noch den weißen Anzug an. Einen Anzug konnte er behalten, hatten sie versprochen. Den hätte er sich allerdings nicht ausgesucht.Landers stellte sein Bier ab und küsste Margarethe. Sie schmeckte wunderbar frisch nach all dem Fisch, er merkte, wie er fiel, es war wunderbar. Ihre Zunge bewegte sich genau richtig, wenn auch ein bisschen schneller als damals, sie wurde immer schneller. Sie drängte sich an ihn, sie rieb ihren Unterleib an seinem, sie keuchte und wühlte in seinen Haaren, bis er aufhörte zu fallen. Sie zog ihn zu der Arbeitsplatte. Er war jetzt wach, er dachte daran, wie Schneider hier sein Bier geöffnet hatte und an seinen wunden Steiß. Vielleicht war es das, was Jens-Uwe unter sensationellem Sex verstanden hatte. Auf dem Fußboden, wenigstens aber auf dem Küchentisch. Margarethe drückte ihn gegen den Tisch und räumte mit der rechten Hand den Messerblock ab, während sie mit der linken seine Schnalle bearbeitete, sie war geschickt, Jens-Uwe war ein Gürtelträger gewesen. Der Messerblock hatte 1500 Mark gekostet. Margarethe schnaufte und warf sich die Haare aus der Stirn. Er dachte an seine schwarze Hure. Es lag nicht an der Wohnung. Nicht nur. Margarethe wollte ihm beweisen, dass sie sich vergessen konnte."Lass uns ins Schlafzimmer gehen", sagte er.Er wusste schon im Flur, dass der Weg vergebens war. All ihre Anstrengungen machten es nur noch aussichtsloser. Sie lief hinter ihm, riss an seinen Sachen und zerrte an seinen Haaren, bis es wehtat. Er fiel wie ein Stein in sein Bett. Margarethe drängte ihren Körper an seinen, sie rieb an seiner Hose, seine Hände kreisten wie Reinigungsautomaten über ihren festen Rücken, sie stöhnte und schwitzte, sie steckte ihm ihre Zunge ins Ohr, er kam sich vor, als habe er einen Medizinball im Arm, am Ende hörte er auch auf, ihren Rücken zu bearbeiten.Fortsetzung folgt

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