Nachwendeliteratur

Wo die Wut aufwächst: „Mit der Faust in die Welt schlagen“

Im Herbst 2018 unterwegs mit Lukas Rietzschel, der einen Roman über Jungs im Osten geschrieben hat.

Cornelia Geißler
Cornelia Geißler
11 Min
Lukas Rietzschel am Flüsterbogen in Görlitz.

Lukas Rietzschel am Flüsterbogen in Görlitz.

© Cornelia Geißler/Berliner Zeitung

Also, ich bin der Lukas und ich habe dieses Buch hier geschrieben.“ Der junge Mann vorn im Bus stellt sich so ulkig vor, als säße er in einer Kuppelshow des Privatfernsehens. Lukas Rietzschel ist aber nicht der Bachelor, der sich eine Frau aussuchen möchte, sondern der Autor eines Romans, der einigen Wirbel in diesem Herbst verursachen könnte. Nicht nur wegen seines kraftvollen Titels. „Mit der Faust in die Welt schlagen“, heißt er. Die zwei Zeilen, die der Verlag auf die Rückseite gedruckt hat, deuten an, warum: „Zwei Brüder, ein Dorf in Sachsen und eine Wut, die immer größer wird“. Der Verleger drückt es in seiner Einleitung zu den Vorabexemplaren noch klarer aus: „Mit 23 Jahren hat er den Roman für unsere Zeit geschrieben.“ Es ist die Zeit, da sich eine Stimmung zusammenbraut, die den Frieden im Land bedroht.

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