Als Kerstin Preiwuß sich als neues Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung vorstellte, sagte sie in ihrer Rede: „Ich wuchs auf in einem gescheiterten Staat, das macht vielleicht bis heute, dass ich mir meines Wissens nicht sicher bin.“
Dabei hat sie viel Wissen aufgenommen, während sie Germanistik, Psychologie und Philosophie studierte, und sie gibt heute Wissen weiter als Professorin für Literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Die Suche nach Fragen und Antworten führte bei ihr in mehrere viel beachtete Lyrik- und Prosabände.
Ihr neuester Roman „Wir alle“, gerade auf die Shortlist zum Wilhelm-Raabe-Preis 2026 gewählt, führt sehr unterschiedliche Menschen in einer ostdeutschen Stadt zusammen. Die Krise ist spürbar, Konfrontation ist nah. Während wir über ihr Buch und über die Unsicherheiten im gegenwärtigen Staat per Videotelefon sprechen, streifen ruhig und gelassen zwei Katzen um Kerstin Preiwuß herum.
Gegenwartsroman
Kerstin Preiwuß: „Wer im Osten lebt, lebt moderner, in der Zukunft“
Im Roman „Wir alle“ erzählt die aus Mecklenburg kommende, in Leipzig lebende Autorin von nervöser Zeit. Wie begegnet Literatur den Sorgen der Gegenwart?
10 Min
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Demonstration in Leipzig vor dem Gewandhaus im Juni 2026: Der Roman „Wir alle“ spielt in einer nervösen Gegenwart.
© Maria Castro/Imago
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