Linke

Rote Hilfe war nicht alles: Eralp gründete Netzwerk für „offene Grenzen“ mit

Wie dachte Elif Eralp vor ihrem Einzug ins Abgeordnetenhaus? Was in alten Aufrufen der Linke-Politikerin steht und welches Netzwerk sie mitgründete.

4 Min
Elif Eralp will Berlin regieren. Nun rücken frühere politische Positionen der Linke-Politikerin in den Blick.

Elif Eralp will Berlin regieren. Nun rücken frühere politische Positionen der Linke-Politikerin in den Blick.

© lautSebastian Gollnow/dpa

Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Elif Eralp bis 2025 Mitglied der Roten Hilfe war. Der Verein wird seit 2012 formal vom Verfassungsschutz beobachtet und von der Behörde dem linksextremistischen Spektrum zugerechnet. Eralp sei während ihres Jurastudiums eingetreten und anschließend „über Jahre passives Mitglied“ gewesen, erklärte die Linke. 2025 sei sie wegen „teilweise anderer politischer Ansichten“ ausgetreten.

Doch Eralps politische Vergangenheit reicht darüber hinaus. Bereits 2019 gehörte die heutige Spitzenkandidatin zu den Gründern von Links*Kanax. Das Netzwerk fordert in seinem Gründungsmanifest „offene Grenzen für alle Menschen“, will „Kapitalismus, Rassismus und postkoloniale Machtverhältnisse bekämpfen“ und tritt für „globale Bewegungsfreiheit“ ein.

Ein Jahr später unterzeichnete Eralp zudem einen Aufruf, in dem es heißt, man wolle gemeinsam „das kapitalistische System stürzen“.

Eralp gründete Links*Kanax mit

Auf ihrer eigenen Internetseite beschreibt Eralp ihre Rolle selbst: „Im Juni 2019 habe ich gemeinsam mit Genossinnen und Freundinnen der Linken, als Erstunterzeichnende des Gründungsmanifests, das Netzwerk Links*Kanax gegründet.“

Das Manifest richtet sich an Menschen, die „Kapitalismus, Rassismus und postkoloniale Machtverhältnisse bekämpfen“. Das Netzwerk tritt für „demokratischen Sozialismus“ und „globale Bewegungsfreiheit“ ein. An anderer Stelle ist von einem „brutalen kapitalistischen System“ die Rede.

Zu den konkreten Forderungen gehören „offene Grenzen für alle Menschen“. Bundesländer mit linker Regierungsbeteiligung sollten außerdem „alle bisher nicht genutzten Spielräume“ ausschöpfen, um Abschiebungen zu verhindern und ein Bleiberecht durchzusetzen.

Die Position war für Eralp damals nicht neu. Bereits 2018 verteidigte sie in einer von den NachDenkSeiten veröffentlichten Replik die Forderung nach offenen Grenzen. Sie verwies darauf, dass diese aus dem damaligen Parteiprogramm und dem Wahlprogramm von 2017 stamme. „Wir, die wir diese Forderung vertreten“, schrieb Eralp, seien kein kleiner Kreis innerhalb der Partei.

„Das kapitalistische System stürzen“

Ein Jahr nach der Gründung von Links*Kanax findet sich Eralps Name unter einem weiteren Papier. Der Text erschien im Januar 2020 unter dem Titel „Für eine antirassistische und migrantische Klassenpartei“ und war als Beitrag zur Strategiedebatte der Linken gedacht.

Unter den Unterzeichnern der Linkspartei steht „Elif, Eralp, Linke Berlin“. Auch Links*Kanax unterzeichnete den Text.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Gefordert werden darin unter anderem Wahlrecht und Bleiberecht für Migranten, ein vereinfachter Zugang zur Einbürgerung und die „Legalisierung des Aufenthalts aller Illegalisierten“. Eine migrantische Linke brauche zudem eine „kompromisslose Absage an Imperialismus“.

Am Ende des Papiers heißt es, Migranten seien nicht als Opfer zu betrachten, sondern als „Klassenschwestern und -brüder“, mit denen man gemeinsam „das kapitalistische System stürzen“ wolle. Dies müsse „unsere Handlungsmaxime sein“.

„Kapitalismusüberwindende Perspektiven“

Auch nach ihrem Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus 2021 blieb Kapitalismuskritik Bestandteil von Eralps politischer Argumentation. In einer Parteitagsrede vom September 2022 verwies sie ausdrücklich auf einen Antrag von Links*Kanax für eine „migrantische und antirassistische Linke Berlin“.

Die „Konkurrenz und Spaltung in der Arbeiter*innenklasse“ nutze „nur dem Kapitalismus“, sagte Eralp. Deshalb müssten die Kämpfe „gegen Rassismus und Ausbeutung“ miteinander verbunden werden. Als Beispiele nannte sie unter anderem die Krankenhausbewegung und „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“.

Links*Kanax wird auf einer Seite der Berliner Linken weiterhin unter Eralps Mitgliedschaften aufgeführt. Dort schreibt Eralp auch, es gehe ihr um „die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse und eine Verschiebung nach links“ sowie darum, an „darüber hinausgehenden kapitalismusüberwindenden Perspektiven“ zu arbeiten.

Von der Aktivistin zur Bürgermeisterkandidatin

Inzwischen hat Eralp ihre politische Rolle abgeändert. 2021 zog die Juristin ins Abgeordnetenhaus ein. Bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September führte sie die Linke als Spitzenkandidatin mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Nun will sie Regierende Bürgermeisterin werden.

Dabei hat sich Eralp in einzelnen Fragen auch von Positionen innerhalb ihrer Partei abgegrenzt. Im März kritisierte sie gegenüber der Berliner Zeitung einen Zionismus-Beschluss der niedersächsischen Linken als „einseitig“. Sie bemängelte unter anderem, dass das Hamas-Massaker vom 7. Oktober darin keine Erwähnung finde.


Ticketshop-Tipps:

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner