FRANKFURT A. M. Wie es den Füßen von Oliver Bierhoff am Montag ging? Schwer zu sagen. Sie wackelten ein bisschen unter dem Tisch herum, in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main. Sie wirkten unruhig, aber zu sehen waren sie nicht, sie steckten in schicken, dunklen Schuhen. So wird die Welt wohl nie erfahren: Waren die Füße wütend? Waren sie traurig? Hätten sie gern eine Stimme gehabt, um zu schreien?Es ist schon lustig, was im deutschen Fußball gerade passiert: Da hat sich die Nationalmannschaft souverän für die Europameisterschaft 2008 qualifiziert, da kann sie die Partie am Mittwoch (20.30 Uhr, ARD) in Frankfurt gegen Wales als entspannten Test betrachten, da bewährt sie sich als Ort des Erfolgs und der Harmonie - und gerät plötzlich in eine Debatte über die Füße ihres Managers Bierhoff. Rudi Völler, der Sportdirektor von Bayer Leverkusen, hat Oliver Bierhoff im Magazin Kicker polemisch kritisiert: Die Philosophie des Nationalteams, moserte er, sei "zuallererst ein Produkt der hervorragenden Jugendarbeit in den Vereinen". Und überhaupt: "Die Philosophie für den Spieler Oliver Bierhoff, die musste noch erfunden werden. Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht." Füße aus Malta? Oliver Bierhoff sagte: "Ob ich Maltafüße habe, das spielt doch gar keine Rolle."Völler hat noch einen zweiten Satz gesagt, der in der sonst so glatt gebügelten Fußballbranche auffällt: "Oliver Bierhoff sollte sich in den nächsten Tagen bei Dr. Müller-Wohlfahrt untersuchen lassen. Das permanente Sich-selbst-auf-die-Schulter-Klopfen muss doch schmerzhafte Schädigungen nach sich ziehen." Bierhoff konterte am Montag in der DFB-Pressekonferenz: "Ich finde es schon ein bisschen traurig, dass man persönlich wird und unter die Gürtellinie geht, wenn man keine Argumente hat oder einem die Argumente ausgehen. Das ist eine absolute Frechheit." Völlers Aussagen seien "vollkommener Schwachsinn" und "Stammtisch-Art - das ist nicht mein Niveau".Er habe doch, so der Manager der Nationalmannschaft, "nur über unsere Arbeit gesprochen. Ich habe nicht die Arbeit der Bundesligavereine kritisiert". Dann schob Bierhoff noch eine Spitze gegen Völler hinterher: "Es ist ja nicht das erste Mal, wo er auch etwas emotionaler wird." Damit hat er wohl Recht: "Der bekloppte Cha" habe wohl "zu viel Aspirin" genommen, schimpfte Völler einmal über den früheren südkoreanischen Bundesligaprofi Bum-Kun Cha; seine Käse-Mist-Scheißdreck-Rede in Reykjavik aus dem Jahr 2003 ist ebenso legendär.Der Streit zwischen Oliver Bierhoff und Rudi Völler taugt als Stoff für eine Komödie: Endlich geht es einmal nicht zu wie im diplomatischen Dienst, sondern wie auf dem Bolzplatz; endlich ist der Fußball einmal ganz bei sich. Der Streit ist auch wegen seines Zeitpunkts und seiner Heftigkeit interessant. Er zeigt, dass die Stimmung zwischen den Verantwortlichen der Nationalmannschaft und jenen der Bundesligavereine nach wie vor angespannt ist. Nur ist mittlerweile nicht mehr der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Reizfigur, an der sich die Konflikte entzünden, sondern der Manager Bierhoff.Klinsmann und Bierhoff haben, anders als der neue Bundestrainer Joachim Löw, eine umfangreiche Fußballer-Biografie, sie sind selbst lange Nationalspieler gewesen. Wenn sie nun als Vordenker der Branche auftreten, reagiert die Liga gereizter, als wenn Löw spricht, der Mann, der von außen kam. Bierhoffs Vergangenheit spielt in die Aufregung der Gegenwart hinein. Der deutsche Teamchef Völler hatte den Nationalstürmer Bierhoff im Jahr 2002 als Kapitän abgesetzt und bei der WM nur 81 Minuten spielen lassen. "Er hat die Philosophie für mich nicht gefunden", spottete Bierhoff nun am Montag; seine Klubs in Italien hätten es besser gemacht, "dort bin ich Torschützenkönig und Meister geworden".Bierhoffs Erwiderung klingt zwar eleganter als Völlers Attacke; im Kern aber sind beide Wortmeldungen ähnlich scharf. In der Sache hat der DFB-Manager alle Argumente auf seiner Seite: Er hat sich in seinen jüngsten Interviews tatsächlich um vorsichtige Formulierungen bemüht. Trotzdem nervt sein Auftreten die Klubs. Sie reagieren nach wie vor überempfindlich auf Verbesserungsvorschläge von außen; ihre andauernden Blamagen in den internationalen Wettbewerben, gepaart mit den Erfolgen des Nationalteams, führen bei manchem Liga-Vertreter offensichtlich zu ausgewachsenen Komplexen.Wie die Show nun weitergeht? Bierhoff sagt, er wolle weiter den Kontakt zu den Klubs suchen, und er behauptet, er sei nicht nachtragend. Fortsetzung folgt. Demnächst in diesem Theater.------------------------------"Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht." Rudi Völler über Oliver Bierhoff------------------------------"Ich finde es schon ein bisschen traurig, dass man unter die Gürtellinie geht, wenn einem die Argumente ausgehen." Oliver Bierhoff über Rudi Völler------------------------------Foto: Die Ämter kommen und gehen, der Ärger bleibt: DFB-Teamchef Rudi Völler und sein Kapitän im Oktober 2001 bei der WM-Qualifikation.
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